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 010 - Der Plan

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Moriko

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BeitragThema: 010 - Der Plan   Sa 22 Jun 2013, 22:28



Kapitel 10: Der Plan


Nîns Magen machte einen kleinen Hüpfer.
Nach so langer Zeit, hatte sie sie endlich gefunden!
Sie hatte lang nicht mehr daran geglaubt, aber voraussichtlich würde sie ihre Rechnung mit Razneck doch noch begleiten können.
...Und vielleicht hatte er es ja noch... Dieser Abschaum gab niemals eine Trophäe her, wenn er erst einmal eine erbeutet hatte.
Ihr Herz schlug schneller und ein Kribbeln breitete sich in ihren Fingerspitzen aus. Sie würde ihm in die Augen schauen und lächeln, wenn sie ihm den Kopf abschlagen würde, damit er noch kurz vor seinem Ende wissen würde, wie sie so etwas anfühlte.
Das heißt... wenn sie ihn vor der Orksippe aus dem Gebirge erreichen würde. Eins musste man denen nämlich lassen: Kämpfen konnten sie vor allem waren sie viele und alle nicht sonderlich gut auf diesen Jäger und Sammler zu sprechen.
Sie rannte los.
Sie begriff erst, dass sie los gelaufen war, als sie unter den Füßen die weiche Erde des Abhanges spüren konnte. Einer der Zwerge rief etwas, doch sie verstand es nicht. Ihr Atem ging schnell und ruckartig. Die wenige Konzentration, die sie aufbringen konnte, musste sie darauf verwenden, ihre eigenen Schritte zu bremsen, um sich nicht selbst zu überschlagen und geradewegs den Abhang hinunter bis zu dem Lager zu rollen.
Der Felsen wuchs vor ihren Augen empor und kam immer näher. Der Weg wurde ebener und immer weniger Bäume verdeckten die Sicht auf die Gesteinsformation, die mittlerweile um den großen Felsen herum zu erkennen war.
Rache. Kalte, gnadenlose Rache. Nîn wusste wie naiv und unvernünftig so etwas war, aber das war ihr egal. Keiner der Orks würde sie daran hindern können. Sie würde Razneck gegenüberstehen und ihn büßen lassen für die Grausamkeit, die er über ihr Leben gebracht hatte. Ihre Eltern hatten ihn in der Schlacht damals nicht besiegen können, aber sie waren auch schwach gewesen. Sie hatten sich in Probleme eingemischt, die sie nichts angegangen waren und ihr Leben für ein paar spitzohrige Elben gelassen. Nîn war stärker. Sie hatte seine Schergen schon einmal besiegt, wenn auch nur knapp, aber damals war sie auch noch jung und unbedarft gewesen. Jetzt war alles anders. Sie hatte Erfahrung, sie wusste alles über diesen dreckigen Feigling und das richtige Schwert für diesen Kampf, hatte sie auch. Sie würde ihn sein eigenes Blut schmecken lassen.
Ein dumpfer Ruck fuhr durch ihren Körper. Etwas massives, kräftiges, packte sie von hinten, wirbelte sie herum und drückte sie gegen den nächsten Baum. Noch bevor sie etwas sagen oder machen konnte, hatte sich eine Hand fest um ihren Mund geschlossen und eine andere hatte sie so stark an dem Baumstamm hinter ihr festgenagelt, dass sie sich kein Stück von ihm entfernen konnte.
Fíli starrte ihr durchdringend in die Augen. Sein Blick war kalt und bestimmend, aber trotz allem war seine Stimme ruhig und beherrscht.
„Ich weiß nicht, was du für Pläne hast und was zwischen dir und diesem Orkanführer passiert ist. Aber irgendwo dahinten wird mein Onkel gefangen gehalten. Und bevor er nicht in einem Stück hier raus und in Sicherheit ist, wird hier niemand einen Alleingang ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen, haben wir uns verstanden?“
Sein Griff lockerte sich etwas und auch sein Blick wurde wieder etwas freundlicher und verständnisvoller. Er zog seine Hand von ihrem Mund und Nîn wich seinem Blick aus. Tonlos starrte sie zu den Felsen hinüber, von denen aus immer noch Kampfgeschrei und Waffen klirren zu hören war, jedoch merkwürdig verzerrt und wie von Wänden widerhallend. „Hey!“ Fíli ruckte an ihrer Schulter, sodass sie sich ihm mit finsteren Blick wieder zu wandte. „Wir gehen zu dem Lager. Wir werden diesen Kerl auch töten und alles tun, was in unserer Macht steht um diesem Abschaum ein für alle Mal das Handwerk zu legen, aber wir machen das zusammen, ja? Alleine wäre das nur reiner Selbstmord.“
Nîn schwieg immer noch.
‚Zusammen‘... Die Anderen waren ihr doch nur ein Klotz am Bein. Das, was sie zu tun hatte, ging nur sie und Razneck etwas an. Gegen Orks zu kämpfen war nichts neues für sie. Sie hatte sie verfolgt, gejagt und ihnen hinterher spioniert. Ein Lager zu leeren, das ohnehin schon in Aufruhr war, konnte nicht so eine große Herausforderung sein.
Gemeinsam und nach Plan vorzugehen, war aber vielleicht doch gar keine so abwegige Idee. Sie konnte im Moment kaum einen klaren Gedanken fassen so nah am Ziel ihrer Reise und wer weiß, wie viele Orks sich im Laufe der Jahre Razneck angeschlossen hatten. Den Geschichten nach zu urteilen, hinterließ er schließlich einen gewaltigen Eindruck bei Seinesgleichen.
Die Zwergin gab einen kehligen Laut von sich und nahm die Anspannung aus ihrem Körper. Fíli sah ihr weiter unbeirrt ins Gesicht und lies sie trotz allem nicht los, als würde er darauf bestehen wollen, dass sie ihm eine Antwort gab. Sie rollte mit den Augen. „Wenn's denn sein muss... Aber sein Kopf gehört mir.“ Fíli nickte und lies sie los, als hinter ihm sei Bruder und Bofur durch das Walddickicht zu ihnen aufschlossen und gemeinsam schlichen sie vorsichtig bis zu der Lichtung vor, auf der sich die Felsformation befand.
Die Kampfgeräusche waren verstummt. Dafür wurden einige Stimmen immer lauter und eine kleine Gruppe von Orks trat in das Sichtfeld der Gruppe.
Sie zogen einige leblose Körper hinter sich her. Zwei von ihnen, traten an den gegenüberliegenden Rand der Lichtung um offensichtlich sporadisch Wache zu halten. Die anderen drei zogen weitere Orkleichen zwischen den Felsen hervor und stapelten sie auf einem unförmigen Haufen. Nîns Herz begann wieder, schneller zu schlagen. Die lebenden Orks waren von kräftiger Statur und auch sehr viel hochgewachsener als die blassen Orkleichen, die sie zur Entsorgung auf dem Boden stapelten.
Raznecks Männer! Er war also wirklich hier. Diesen Federschmuck würde sie auch noch in zweihundert Jahren wiedererkennen.
Einer der Orks löste sich von der Gruppe und schlurfte gemächlich in ihre Richtung. Die vier Zwerge zogen sich weiter hinter die breiten Bäume zurück und warteten. Leise hatten sie ihre Waffen gezogen und lauschten den Schritten des Orks, der missmutig immer näher zu der Öffnung im Wald schlurfte, an der sie sich versteckt hielten. Nîn zog ihr Messer und lugte um die andere Seite des Baumes herum. Die anderen Orks beachteten ihn nicht. Sie stritten um einige Habseligkeiten, die die Toten bei sich trugen. Genau in dem Moment, wo der Ork zwischen ihnen auftauchte und sich seine Augen weiteten, als er die lauernden Zwerge sah, sprang Nîn katzengleich auf ihn zu. Sie packte ihn am Kopf und verschloss ihm so den Mund, zerrte ihn in das Gebüsch gegenüber und schnitt ihm die Kehle durch.
Kein Geräusch war zu hören gewesen, nur das Rascheln der Blätter.
Ein letztes Zucken ging durch den gräulichen Körper des Orks, dann lies Nîn ihn los und zog ihn noch etwas weiter zwischen die Bäume. Die anderen beiden Leichenfledderer, hatten sich bereits auf den selben Weg gemacht. Immer noch diskutierten sie heftig miteinander. Nîn hatte die Sprache der Orks gelernt, doch die beiden sprachen sehr schnell und undeutlich. Sie verstand nur, dass sich die „Angriffe des Goblinklopses“ in letzter Zeit offenbar stark anhäuften. Fast an der Baumgruppe angelangt, wurde einer von ihnen plötzlich still. Er hatte den Kadaver auf dem Boden entdeckt, den sein Kamerad bei Nîns Überfall zurück gelassen hatte. Kíli nickte Bofur und Fíli zu, die ihre Waffen fest umklammert hatten. Bofur hatte seinen Pickel zwar am Griff, aber fast oben am Kopf umklammert, sodass er zwar nur mit geringerer Distanz kämpfen konnte, dafür aber mit nur einem Arm. Nîn hörte den Anfang einer Warnung, die von einem der Orks zu seinen Kameraden geknurrt wurde und zischte: „Jetzt!“
Fíli und Bofur stürmten zwischen den Bäumen hervor. Vollkommen überrascht, wurden die beiden Orks überrumpelt und in Sekundenschnelle zu Boden gerungen. Kíli hatte seinen Bogen gespannt und schoss einem der Orks, die Wache gehalten hatten mit einem gut gezielten Schuss in den Kopf. Eins musste Nîn ihm zu ihrer Überraschung wirklich lassen: Schießen konnte er... Der zweite Schuss ging allerdings daneben. Reflexartig war der letzte Ork zurück in Richtung Felsen gehastet, nachdem sein Kamerad neben ihm zu Boden gefallen war und so war er Kílis tödlichen Pfeil entkommen. Der Zwerg zielte erneut, doch der Ork hatte die Felsen schon beinahe erreicht. Nîn sprang auf und schrie einen Befehl in dem Dialekt, den Raznecks Schläger ihrer Erfahrung nach verwendeten.
Der Ork blieb schlagartig stehen und drehte den Kopf zu ihr. Er brauchte nur einen kurzen Moment um zu begreifen, dass es ein Fehler war, doch dieser kurze Moment reichte für Kíli aus, um seinen Pfeil zielsicher in den bleichen Oberkörper zu befördern. Blut spritzte aus dem Mund des Getroffenen, als er röchelte, und so sackte auch der letzte Ork leblos zu Boden.
Stille legte sich wieder über die Lichtung.
Kíli warf Nîn einen überraschten und fragenden Blick zu, doch sie zog nur die Augenbrauen hoch und zuckte mit den Schultern. Orks jagen und befragen war halt viel effektiver, wenn man deren Jargon beherrschte...
Immer noch schweigend und mit geduckten Köpfen, eilten die vier über die Lichtung bis zu der Felsformation. Die Felsen, insbesondere der mittlere von ihnen, waren zwar groß, aber auf keinen Fall groß genug um in ihrem Schatten ein komplettes Orklager zu verdecken. Woher waren also die Kampfschreie zu hören gewesen?
Nîn zog ihr Schwert. Die Elben hatten wirklich ganze Arbeit geleistet. Sie hatte selber lange Zeit Waffen geschmiedet, doch die Elben verstanden es, den Stahl einer Waffe so zu verarbeiten, dass er nie matt wurde. Trotz ihres Kampfes in der Senke, war noch keine einzige Kerbe oder Kratzer auf der Klinge zu sehen. Sie glänzte noch immer wie frisch geschmiedet. Ob sie wohl immer noch so unschuldig matt leuchten würde, wenn Raznecks Leben durch ihren Hieb beendet wurde?
Ihr Lächeln spiegelte sich in der glatten Oberfläche. Langsam und vorsichtig schob sie die Klinge einige Finger breit um den Felsen herum, bis sie durch die Spieglung das Orklager hätte erkennen müssen. Sie spürte Fílis gespannten Blick in ihrem Nacken. Doch hinter dem Felsen war nichts.
Schockiert stieß sie sich mit einem Ruck vom Felsen ab, an den sie sich gepresst hatte und schlängelte sich hastig zwischen den Steinen hindurch.
Nur platt getretenes Gras und dornige Büsche.
Nichts.
Es war nicht da.
Keine Orks... Kein Lager... Nichts.
Nur einige zerstörte Holzgebilde, die wie die Überreste einiger improvisierten Wohn- und Kochstellen wirkten und ähnlich aussahen wie die Überreste, die sie das letzte Mal auf ihrer Jagd entdeckt hatte.
Aber das konnte nicht möglich sein!
Wie versteinert stand sie in Mitten der Trümmer und versuchte sich ihre Verzweiflung nicht anmerken zu lassen. Waren es womöglich doch nur noch die handvoll Orks gewesen, deren Spuren sie hier her gefolgt waren? Sie hatte sich doch nicht so irren können. Nicht zum zweiten Mal.
Kíli, Fíli und Bofur schlängelten sich hinter ihr durch die Felsen und traten an ihr vorbei auf die Ruinen zu. Sie schwiegen. Keiner sagte ein Wort, doch Nîn glaubte die Verwirrung und Enttäuschung förmlich spüren, die von ihnen ausging, auch, wenn sie ihre Gesichter nicht erkennen konnte. Es war vorbei. Sie hatten nur eine Spur gehabt und durch sie waren sie in die Irre geführt worden. Sie senkte den Kopf um bloß keinen ihrer Blicke sehen zu müssen, der ihre Vermutung bestätigen würde.
Eine helle aber knurrige Stimme erklang einige Meter von ihnen entfernt wie aus dem Nichts und ein Ork trat missmutig und genervt zwischen den Felsen hervor. Er verstummte und blieb ruckartig stehen, als er die vier Zwerge erkannte, die ebenfalls regungslos zwischen den Trümmern der Schlafstätten standen und ihn verblüfft musterten.
Nîn konnte ihren Herzschlag in den Fingerspitzen spüren, während sie alle da standen und noch nicht ganz klar war, ob sie oder der Ork mehr überrascht über den Anblick des jeweils anderen waren.
Die kleinen Augen des Orks huschten panisch von einem Zwerg zum nächsten. Sein Fuß drehte sich langsam und unauffällig zurück in Richtung Felsen.
Die Zeit hörte auf langsamer als sonst anzufühlen. Ein kurzes, schleifendes Geräusch erklang neben ihr, dann das sanfte Knarren von Holz und mit einem lauten Sirren schoss Kílis Pfeil dem zum Spurt ansetzendem Ork mitten ins Herz.
Nîn und Kílis Blicke trafen sich. Sein Blick lies darauf deuten, dass auch er keinen weiteren Ork auf der Lichtung bemerkt hatte. Gut, das mochte bei ihm nichts heißen, aber auch Nîn war sich absolut sicher gewesen, dass sie alleine waren.
„Wie ich's mir gedacht hatte. Damit wäre wenigstens geklärt, welchen der vier Eingänge wir am besten nehmen sollten.“ Bofurs Stimme durchbrach das Schweigen. Zielstrebig ging er an der Orkleiche vorbei und verschwand hinter dem Felsen. Von welchen Eingängen hatte er gesprochen? Nîn rechnete damit, dass er auf der anderen Seite wieder auftauchen müsste, doch er blieb verschwunden. Einige Sekunden verstrichen bevor er wieder auf gleichem Weg zwischen den Felsen hervor trat. „Das ist das reinste Labyrinth da unten und dunkel wie die Nacht. Von Größe und Statur ähneln wir den Orks von eben zwar, aber wir würden sicher als Zwerge entlarvt werden, noch bevor wir überhaupt merken, dass wir beobachtet werden.“
Etwas tief in Nîn zerbrach. Ein Labyrinth? Tunnel unter den Felsen? Sie hatte gar nicht darauf geachtet. Soll das etwa heißen, dass sie sich das letzte Mal auch nur einige Meter über Raznecks stinkendem Kopf befanden hatte, ohne es zu merken, weil sie wie gerade zu sehr von den Ruinen des scheinbaren Lagers abgelenkt gewesen war?!
„Vielleicht sollten wir unser Aussehen ein bisschen anpassen, damit wir vielleicht trotz der Dunkelheit eine Chance haben. Orkaugen sehen viel besser als wir im Dämmerlicht, doch unsere Freunde hier sehen nicht so aus, als wäre diese Fähigkeit bei ihnen so stark ausgeprägt wie beim Rest ihrer Art.“ Nîn lachte kurz auf, doch ihr Lächeln erstarb rasch wieder, als sie Bofurs fragender Blick traf. Hastig huschten ihre Augen zu Fíli und Kíli, die beide einen zwar leicht gequälten aber dennoch ernsten Gesichtsausdruck hatten.
„Warte...“, mit großen Augen fixierte sie wieder Bofur. „Du meinst das ernst? ... Wir sollen Orkdreck anziehen?!“
Der Zwerg runzelte die Stirn. „Selbst wenn die hier“ , er gab dem Ork vor ihm einen Tritt, „mit ihren kleinen Augen nur halb so gut in der Dunkelheit sehen wie andere Orks, sehen sie immer noch besser als wir und auch ihr Geruchssinn ist wesentlich stärker ausgeprägt als unserer. Wir haben keine Ahnung wie viele von denen da unten sind und selbst wenn es nur ein kleines Lager ist, kann ich mir im Moment schöneres Vorstellen, als in einen Hinterhalt gelockt zu werden, weil die uns da unten sicher zehn Meilen gegen den Wind als keiner von ihnen erkennen würden.“
Bofur musste nicht weiter reden, damit sich Nîn mit einem Schlucken wieder ihrer misslichen Lage bewusst wurde. Einen Plan, der auf Waffenstärke beruht, konnten sie im Moment vollkommen vergessen, auch wenn die drei angesichts der Gefahr wohl doch besser mit ihren Verletzungen zurecht kamen, als Nîn ihnen zu erst zugetraut hatte. Tunnel und Höhlen, in der Nähe der Berge konnten zudem recht groß und verstrickt sein und wenn sie die Gelegenheit hatte, einige Orks belauschen zu können, würde sie möglicherweise heraushören, wo sich der Weg zu der Hauptkammer befand. „Verdammt...“
Bofur kratzte sich unwohl am Hinterkopf. „Wenn einer von euch irgendwelche alternativen Vorschläge hat, wäre das jetzt der richtige Zeitpunkt, um sie zu nennen. Ich will auch nicht unbedingt in einer stinkenden Orkrüstung durch schmale Tunnel kriechen, wenn es nicht zwingend notwendig ist, wisst ihr?“ Die anderen schwiegen und an ihren Gesichtern war abzulesen, dass sie sich bereits versuchten mental auf den nächsten Abschnitt ihrer Reise einzustellen.
Nîn schluckte einen dicken Kloß in ihrem Hals hinunter und trat an den Ork, der zwischen ihnen im zertretenen Gras lag. Wenn es unbedingt sein musste, wollte sie es zumindest schnell hinter sich bringen. „Achtet aber bitte darauf, dass ihr euch die richtige Rüstung nehmt, sonst wird man sicher noch schneller Jagd auf uns machen als jetzt schon und der ganze schöne Plan wäre absolut sinnlos.“
Sie warf ihren Umhang zu Boden und fühlte sich mit einem Mal viel leichter als zuvor. Ihr war gar nicht aufgefallen, wie lange sie ihn schon nicht mehr abgelegt hatte. In Dörfern und unter den Elben hatte sie es sich angewöhnt ihren Kopf bedeckt zu halten und in der Wildnis war es auch sehr viel ratsamer in einen Umhang gehüllt zu sein. Außerdem hatten die Elben ihr zwar die Lederrüstung ihrer Mutter überlassen, hatten es aber nicht vermeiden können, beim Reparieren ihre ganz persönliche Note hinzuzufügen. Nîn hatte zwar versucht die Nähte so weit abzuändern, dass man es mit ungeschulten Augen nicht mehr erkennen konnte, doch sie wusste, dass diese Veränderungen da waren und das war störend genug, um sie immer mit dem Umhang zu verdecken. Sie hätte es zwar schöner gefunden, wenn sie den Harnisch hätte tragen können, bis sie vor Razneck stand, doch er war viel zu massiv, als dass sie ihn unter einer schmächtigen Orkrüstung hätte tragen können. Für diesen letzten Abschnitt ihres Weges musste die Kette reichen, die sie schweren Herzens noch aus dem Lederzeug schneiden werden müsste. Sie zog den Lederpanzer aus und setzte sich hin um auch den verstärkten Bein- und Hüftschutz auszuziehen, den sie sich damals in Bree erarbeitet hatte. Das Kleid, dass sie bei ihrem kurzfristigen Aufbruch spontan als Untergewandung umfunktioniert hatte, hatte in den letzten Tagen stark leiden müssen, doch Nîn war das egal. Es war Elronds Wunsch gewesen, dass sie an dem Tag des Festessens etwas saubereres als ihre übliche Gewandung anzog und wenn es noch einmal so einen Anlass geben würde, würde er ihr auch sicher mal wieder ein neues Kleid zukommen lassen, wie er es schließlich immer getan hatte. Dünner, verzierter Stoff hatte an Nîns Körper schon seit jeher eine geringe Lebenserwartung gehabt, das waren die Elben in Bruchtal mittlerweile gewohnt.
„Ich schau mal, was einer der Wächter... also da drüben einer... der Wächter...der Orks an brauchbaren Zeug hat. Ihr Jungs! Da drüben... schaut mal, was da drüben am Waldrand noch übrig ist, ja?!“ Bofurs Stimme klang in Nîns Ohren etwas hölzern, doch als wäre den Zwergen etwa zeitgleich wieder eingefallen, weshalb sie eigentlich hier waren, sah Nîn aus den Augenwinkeln, wie sie sich alle auf dem Absatz umdrehten und hastig in unterschiedliche Richtungen davon gingen.
Nîns Laune sank noch ein Stückchen tiefer. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es den anderen noch unangenehmer war als ihr, sich plötzlich in Orkzeug zu kleiden, doch irgendwann mussten sie da alle durch. Es war wirklich albern, dass sie so viel Bedenkzeit gebraucht hatten um zu diesem Entschluss zu kommen...
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