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 Auf Irrwegen [One-(Two?^^)-Shot]

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Lenz

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BeitragThema: Auf Irrwegen [One-(Two?^^)-Shot]   Fr 28 Jun 2013, 00:27

Hoffe das baut dein Immunsystem ein bisschen auf Wink Ein Kapitel kommt noch, wollte ja nur was kurzes schreiben. (Tut mir Leid, wenn die zwei was zickig sind, aber ich glaube du kannst dich in die Situation hineinversetzen und es ihnen nachsehen ^^" sind beim nächsten Mal lieber, versprochen =P).


Ein lautes Knacken in den Büschen ließ sie beide herumfahren. Der Wind rüttelte die Blätter auf und erweckte die Schatten der Nacht zum Leben. In der Finsternis am Rande des Weges rührte sich etwas. Es schnaufte und kam rasch näher, wühlte dabei den feuchten Waldboden auf. Scharrend und unnatürlich laut und eindringlich schnüffelnd bahnte es sich seinen Weg zielstrebig in ihre Richtung.
Kili spannte seinen Bogen. Er konnte seinen Puls in seinen Ohren hören, seine Nerven waren wie die Sehne bis zum Zerreißen gespannt. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte er in der Dunkelheit etwas zu erkennen, doch selbst das volle Mondlicht, das durch das Geäst brach, konnte die Düsternis nicht erhellen. Er hörte wie sein Bruder neben ihm langsam sein Schwert aus der Scheide zog.
Sie irrten schon seit zweineinhalb Tagen in diesem seltsamen Landstrich umher. Dabei hätte dies die kürzeste Strecke ihrer Reise sein sollen. Fili und Kili waren von Norden gekommen, viel zügiger als sie abgesehen hatten und hatten schon gefürchtet, sie würden mehrere Tage vor dem vereinbarten Termin in dem kleinen Dorf im Auenland auftauchen, das sie suchten. Selbst bei ihrem Vorsprung konnten sie wohl von Glück reden, wenn sie jetzt noch am richtigen Tag erschienen, denn sie schienen sich seit sie diesen seltsamen Wald betreten hatten nur noch weiter zu verirren. Fili hatte zwar angemerkt, dass sie zu weit nach Süden gewandert waren und sich auf der Hauptstraße nach Westen hätten richten müssen, aber sie waren nicht umgekehrt. Wie hätten sie auch ahnen sollen, dass in dieser allseits als „friedlich“ bekannten Gegend solche Labyrinthe auf sie warten würden?
Das Rascheln erstarb jäh. Das Tier oder was es auch immer war, befand sich nun unmittelbar in der dornigen hohen Hecke vor ihnen. Ihre krummen Ranken wanden sich bis auf den Weg, wie Arme, die sie nach vorbeikommenden Reisenden ausstrecke, um sie in die Dunkelheit zu zerren.
Eine Schweißperle rann Kilis Schläfe hinab. Seine Finger zuckten. Sollte er schießen?
Als hätte Fili seine Gedanken gelesen, zischte er: „Warte! Noch nicht.“. Sein Bruder schlich vorsichtig vorwärts. Im Busch rührte sich nichts, aber das Schnüffeln und Schnauben wurde lauter, je näher Fili der Hecke kam. Als er einen Fuß neben ihr stand, nahm er sein Schwert in die Linke, um mit der anderen nach den Ästen greifen zu können.
Sie sahen sich an. „Bei drei.“, flüsterte Fili und Kili nickte.
„Eins.“
Kili schluckte und konzentrierte sich mit all seinen Sinnen auf den Punkt von dem das Schnaufen herrührte.
„Zwei...“, Fili umfasste einen dicken Ast und spannte seine Schwerthand an.
„Drei!“
Mit einem Ruck riss Fili das Dickicht in die Höhe. Ein ersticktes Quieken gellte durch die Nacht und eine dicke runde Gestalt machte unbeholfen einen Satz auf den Weg. Kili machte sich zum Schuss bereit, doch noch bevor er begriff, was da auf ihn zukam, hatte sein Kopf schon den Befehl an seine Finger geleitet den Pfeil nicht loszulassen. Im nächsten Augenblick erkannte er nun auch, was da über den Waldboden trampelte. Im fahlen Mondlicht watschelte ein riesiger fetter Dachs über den Weg und suchte schnaubend das Weite. Wie vom Donner gerührt starrte Kili ihm hinterher.
„Was ist das denn gewesen?!“, Fili hatte als erster seine Sprache wiedergefunden und tauchte zu Kilis Rechten auf.
„...Ich habe keine Ahnung.“, murmelte er und ließ den Bogen sinken. „Es sah aus wie ein Dachs, aber....“
„...er war groß.“
Kili prustete. „Du meinst wohl ‚fett‘.“
„Ich meine, er war gewaltig!“, Fili machte eine ausholende Bewegung und sie schauten sich entgeistert an. „Thorin hat gesagt, hier würden kleine Leute wohnen. Er hat wohl gemeint, sobald man das Land betritt beginnt man zu schrumpfen. Ausgenommen der Tiere, die hier leben!“
„Würde erklären, warum mir der Weg viel länger vorkommt, als er eigentlich sein sollte.“, merkte Kili an und warf seinem Bruder einen vorwurfsvollen Blick zu.
Fili verdrehte die Augen. „Nur weil ich die Karte habe, heißt das nichts, dass du aufhören kannst deinen Kopf mitzubenutzen. Ich habe jedenfalls nicht gehört wie du etwas gegen meine Reiseroute eingewandt hättest.“
„Nun, hättest du dich auch nur einmal umgedreht, um dir die Umgebung genauer anzusehen, wär dir vielleicht wenigstens mein skeptischer Blick aufgefallen.“, gab Kili schnippisch zurück und steckte seinen Pfeil wieder in den Köcher. „Dann würden wir zum Beispiel jetzt nicht mitten in der Nacht auf einem Trampelpfad im Wald stehen, sondern hätten die Lichter von Habbingen schon vor uns!“
„Es heißt ‚Hobbingen‘, lieber Bruder. Mit ‚o‘.“, berichtigte ihn Fili trocken, steckte sein Schwert wieder ein und drehte sich um. Mit zügigen Schritten folgte er weiter dem Weg in die Nacht hinein.
Kili biss sich auf die Unterlippe. Ihm fiel keine schlagfertige Antwort ein, die er Fili hinterherrufen konnte. Eine frische Brise wehte ihm um die Beine, während er so dastand und nach Worten rang und sein Bruder sich immer weiter entfernte. Als ihm endlich etwas passendes in den Sinn gekommen war, war Fili schon beinahe nicht mehr zu sehen. Ihm jetzt noch etwas nach zu rufen, wäre noch peinlicher als den Versprecher einfach so stehen zu lassen... Mit grimmiger Miene schluckte Kili schließlich seinen Stolz hinunter und rannte seinem Bruder nach.
„Jetzt warte doch!“
Selbst in der Dunkelheit konnte Kili erkennen, dass Fili grinste. Er überlegte, ob er ihm einen Stoß in die Rippen geben sollte, entschied sich aber dagegen. Wahrscheinlich rechnete sein Bruder damit und es wäre also viel irritierender, wenn er es nicht tat. Abgesehen davon befanden sie sich immer noch in einem nächtlichen Wald und konnten trotz des Mondes kaum etwas erkennen. Auch wenn es hier friedlich sein sollte, Kili hatte ein ungutes Gefühl.
Der Teil des Waldes, der sich zu ihrer Linken befand und aus dem der Dachs hervorgekrochen war, war viel beengter und zwischen den Bäumen stieg ein seltsamer dumpfer Geruch auf den Weg. Irgendetwas an diesen Pflanzen war anders. Sie rochen alt. Viel älter als der Bereich, der zu ihrer Rechten lag und wo hier und dort Mondlicht in Pfützen am Boden schimmerte. Links hingegen herrschte nichts als Finsternis. Als würden sie neben einer schwarzen Mauer gehen. Oder vielmehr er. Natürlich ging er links neben Fili, er wollte es sich nicht nehmen lassen die gefährlichere Position zu haben. Allein schon, weil Fili ihn dann später nicht mit irgendetwas aufziehen konnte...
Unvermittelt blieb sein Bruder stehen. „Hörst du das auch?“
Kili hielt inne und lauschte. Waldkäuze reifen im Geäst über ihnen und die Luft war erfüllt mit Zirpen und Sirren. Doch da war noch etwas. Feines Gluckern und Glucksen wie von fließendem Wasser.
„Ein Fluss?“, er hob die Brauen und Fili nickte. Sein Mund kräuselte sich.
„Und wo Wasser ist, werden wir früher oder später Behausungen finden!“, sein Bruder klopfte ihm voll Enthusiasmus auf den Rücken und sie beeilten sich den Pfad hinter sich zu lassen.
Es dauerte noch etwas, bis sie das Wasser erreichten. Der Weg fiel mehr und mehr ab und im Schatten der Bäume konnten sie die Wurzeln und herabgefallenen Äste vor ihren Füßen nicht erkennen. Mehrmals stolperten sie beinahe und Kili wäre um ein Haar in den Büschen gelandet, wenn Fili ihn nicht gehalten hätte. Fast als würde der Wald es ihnen absichtlich so schwer wie möglich machen wollen. Und Kili traute es ihm durchaus zu. Irgendetwas war an diesen Bäumen, das ihn stutzig machte und ihm eine Gänsehaut versetzte. Oder vielleicht war es auch nur der modrige Gestank, der über allem lag.
Das Plätschern war inzwischen zu einem Rauschen angeschwollen, als Fili und Kili die letzten tief hängenden Zweige endlich hinter sich ließen und auf eine moosige Uferböschung traten.
Kühl wehte ihnen der Wind entgegen. Kili atmete tief ein und genoss es endlich wieder klare Luft zu riechen. Wasser spritzte ihm als feiner Sprühregen ins Gesicht. Das war mehr als nur ein kleiner Bach. Mit fast beängstigender Kraft brandete der Strom gegen den Hang. Gleißend blitzte Mondlicht auf der rasenden Wasseroberfläche, die sich wild kräuselte und kleine Wellen schlug.
„Überqueren können wir ihn jedenfalls nicht...“. Fili sprach damit aus, was sie beide bitterlich einsehen mussten. „Zumindest nicht hier.“
Mit den Schultern zuckend wies Kili den Flusslauf hinauf. „Vielleicht müssen wir es auch gar nicht. Wenn wir ihm lange genug folgen, werden wir schon auf irgendwelche Behausungen treffen und da gibt es sicher eine Brücke oder wenigstens eine Fähre.“
„Schön wär es...“, brummte Fili und hantierte mit einer großen Karte herum. „Soweit ich es bei dem Licht sehen kann, gibt es südlich des Flusses nichts. Es gibt Ausläufe im Westen und Norden, wo kleine Ortschaften sein dürften, aber nicht hier...“.
„Und das soll ich dir glauben?“, Kili legte die Stirn in Falten und musterte die Karte zweifelnd. „Das letzte Mal als du auf die Karte geguckt hast, warst du auch der festen Überzeugung, wir kommen genauso gut an unser Ziel, wenn wir uns weiter südlich halten.“
Sein Bruder faltete das Pergament wieder zusammen und tat unbeeindruckt. „Ich habe nie behauptet fest davon überzeugt zu sein. Ich habe lediglich gemutmaßt und du hast nichts eingewandt. Wenn du glaubst es besser machen zu können: Bitte sehr.“, er streckte Kili die Karte entgegen.
Er verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte so zu tun, als ob er etwas Interessantes im Schilf beobachten würde, um Filis Blick auszuweichen. „Davon hab ich nichts gesagt. Ich muss es nicht besser machen können, um an deiner Fähigkeit eine Karte lesen zu können zu zweifeln.“
„Musst du wohl“, gab Fili entrüstet zurück. „Wenn du glaubst, ich mach es falsch, hast du eine Idee davon wie es deiner Meinung nach richtig sein sollte. Also glaubst du es besser zu können!“
„Tue ich nicht! Ich mein bloß, dass du etwas nicht ganz richtig gemacht haben kannst, sonst würden wir jetzt nicht hier stehen! Ich weiß ja noch nicht mal was du überhaupt gemacht hast.“, erwiderte Kili stur.
Sein Bruder wedelte ihm mit der Karte vor dem Gesicht herum. „Ist dir vielleicht schon mal der Gedanke gekommen, dass die Karte alt ist? Weshalb wir hier herumstehen, muss nicht meine Schuld sein. Ich habe die Karte gelesen wie jede andere auch und du kannst dich nicht beschweren, ich würde uns nie ans Ziel bringen! In den Eisenbergen habe ich uns immer dahin gebracht, wo wir hin wollten und auch wieder zurück!“
Genervt schlug Kili die Karte zur Seite. „Aber ich kann mich auch daran erinnern, dass du dich dabei zwischendurch verlaufen hast! Und fein, ja, dann ist es eben die Karte schuld! Meinetwegen! Können wir jetzt weitergehen? Mir ist kalt und ich bin müde und ich habe keine Lust in der Nähe dieses verdammten Waldes zu schlafen!“, er schnappte das Pergament aus der Luft und ging schnurstracks das Ufer nach links entlang hinauf.
Ich hab mich verlaufen?!“, meckerte Fili hinter ihm. „Vielleicht deshalb, weil du mir beim Wegfinden so eine große Hilfe bist! Und ich bin genauso müde und hungrig wie du!“
Kili antwortete darauf nicht, sondern lief starr weiter geradeaus flussaufwärts.
„He!“, Fili fasste ihn plötzlich an der Schulter und zwang ihn stehen zu bleiben. Grimmig zog Kili seinen Arm weg, ging aber nicht weiter.
„Lass uns aufhören damit! Wir sind beide erschöpft und es nützt nichts, wenn wir unsere letzten Kräfte dafür aufbrauchen uns zu streiten.“ Es klang versöhnlich.
Widerstrebend hob Kili den Blick und schaute in die unerwartet weichen und müden blauen Augen seines Bruders. Er fühlte einen Stich im Bauch. Schuldbewusst presste er die Lippen aufeinander und nuschelte zuletzt: „....Tut mir Leid... Ich-...“, er schloss kurzerhand die Lücke zwischen ihnen und drückte Fili an sich. „...Ich war ein Esel! Ich hab nicht nachgedacht... Verzeih mir bitte.“
„Schon gut.“, sein Bruder tätschelte ihm den Rücken. „...Ich bin auch nicht besser. Manchmal sind wir beide zwei Ochsen...“.
Sie lösten sich voneinander und Fili grinste. „Wird mein schlechter Einfluss auf dich gewesen sein, kleiner Bruder.“
Kili nickte ernst. „Ja. Denke ich auch. Irgendwoher muss ich das ja haben.“
„Oh ja... Thorin kann es selbstverständlich nicht gewesen sein...“, bestätigte Fili.
Sie grinsten sich verschmitzt an.
Lachend und mit deutlich leichteren Herzen machten sie sich wieder auf den Weg.
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BeitragThema: Re: Auf Irrwegen [One-(Two?^^)-Shot]   Do 04 Jul 2013, 20:15

Die Schatten schienen mit jeder Minute dunkler zu werden. Kili zog den Kragen seiner Kapuze höher. Die Luftfeuchtigkeit kitzelte sein Gesicht und eisiger Wind blies ihm durch die Ritzen seiner Kleider. Immer wieder fielen ihm die Augen zu. Seine Lider waren so schwer und seine Augen juckten vor Müdigkeit. Letzte Nacht hatten sie ohnehin schon zu wenig geschlafen und nun sollten sie offenbar gar keinen Schlaf mehr finden. Vor ihm in der Finsternis schwankte Filis Silhouette unstet hin und her, doch er stapfte weiter voran. Immer weiter den Fluss hinauf. Kilis Füße sackten hier und da im Morast ein, er stolperte mehr als dass er ging. Wie lange sollten sie sich so noch vorwärts schleppen?
Er warf einen Blick nach links, wo der Wald wie ein pechschwarzer Wall neben ihnen aufragte. Seine knorrigen Arme wölbten sich bis über das Flussufer, die Stämme, sofern Kili sie in der Nacht ausmachen konnte, wirkten wie in Krämpfen erstarrte hagere Leiber, die sich hierhin und dorthin wunden. Zwischendurch blitzen Augen aus dem Dickicht hervor. Flackernder Glut gleich glommen sie aus den Schatten.
Kili erschauderte unwillkürlich. Je länger er die Bäume betrachtete, umso größer und unheimlicher schienen sie zu werden. Als würden sie sich von seiner Angst nähren. Er verscheuchte den Gedanken sogleich. Den Kopf schüttelnd wandte er sich wieder dem unebenen Weg vor ihm zu. Fili war inzwischen ein ganzes Stück weit von ihm entfernt. Gebeugt kämpfte er sich weiter durch die Nacht. Trotz seiner zusammengesunkenen Gestalt erschien er Kili größer geworden zu sein oder vielmehr sich höher zu befinden. Und erst jetzt bemerkte Kili, dass das Gelände anstieg. Dichtes Geäst über dem Ufer hüllte es in Finsternis und so sah er nicht wie hoch es noch ging, auch sein Bruder war schon aus seiner Sicht verschwunden.
Auf einmal machte Kilis Herz einen Satz. „Fili?!“, doch die tosenden Wassermassen, die das Flussbett herunterbrachen, erstickten seine Stimme. Panik breitete sich wie Feuer in seinen Adern aus. Entgegen seiner Erschöpfung beschleunigte er seine Schritte. Aber bereits nach dem ersten Stück der Anhöhe, verließ ihn die Kraft in seinen Muskeln und seine Beine knickten unter ihm weg.  Kilis Hände versanken in eisiger matschiger Erde, als er versuchte seinen Sturz abzufangen. Scharfe Steinkanten schnitten ihm in die Haut, er biss sich auf die Lippen, Schmerz pulsierte durch seine Unterarme. Kälte drang in seine Beine, als seine Hose dort, wo er sich mit den Knien gegen den Boden stemmte, von Wasser durchnässt wurde. Blinzelnd rieb sich Kili mit der Schulter über die Augen. Die Dunkelheit war plötzlich so dicht, dass er sich wie erblindet fühlte und das monotone Donnern des Flusses betäubte sein Gehör.
Kraftlos kämpfte er sich auf allen Vieren die Böschung hinauf. Er wusste nicht wie weit es noch war bis er endlich oben ankommen würde und ob sein Bruder dort auf ihn wartete. Hoffentlich war Fili nicht so von Müdigkeit betäubt, dass er vergaß sich hin und wieder nach Kili umzusehen. Was, wenn sie sich in der Schwärze verlören? Ein Blick zur Seite verriet Kili, dass anscheinend Wolken den Mond verhangen hatten, denn auf dem Wasser tanzten keine Lichtfunken mehr und es rauschte matt und glanzlos wie eine graue Masse das Flussbett hinab.
Als er den Abhang nach einer gefühlten Ewigkeit endlich erklommen hatte, empfing ihn vollkommene Dunkelheit. Die Bäume mussten sich so eng und ineinander gewunden über das Ufer erstrecken, dass sie jedes Licht abfingen. Weit konnte sein Bruder so nicht gekommen sein, er musste mit Sicherheit hier irgendwo stehen und warten bis der Mond wieder hinter den Wolken hervorkam. Kili versuchte mehrmals sich aufzurichten, doch ihm schwindelte und immer wieder kippte die Welt, die er kaum sah, und er sank schließlich abgekämpft in die Knie. Flüche vor sich hin murmelnd kroch er vorwärts. Er tastete mit seinen Händen links und rechts vor sich, um möglichen Hindernissen in Form von Steinen zu entgehen. Der Druck auf seinen Ohren schwand allmählich je weiter er voran kam und ihm kam der Gedanke, er könnte wenigstens hier wieder versuchen nach Fili zu rufen. Gewiss würde er ihn jetzt hören. Aber noch ehe Kili den Mund öffnen konnte, prallte sein Kopf unversehens gegen etwas Weiches. Er zuckte verschreckt zurück und ebenso der Besitzer des Beins, gegen das er gestoßen war. Für einen kurzen Augenblick konnte er nicht mehr einschätzen, wo links, rechts oder überhaupt der Boden war. In seiner Verwirrung griff Kili kurzerhand ins Nichts vor sich, um sich irgendwie wieder zu fangen. Er bekam Filis Hose zu packen und klammerte sich um die Knie seines Bruders, der über ihm einen halb erstickten Aufschrei von sich gab.
„Kili?!“
Er tätschelte Filis Kniescheibe, die sich unmittelbar neben seiner Wange befand, und nuschelte durch den Stoff: „Tut mir Leid.“
„Willst du mich zu Tode erschrecken?!“, zeterte sein Bruder und schwankte, damit er sein Gleichgewicht halten konnte. „Ich dachte fast, ich hätte dich verloren!  Was springst du mich so aus dem Dunkeln an!?“
„Ich.... ...“, Kili blinzelte gegen seine Müdigkeit an, die ihn zu übermannen drohte, und rang nach einer Ausrede. „...ich... wollte sicher gehen, dass du nicht wieder abhaust oder vor Schreck wegrennst wie ein Hase...- Au!“ Filis Hand streifte unsanft seinen Hinterkopf.
„Sicher.“, entgegnete dieser brummig. „Und deshalb kriechst du durchs Gras wie eine Blindschleiche und läufst dann auch noch zielsicher in mich hinein!“
Kili wollte etwas erwidern, als unversehens der Fluss, der sich zu seiner Rechten befand, in fahles tanzendes Licht gehüllt wurde. Trotz des spärlichen Mondscheins, der zwischen den Ästen hindurchglitt, wurden die Konturen der Welt um sie wieder schärfer. Immer noch Filis Knie umklammernd, blickte er auf und schenkte seinem Bruder ein unschuldiges Grinsen. Obwohl sein Gesicht in Schatten gehüllt war, konnte Kili erkennen wie Fili die Augen verdrehte.
„Lass uns weitergehen bevor ich hier noch im Stehen einschlafe.“, seufzte er und streckte ihm die Hand entgegen. Kili ergriff sie und kam wankend wieder auf die Beine.
Taumelnd folgte er seinem Bruder. „Wie lange sollen wir noch wandern?“, murrte er und wich träge herabhängenden Zweigen aus. Ein Ziehen auf seiner Kopfhaut verriet ihm, dass er nicht erfolgreich gewesen war und unwirsch riss Kili an den Ästen, um sein Haar aus ihnen zu befreien.
Fili zuckte müde die Schultern. „Ich hab nicht vor auf dieser Flussseite ein Auge zu zu tun. Wir können uns ein Lager machen, wenn wir drüben sind.“
„Wenn wir je drüben ankommen, meinst du wohl...“. Kili versuchte im Gehen seine Haare wieder zu entknoten und die Zweige und Blätter aus ihnen zu entfernen. Er fand eine kleine Schnecke auf seinem Hinterkopf und schüttelte sich.
Der Weg vor ihnen wurde zunehmend schmaler, denn die Ufervegetation nahm stetig zu und hohes Schilf schirmte wie ein Zaun den Blick auf das Wasser ab. Das Gras reichte ihnen inzwischen bis an die Oberschenkel. Tau hatte sich auf seine Halme niedergelegt und es schimmerte wie mit tausenden Edelsteinen gespickt in der Nacht. Wie ein Diamantenmeer, dachte Kili und Erinnerungen stiegen in seinem Bewusstsein empor. Geschichten, die Thorin ihnen als sie Kinder waren von Erebor erzählt hatte, von dessen unermesslichen Schätzen und Hallen voll Gold.
Kili war so in seinen Träumen versunken, dass er nicht merkte wie Fili vor ihm stehen geblieben war. Der dumpfe Zusammenstoß, der folgte, holte ihn unsanft in die kalte und vor allem nasse Gegenwart zurück. Gereizt fuhr sein Bruder herum. Seine Augen funkelten zornig, aber statt dass er sich über Kilis Unachtsamkeit ereiferte, wanderte sein Blick nach oben und er brach in schallendes Gelächter aus.
Verwirrt betastete Kili seine Haare. Anscheinend hatte er ein paar Knoten übersehen und stirnrunzelnd befühlte er die hauchdünnen Ästchen, die sich in seinen Strähnen verheddert hatten und von seinem Kopf abstanden. Sein Gesicht lief heiß an und er versuchte mit so viel Würde wie er aufbringen konnte, sich von dem lästigen Grünzeug zu befreien, während sein Bruder  sich den Bauch vor Lachen hielt.
„Willst du, dass das halbe Land bemerkt, dass wir hier sind?“, knurrte Kili und bemühte sich nicht halb so beschämt zu klingen wie er sich fühlte. Doch Fili schüttelte nur prustend den Kopf. Er musste sich in den Ärmel beißen, um sich wieder zu beruhigen. Selbst im matten Lichtschein war zu sehen, dass sein Gesicht puterrot angelaufen war.
Zerknirscht wollte Kili schon weitergehen, aber sein Bruder hielt ihm am Arm fest. Immer noch kichernd rang er nach Luft und deutete wild gestikulierend auf die andere Seite des Flusses.
Trotz des wuchernden Schilfs war von ihrer Position aus wenigstens ein Stück des Wasserlaufs zu erkennen. Hinter dem anderen Ufer blitzten zwischen den Bäumen blasse orangene Funken hervor. Wie von einem weit entfernten Lichtschein, der durch das Dickicht brach. Ein Feuer war es sicherlich nicht, dafür waren die hellen Punkte zu unbewegt. Aber vielleicht war es der Widerschein eines Dorfes oder einer Siedlung?
„Vielleicht...“, Fili unterdrückte ein Kichern und atmete tief durch. „Vielleicht ist es eine Ortschaft. Und wo Leute wohnen, wird wohl auch irgendwo eine Brücke oder eine Fähre sein.“
Kili nickte. Er ignorierte das Zucken in den Mundwinkeln seines Bruders. „Bleibt nur zu hoffen, dass die Fähre auf unserer Seite ist.“
„...Stimmt.“, Fili seufzte. Amüsiert warf er ihm einen Blick zu und knuffte ihn in die Seite. „Jetzt schau nicht so griesgrämig.“
„Ich gucke nicht griesgrämig!“, brummte Kili.
Sein Bruder grinste. „Natürlich nicht. ...Du hast da übrigens noch was.“ Er deutete an Kilis linkes Ohr, woraufhin er prompt Filis Finger wegschlug. Erst als dieser sich umgedreht hatte, um dem Uferlauf weiter zu folgen, fummelte Kili die verbliebenen Blätterreste aus seinen Haaren. Dreimal vermaledeite Bäume!, fluchte er in sich hinein.
Der Untergrund wurde steiniger je weiter sie gingen. Hier und dort waren Stellen zu erkennen, die anscheinend für ein Lager genutzt worden waren. Verkohlte Holzscheite lagen nahe dem Wasser, wo die Pflanzen an einigen Orten abgeschlagen worden waren und einige Baumstämme waren wie improvisierte Bänke arrangiert. Anscheinend hatten sich hier Leute zum Fischen niedergelassen.
Fili trat näher an den hier leise und ruhig verlaufenden Fluss heran. Er war breiter geworden, dafür floss das Wasser aber träge und es war sehr seicht in der Uferregion. „Die Strömung ist hier ganz schwach...“, merkte er an.
„Falls du damit auf ein Bad bei Mondschein anspielen willst, vergiss es.“, meinte Kili nur und schritt unbeirrt weiter. „Ich gehe heute Nacht nirgendwo schwimmen.“
„War einen Versuch wert.“, lachte Fili.
Auf einmal bemerkte Kili unter einer mächtigen Eiche, die sich weit über den Fluss neigte, einen undeutlichen Schemen. Es hatte die Umrisse einer Art Holzkonstruktion und tatsächlich: Nachdem Kili in den Schatten des Baumes geeilt war, erkannte er, dass es sich um einen schmalen Steg handelte. An seinem Ende wogte sacht ein kleines Floß auf der Wasseroberfläche, ein Ruder steckte in der matschigen Erde.
„Hier ist ein Floß!“, Kili winkte seinen Bruder herbei und machte ein paar Schritte über den Steg. Die Bretter knackten und knirschten unter seinem Gewicht. Sie waren feucht und glitschig und vor allem morsch. Er hielt inne. Wenn die Fähre sich im gleichen Zustand befand, war es aussichtslos.
„Warum zögerst du?“, ertönte es ungeduldig hinter ihm.
Kili drehte sich vorsichtig um und schritt zurück ans Ufer. „Die Bohlen sind völlig verrottet. Und ich möchte wetten, dass das Floß nicht viel besser aussieht.“, er zuckte hilflos und resignierend die Schultern. „Was sollen wir jetzt tun? Ich habe keine Lust bis in alle Ewigkeit diesem verdammten Fluss zu folgen und am Ende endgültig im Nirgendwo auszukommen.“
„Du hast dir das Floß doch gar nicht angeguckt.“, meinte Fili hoffnungsvoll. „Vielleicht steht es gar nicht so schlecht darum. Denk mal nach, hier lebt kleines Volk. Die wiegen bestimmt so wenig, dass der Steg für sie noch in tadellosem Zustand ist. Ihre Fähre werden sie bestimmt besser warten als den.“
„Unser Onkel hat aber auch gesagt, die kleinen Leute seien wasserscheu.“, Kilis letzte Worte gingen fast in einem Gähner unter, der ihm entglitt. Am liebsten würde er seine schwere Tasche fallen lassen und sich gleich mit dazu.
Fili ignorierte seinen Einwand und bestieg den Steg.
„Sei vorsichtig!“
„Keine Sorge, ich pass auf.“, versicherte er und balancierte behutsam auftretend über die knarrenden und knackenden Holzbretter. Tatsächlich schaffte er es das Floß zu erreichen ohne vorher einzubrechen. Kili beobachtete unruhig wie sein Bruder die Fähre untersuchte.
„Und? Ist sie noch in Takt?“, er ging bis ans seichte Wasser heran, um von der Seite her einen besseren Blick zu erhaschen. „Was ist denn nun?“ Ihm fuhr ein jäher Schreck durch die Glieder, als er sah wie Fili sich behutsam auf das Floß hinabließ, das ein markerschütterndes Knarzen von sich gab. Er hätte wetten können, dass es jeden Augenblick auseinanderbrechen würde, doch es hielt seinem Bruder stand. Vorerst jedenfalls.
Mit geweiteten Augen und wie versteinert starrte Fili auf die wackelige Holzkonstruktion hinab, auf der er stand. Schließlich sah er auf und verzog das Gesicht.
Kili warf ihm einen skeptischen Blick zu. „Komm zurück! Bevor es zusammenbricht!“
Sein Bruder schien mit sich zu hadern. Er sah zu Kili und dann lange in Richtung des anderen Ufers und biss sich zuletzt auf die Lippen. Mit achtsamen Schritten schob Fili sich über den morschen Untergrund und griff nach dem Ruder, das im Boden steckte und zog es heraus.
„Du willst doch nicht-! Fili, nein!“, schrie ihn Kili an. Doch er konnte nur tatenlos zusehen wie sein Bruder sich vom Steg abstieß und vorsichtig zu paddeln begann. Die Strömung war an dieser Stelle des Flusses so schwach, dass er kaum abgetrieben wurde.
Mit angespannter Miene drehte Fili seinen Kopf zu ihm um. „Wenn ich heil drüben ankomme, bind dein Seil an einen Pfeil und schieß ihn zu mir rüber. Ich binde es dann am Floß fest und du kannst nachkommen.“
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich auf diesen Bretterverschlag steige!“, schimpfte Kili ihm nach und verschränkte die Arme vor der Brust. Beklemmung machte sich in seinen Eingeweiden breit und er verfolgte voll Sorge jede Bewegung der wackligen Fähre auf dem Wasser. Selbst hier konnte er die Bretter knacken hören. „Wenn du baden gehst, sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt! Ich werde dir bestimmt nicht hinterher springen, sieh zu wie du dann wieder an Land kommst!“
Fili lachte und winkte ab. „Ich schick dir meine besten Grüße, wenn ich in Hobbingen sitze und Herrn Beutlin ausrichte, dass du später kommst!“, doch er klang nicht gänzlich überzeugt. „Außerdem warst du es, der heute Nacht kein Bad nehmen wollte, nicht ich!“
Das Floß hatte etwa die Hälfte des Flusses hinter sich gelassen, da geschah es. Krachend lösten sich die Bretter von ihren Nägeln, Fili versuchte noch mit den Armen rudernd sein Gleichgewicht zu halten, aber das Holz zerbarst unter ihm und er platschte ins Wasser.
„Fili!!“, reflexartig machte Kilis Körper einen Satz nach vorne. Mit geweiteten Augen verfolgte er die schäumende Wasseroberfläche, aus der die Hände seines Bruders hektisch und nach einem Halt suchend hervorbrachen. Dann wurden die Wogen seichter und nur kleine Wellen ließen Unruhe unter der Oberfläche erahnen.
„Nein, Fili!!“, hörte er sich selbst brüllen. Blut rauschte in seinen Ohren. Jeder Muskel in seinem Körper war bis zum zerreißen gespannt. Er starrte wie gebannt auf das Wasser, doch Fili tauchte nicht wieder auf. Nein...!
Ohne weiter nachzudenken warf Kili seine Tasche, Waffengürtel und Mantel ab. Er stürmte los, Gischt spritzte ihm entgegen, als er in die Strömung sprang. Wie in Trance nahm er war, dass sein Atem für einen Moment stockte. Das Wasser war eiskalt und ihm war als würde eine gigantische Hand seinen Leib zerquetschen, doch er achtete nicht darauf. Nicht auf das Brennen auf seiner Haut, nicht auf seine schreienden Muskeln, nicht auf die spitzen Scheite und die Nägel im Holz, die ihm entgegentrieben. Er nahm zwei tiefe Atemzüge, holte tief Luft und tauchte unter.
Der Fluss war stockfinster. Kili tauchte in unendliches dunkles Nichts. Kleine Bläschen schienen aus der Finsternis aufzusteigen und endlich streiften Algen sein Gesicht. Durch dichten wogenden Tang sah er einen Schatten, der sich bewegte. Mit wenigen Schwimmzügen war Kili bei ihm und sein Herz krampfte sich vor Angst zusammen. Filis Körper hing kopfüber zwischen den Wasserpflanzen. Panisch rissen seine Arme an etwas um seinem Hals, seine Beine ruderten und zuckten, überall wirbelten Lustblasen, Holzsplitter und Algenblätter umher. Einer von ihnen stach schmerzhaft in Kilis linkes Auge, er blinzelte, aber der Fremdkörper nahm ihm die Sicht. Doch er hatte jetzt keine Zeit sich darum zu kümmern! Er schaffte es sich zu seinem Bruder durchzukämpfen und bekam seinen Gürtel zu fassen. Mit aller Kraft zog Kili ihn an sich, stieß sich mit den Beinen vom schlammigen Grund ab und strampelte gegen die Wassermassen an. Weit kam er aber nicht. Fili war mit seinen Schwertern und der Rüstung so schwer, dass er sie beide wieder nach unten zog. Kilis Lungen zogen sich zusammen. Langsam wurde ihm die Luft knapp. Ein Ruck ging durch Filis Körper, so als würde er seine letzte Kraft darauf verwenden sich von dem Gewicht, das ihn hinabzog, zu befreien, seine Arme zerrten hektisch an seinem Hals, dann erschlafften seine Regungen und seine Gliedmaßen zuckten kraftlos. In seiner grenzenlosen Verzweiflung fand Kilis Hand ihren Weg in seinen Stiefel und zog das Messer hervor, das er in ihm versteckt trug. Er packte Filis Mantel und durchtrennte mit einem einzigen Schnitt das Lederband, das sich um den Hals seines Bruders festgezurrt hatte. Selbst in der Dunkelheit um sie sah er das Weiß von Filis weit aufgerissenen Augen und Kilis Magen drehte sich um. Mit letzter Kraft befreite er seinen Bruder von dessen Waffengurt und Mantel und schlang seine Arme um ihn und stieß sich vom Flussgrund ab. Wasser rauschte an Kilis Ohren vorbei. Er schwamm so schnell es seine Muskeln zuließen. Seine Lungen brannten, er wusste nicht mehr, ob er überhaupt in die richtige Richtung schwamm, in seinem Kopf drehte sich alles. Endlich wurde es licht um sie und sie durchbrachen die rettende Oberfläche.
Kili schnappte nach Luft. Er hielt Filis Kopf aus dem Wasser, so gut er konnte. Sein Bruder hing jedoch nur schlaff in seinen Armen und rührte sich nicht. Angespannt sah Kili sich um. Das Ufer! Nur ein kleines Stück vor ihnen stieg die flache mit einem Grasteppich überwachsene Uferböschung empor., die durch gewaltige Baumkronen in Schatten gehüllt war. Es war die andere Uferseite, hinter der sie die Lichter gesehen hatten. Mit seinem Bruder dicht an sich gepresst schwamm er los und hatte die andere Seite rasch erreicht. Als Kili feinen Sand unter seinen Füßen spürte, tat er die letzten paar Schritte an Land und ließ sich und Fili zu Boden sinken.
War es nur das Mondlicht oder waren die Züge seines Bruders wirklich so kreidebleich? Mit hämmerndem Herzen drehte Kili ihn auf den Bauch, umfasste seinen Brustkorb und versuchte ihm mit rhythmischen Stößen das Wasser aus den Lungen zu pressen. Allein das Pochen in Filis Brust ließ ihn hoffen, wenngleich es schwach war. Ein Zittern ging plötzlich durch seinen Körper. Seine Hände zuckten und auf einmal riss Fili den Kopf nach vorne und krümmte sich hustend und schnaubend zusammen. Er spie Wasser. Röchelnd rang er nach Luft und sackte erschöpft auf die Seite.
Warme Erleichterung durchflutete Kili. Er sank auf die Hände und ein wehmütiges Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Fili lebte...! Bei Mahal, er lebte! Erst jetzt merkte er, dass seine Augen brannten. Eine zitternde Hand legte sich auf die Seine. Er sah hoch und Fili, der sich auf den Rücken gedreht hatte, bedachte ihn mit einem müden und abgekämpften, aber dankbaren Blick. Sein Mund formte Worte, doch sie waren zu leise als dass Kili sie hätte verstehen können. Und so schüttelte er nur den Kopf. Plötzlich musste er lachen. Kili wusste nicht weshalb, ob es vor Erleichterung und Freude war, dass sein Bruder lebte, ob es die Erschöpfung war, sein Körper schüttelte sich vor Lachen. Etwas stieg aus seiner Lunge empor. Er dachte erst auch er müsste verschlucktes Wasser hochwürgen, aber es war ein einziges krampfartiges Schluchzen, dem eine entsetzliche Leere in Kilis Brust folgte. Kraftlos sank er zusammen und presste seine Stirn gegen Filis. Sein Gesicht verzog sich, ohne dass er es verhindern konnte.
„...Ich bin doch nicht tot...“, flüsterte Fili mit matter Stimme und Kili konnte das Schmunzeln, das in seinen Worten mitschwang, förmlich sehen. Sein Bruder legte ihm die Hand auf sein nasses Haar und tätschelte ihn nachsichtig.
„...ah, nein, warte... ich glaub ich verstehe... du bist traurig, weil ich noch lebe...“, Fili kicherte und musste husten. „...und weil du deshalb immer noch der Jüngere bist und deinen Hintern nie auf den Thron setzen kannst... “
Kili musste trotz des hohlen Gefühls in seinem Bauch grinsen. „...Erwischt.“
„Tja, tut mir Leid, kleiner Bruder...“ Tröstend klopfte Fili ihm auf die Schulter. „...Vielleicht im nächsten Leben.“
„Freu dich nicht zu früh.“, raunte Kili unergründlich und gab Fili seinerseits einen sanften Stoß. Er richtete sich wieder auf, strich sich das nasse Haar aus dem Gesicht und rieb sich die brennenden Augen. In seinem Linken stach immer noch irgendein winziger Holzpartikel. Blinzelnd versuchte er ihn zu entfernen. Als er die hochgezogenen Brauen seines Bruders bemerkte, murmelte er: „Ich hab im Wasser einen Holzsplitter ins Auge bekommen.“
Fili bedachte ihn mit einem belustigten Blick. „Aber natürlich...“
„Nein, ich habe wirklich einen Splitter im Auge!“, gab Kili unwirsch zurück, doch Fili grinste nur über beide Ohren.
Erst wollte Kili etwas darauf erwidern, sah aber rasch ein, dass es keinen Sinn hatte seinen Bruder von der Wahrheit überzeugen.  Stattdessen starrte er nur missmutig zurück. Auf einmal bemerkte er, dass Filis Lippen zitterten und ungewöhnlich dunkel waren. Die Kälte! Kilis eigener Körper war noch so im Rausch, dass er nicht fror, obwohl sein Atem sich leicht in der Luft kräuselte. Aber sein Bruder war mit den Kräften völlig am Ende. Er hatte den Temperaturen nichts entgegenzusetzen und wenn er nicht rasch ins Warme kam, würde er sich am Ende noch eine Lungenentzündung holen!
„Du musst dich aufwärmen.“, presste Kili angespannt hervor. Er stand auf und sah sich um. Diese Seite des Flussufers war hügeliger und dichter bewachsen mit Moosen und Gräsern als die andere. Sie würden hier sicher eine kleine trockene Mulde oder so etwas finden, wo sie sich vor dem Wind schützen konnten.
Mit langsamen und schwerfälligen Bewegungen versuchte Fili ebenfalls aufzustehen. Doch er kam nicht auf die Beine. Er zitterte inzwischen am ganzen Leib. Seine Haut war leichenblass und die Adern auf seinen Händen traten vor Kälte hervor.
Sogleich war Kili bei ihm und half ihm auf. „Komm. Da vorne zwischen den Bäumen scheint ein guter Platz für ein Feuer zu sein. Da kannst du dich ausruhen, während ich unsere restlichen Sachen hole.“
Filis konnte kaum den Kopf oben halten, als sie sich zwischen den Anhöhen im Schatten hindurch kämpften. „Du willst doch nicht noch mal in den Fluss springen?!“, stieß er irritiert mit klappernden Zähnen hervor.
„Was bleibt mir anderes übrig? Ich muss unsere Waffen holen. Und am anderen Ufer ist mein Rucksack und darin sind trockene Decken.“
Kichernd meinte sein Bruder: „Und dabei warst du doch der Wasserscheue. ...Welchen Tag haben wir heute?“
Kili schaute verwundert drein. „Hm? Wie kommst du jetzt auf sowas?“
„Ich muss mir den Tag merken, an dem es mir gelungen ist, dich gleich zweimal zum Baden zu überreden.“, grinste Fili schelmisch und erntete dafür einen Schlag in die Seite.
„Dann kannst du gleich mit eintragen, dass es der Tag war, an dem dein kleiner Bruder dir wegen deiner eigenen Leichtsinnigkeit das Leben retten musste!“, zischte Kili mit gespielter Beleidigung. „Abgesehen davon kann ich mich nicht daran erinnern es je nötig gehabt zu haben mehr als einmal am Tag zu baden.“
Sein Bruder prustete nur, sagte jedoch nichts.
Zwischen hohen Felsen, die sich beinahe kreisrund um eine kleine moosige Fläche erstreckten, machten sie schließlich Halt. Kili half seinem Bruder sich an einem der Steine gelehnt niederzulassen. Er holte eilig Holz und trockene Sträucher und sammelte ein paar Steine zusammen, die gut zum Feuermachen verwenden konnte. Es dauerte nicht lange und in Mitten der wenige Fuß umfassenden Lichtung prasselte ein Feuer. Schatten tanzten wild an den orange und rot flackernden Felsen.
„Geh du nur.“, Fili nickte in Richtung des Flusses. Seine Stimme war kaum mehr als ein Wispern. „Das nasse Zeug krieg ich schon noch allein aus.“
„Ist gut.“
Kili rannte zum Wasser zurück. Er sah das eisige Glitzern auf der Oberfläche und Wind blies ihm kalt entgegen, doch er hielt nicht einen Moment inne. Wenn er jetzt zögerte, würde er den Mut noch einmal in die Fluten zu springen nicht mehr aufbringen. Er schnappte nach Luft, als er ins Wasser glitt. Mit raschen Zügen tauchte er hinab. Er wollte den unangenehmsten Teil so schnell wie möglich hinter sich bringen. Kam es ihm nur so vor oder waren die Wasserpflanzen noch dichter als zuvor? Sie waren wie pechschwarze wabernde Schatten am Grund. Schaudernd schwamm Kili zwischen ihnen hindurch, seine Hände tasteten durch den Schlamm auf der Suche nach Filis Sachen. Als ihm schon die Luft knapp wurde fand er sie endlich. Er schlang das lose Lederband um Mantel, Rucksack und Waffengürtel und nahm dessen Umhängeschärpe in die Linke. Mit aller Kraft versuchte Kili sie mit sich nach oben zu transportieren, aber sie waren zu schwer. Viel zu schwer. Er schwamm zurück an die Oberfläche. Entmutigt machte er sich zur andern Uferseite auf, wo seine Utensilien lagen. Ihm kam eine Idee. Kurzerhand riss Kili einige Bretter aus dem Steg und band einen seiner Gürtel um sie. Auf ihnen platzierte er seine Sachen so, dass das Gewicht gleichmäßig verteilt war. Das Seil nahm er jedoch aus dem Rucksack und legte es um sich. Trotz seiner müden Muskeln schaffte Kili es das notdürftige Transportfloß heil auf die andere Seite zu bringen. Dann tauchte er noch einmal auf den Grund hinunter.. Dieses Mal band er das Seil um Filis Habseligkeiten und schwamm mit dem anderen Ende in der Hand nach oben. Er kam tatsächlich bis ins seichte Wasser, sodass er sich aufstellen konnte. Und jetzt gelang es ihm auch das Bündel zu bergen.
Fröstelnd, aber sehr zufrieden mit sich, machte er sich auf den Rückweg zur Mulde.
Fili hatte sich unterdessen seiner nassen Kleider entledigt. Sie hingen und lagen über den Steinen zum trocknen. Er selbst saß nah am Feuer, ein Geflecht aus Moos notdürftig über den Rücken gelegt und die Arme um den nackten Körper geschlungen. Seine Augen waren geschlossen, seine Gestalt zusammengesunken. Wieder meldete sich das scheußliche Ziehen in Kilis Magengegend. Er legte ihre Sachen ab und griff nach seinem Mantel.
„Was versuchst du darzustellen? Einen bewachsenen Wasserspeier?“, er wickelte seinen Bruder, der vor Überraschung hochschreckte, in den dicken Stoff ein.
Fili blinzelte verwirrt. „Wie hast du-?“, dann zog er die Stirn kraus und brummte trocken: „Deine Witze waren schon besser, werter Bruder. Die Kälte scheint dir aufs Hirn zu schlagen.“
Sie tauschten Blicke aus und mussten schmunzeln. Dankbarkeit schimmerte in Filis geröteten und müden Augen.
Zähneklappernd entledigte sich Kili seiner triefenden Kleidung. „Leg dich schlafen.“, brachte er halbwegs artikuliert hervor. Er wollte nicht, dass sein Bruder seine Schwäche bemerkte. Nicht jetzt.
„Aber du musst dich auch aufwärmen...“, nuschelte Fili. Ihm fielen die Augen zu und er rutschte zur Seite. Grinsend dachte Kili, dass es erstaunlich war wie seinem Bruder es gelang sich in den Mantel wie in eine Decke einzurollen.
„Ich hab noch was im Rucksack. Schlaf du nur.“
Aber Fili hörte es wahrscheinlich schon längst nicht mehr.
Wind kitzelte auf Kilis Haut, als er seine Sachen mit ungelenk und mit vor Kälte starren Gliedern über die Steine legte. Aus seiner Tasche zog er eine Decke hervor. Sie war groß, wenn auch eher dünn. Normalerweise wärmte sie gut, aber das lag größtenteils daran, dass er in voller Bekleidung in ihr schlief. Doch für nun musste sie reichen.
Kili legte sich ebenfalls ans Feuer. So, dass er Kopf an Kopf mit Fili lag. Sein Schwert platzierte er in Griffweite neben sich.
Ihm wurde rasch wärmer. Gefühl kehrte in seine Arme und Beine zurück. Ihnen folgte bleierne Schwere und das rhythmische entspannte Atmen seines Bruders ließ ihn langsam in einen tiefen Schlaf hinübergleiten.
Wer hätte gedacht, dass die Gefahren schon vor Beginn der eigentlichen Reise anfangen sollten?
Und wer hätte gedacht, dass nicht er, Kili, es sein würde, der die erste große Dummheit begehen würde? Welcher Tag war doch gleich heute? Kili grinste still in sich hinein. Er musste sich diesen Tag in seinem Kalender eintragen....
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Auf Irrwegen [One-(Two?^^)-Shot]
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