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 007 - Der Morgen

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Lenz

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BeitragThema: 007 - Der Morgen   Di 21 Mai 2013, 19:35


Als Kili wieder zu sich kam, umgab ihn Wärme. Nicht die lähmende Hitze des Fiebers, sondern angenehme, sanfte Wärme. Ihm war, als wäre er aus einem tiefen Traum erwacht. Als wäre er nach langem Tauchen endlich wieder an die Wasseroberfläche geschwommen und würde von Sonnenlicht empfangen werden.
Wo war er? Wie lange hatte er geschlafen?
Kili versuchte seine Augen zu öffnen, doch sie waren noch träge und schwer. Zwischen seinen Lidern hindurch erhaschte er einen Blick auf einen grauen Himmel, durch den Lichtstrahlen blitzten. Der Himmel überspannte ihn gänzlich, vielmehr umhüllte er ihn. Die Welt schien nur noch aus diesem gleichmäßigen dunklen Grau zu bestehen. Das machte Kili stutzig. 
Wo befand er sich hier? Wo war der Himmel? Wieso hörte sich alles so seltsam dumpf und gedämpft in seinen Ohren an? 
Er war sich sicher, dass er kein Fieber mehr hatte, das ihm etwas vorgaukelte. Er war wach. Wach und ausgeruht, um nicht zu sagen erholt. Kili fühlte die Kraft in seinen Gliedern zurück, wie sie drängend und nervös durch seine Muskeln pulsierte und ihn fast zappelig machte. Es ging ihm gut. 
Aber was hatte dieses seltsame Dämmerlicht dann zu bedeuten? Was war das für ein Licht, das wie vom Ende eines Tunnels her zu ihm durch das Grau drang?
Ein furchtbarer Gedanke ließ Kili für einen Augenblick den Atem anhalten. ...Nein. ...Nein, nein, das konnte nicht sein! Er wollte widerspenstig den Kopf schütteln, war jedoch vor Schreck wie gelähmt. ...Das durfte nicht sein...! Er war gesund! Es ging ihm gut, er war wohlauf! Er konnte nicht tot sein!
Kili versuchte sich gegen diese Vorstellung zu wehren, sie abzuschütteln. Er konnte, wollte das nicht glauben, nicht jetzt, wo ihm gerade so wohl zumute gewesen war. 
Aber hatte er sich vielleicht nur so gefühlt, da die Last seines Leibes schließlich von ihm abgefallen war? 
Die Strahlen schienen greller und tanzten verlockend vor seinen Augen. Trotz seiner Angst war ihm, als würde er in seichtem warmen Wasser liegen. Da war nicht ein Hauch von Schmerz oder ein Gewicht auf seinen Schultern. Vielleicht war er tatsächlich gestorben... Bedeutete das, er befand sich nun auf dem Weg in Sphären jenseits der Welt, die er kannte? Was würde ihn dort erwarten? Würde er seine Eltern wiedersehen? Das ließ ihn unmittelbar an seinen Bruder denken und er fragte sich, wie es Fili wohl nun ergehen mochte. War er am Leben? Hatte er Kilis Tod beigewohnt?
Er spürte Kummer in sich aufsteigen, der jedoch nur kurz verweilte und von dem lichten Schimmer in der Ferne fortgespült wurde. 
Kili schloss die Augen. Entspannt atmete er ein und wieder aus und seine Stirn verzog sich zu einem Runzeln. Er schnüffelte. Doch was da in seine Nase drang, überraschte ihn nicht unerheblich. Es roch nach Bofurs Suppe. 
Verwirrt sog Kili den herzhaften Duft tief in sich ein, doch alles, was er roch, waren muffige Erde und der Geruch von Bofurs Suppe! 
Gab es in den jenseitigen Hallen Nahrung? Wenn ja, warum gab es ausgerechnet eine Suppe, die nach einem alten und geheimen Familienrezept gekocht wurde? 
Von Zweifel ergriffen, tastete Kili um sich und was er spürte, ließ ihn seine Augen weiten.
Er war vielleicht nicht bewandert in Schriften und Überlieferungen über die jenseitige Welt, doch eines war er sich sicher: Die Vorhänge, hinter welchen die Hallen seiner Vorväter auf ihn warten würden, waren nicht aus kratzigem alten Stoff! Und sie würden auch nicht wie alte Decken über ihm liegen! 
Mit einem Ruck stieß er die Stoffschichten von sich. Sonnenlicht blendete ihn und Kili sank augenblicklich mit einem Stöhnen auf sein Lager zurück. Wild blinzelnd schirmte er seine Augen mit den Händen ab und versuchte irgendetwas um sich herum zu erkennen. 
Er befand sich auf einem Lager aus Decken in der hinteren Ecke einer weiten Felsspalte. Sie öffnete sich offenbar gen Osten, denn die Morgensonne tauchte die Steine in helles orangegelbes Licht und ließ sie wie in Flammen stehend erscheinen. Vor dem Ende der Höhle war der Umriss einer merkwürdig unförmigen Person zu erkennen, die sich über irgendetwas beugte. 
Vögel zwitscherten und zwischen ihren Lauten war hin und wieder ein leises Knacken und Knistern zu hören.
Kili sprang auf. Das war Bofur, der an einer kleinen Feuerstelle saß und das Frühstück zubereitete! Und vor sich auf dem Boden erkannte er mit einem Male zwei weitere Gestalten. Die eine, die abseits an der anderen Seite der Höhle lag, konnte er nicht richtig einordnen, auch weil sie von einem dicken Mantel umhüllt war. Die andere aber, war sein Bruder Fili. Er lag mit dem Gesicht zum Schatten hin und schlief tief und fest. Seine Haare waren etwas wirr und sein Bart ungekämmt und wild, aber bis auf Staub und getrocknetem Dreck auf seiner Haut, sah er vollkommen friedlich aus. Kitzelnde Hitze schoss in Kilis Magen und ein Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. Fili lebte! Es ging ihm gut! Ihm fehlte nichts!
Lachend sprang Kili über seinen Bruder hinweg und sauste an den Rand der Höhle. Bevor der überraschte Bofur auch nur einen Ton herausgebracht hatte, hatte Kili schon das Feuer mit dem Topf umrundet und den anderen Zwerg überschwänglich an sich gedrückt. 
„Bofur, es ist eine wahre Freude dich zu sehen!“, Kili gab ihm einen Klaps auf den Rücken und trat einen Schritt zurück, um den anderen wieder zu Luft kommen zu lassen. Seine Glieder kribbelten. Ihm war leicht ums Herz und voller Euphorie packte er nach einem Felsen am Rand und schwang sich mit dem Oberkörper über den Abgrund. Unter ihm fielen die Steine scharf ab bis zum Boden in vielleicht etwa sechs Metern Tiefe. In der Ferne umsäumten Baumspitzen das Gebirge. 
„Heh! Immer langsam Großer!“, protestierte Bofur hinter ihm. „Dein Bruder hat dir nicht den Hintern gerettet, damit du dich gleich den erstbesten Abhang runterschmeißt!“ 
Aber Kili lachte nur. Wind wehte ihm durch das Haar und seine Kleider. Die Luft war frisch und belebend, es roch nach Regen und nassem Stein. Sein Herz flatterte ihm wie ein Vogel in der Brust, der sich in den Himmel erheben wollte.
Mit einem Schwung schwenkte Kili in die Höhle zurück und streckte sich. 
Er lebte!
Es war nicht das erste Mal gewesen, dass er nur knapp dem Tode entkommen war. Kili hatte schon viele Verletzungen in seinem Leben erlitten, obwohl er noch jung war. Wobei er die meisten davon seinem eigenen Übermut zu verdanken hatte. Doch diese war anders gewesen, als alles, was Kili bisher gekannt hatte. Er hatte Schnittwunden, Knochenbrüche und Pfeile zu spüren bekommen, schwere Prellungen und Blutungen, aber sie waren allesamt Wunden gewesen, die ihm bewusst gewesen waren. Feinde, gegen die er hatte ankämpfen können.
Kili betrachtete seine Hände. Wettergegerbte Haut spannte sich über seinen kräftigen Fingern, die von feinen Narben überzogen waren. Er konnte seinen Herzschlag fühlen, wie er Blut durch seine Adern pumpte, stark und gleichmäßig. Was war nur im Kampf mit ihm geschehen, dass er in diese Dunkelheit gefallen war? Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie viele Erinnerungen ihm fehlten. Er erinnerte sich an den Orkangriff, wie er Fili fallen sah. Der Gedanke an diesen Augenblick versetzte ihm eine Gänsehaut, doch ein kurzer Blick zu seinem schlafenden Bruder ließ ihn sich wieder beruhigen. Kili schmunzelte, als er überlegte, wie sehr Fili sich selbst verwünscht haben mochte, dass er das Bewusstsein verloren und seinem kleinen Bruder nicht hatte helfen können. Fili bürdete sich immer viel zu viel Verantwortung auf. Mehr als er manchmal tragen konnte und Kili fürchtete manchmal, seinen Bruder könnte eines Tages die gleiche Bitterkeit befallen, die Thorin auf seinen Schultern trug.
Thorin...
Schwermut drückte Kili plötzlich das Herz zusammen. Sein Körper spannte sich und er fühlte das wilde Verlangen einen Schrei gen Himmel zu speien. Ein Kiesel traf jedoch unvermittelt seinen Kopf und ließ Kili aufsehen.
Bofur nickte ihm zu und grinste. „Ich reiß dich ja nur ungern aus deinen Tagträumen, Junge, aber dein Frühstück wird kalt.“, er wies mit der Hand auf die hölzerne Schale, über der sich Dampffäden kräuselten.
„Herumhüpfend hast du mir grade doch besser gefallen...“, meinte er, während er Kilis Gesicht musterte, der sich ihm gegenüber an die Feuerstelle setzte. „Guck nicht so finster. Wir sind alle noch in einem Stück. ...Zumindest mehr oder weniger.“, fügte Bofur mit einem nachsichtigen Lächeln hinzu und tätschelte seinen verbundenen Arm.
Kili musterte den Verband und schluckte. Unwillkürlich hörte er die Worte seines Onkels in seinen Ohren „Haltet ihr einen Orkangriff bei Nacht für einen Scherz?“.Er biss sich auf die Unterlippe. Warum hatte er diesen dummen Scherz nur gemacht? Was hatte er sich dabei gedacht? Aber er musste sich eingestehen, so hatte er sich die Gefahren ihrer Reise nicht vorgestellt. Bisher waren alle ihre heiklen Situationen glimpflich ausgegangen, vielleicht hatte der eine oder andere ein paar leichte Verletzungen davon getragen, aber es war nie etwas wirklich ernstes gewesen. Über die Trolle hatten sie im Nachhinein gut lachen können. Selbst die Wargreiter erschienen ihm jetzt nur noch als ein kleine Bedrohung, denn sie waren ihnen ohne nennenswerten Schaden entkommen. Außerdem war Gandalf noch bei ihnen gewesen und sie hatten der Gefahr alle zusammen ins Auge geblickt.
Thorin hatte Recht gehabt, dachte er bitter und ärgerte sich über sich selbst. Er wusste nichts von der Welt.
Kili rührte nachdenklich in seiner Suppe. „Dein Arm... Er kommt doch wieder in Ordnung, oder?“, er hasste wie jung und unerfahren seine Worte klangen.
„Jaja, nur ein Kratzer.“, zwinkerte Bofur, aber Kili entging nicht, dass er nicht ganz aufrichtig zu sein schien.
Ein kurzes Schweigen trat ein.
Kili war der Appetit vergangen. Missmutig musterte er die Landschaft, die sich vor der Felsspalte erstreckte. Nicht weit entfernt machte er einen Ring von hohen Tannen aus, in deren Mitte nichts zu wachsen schien. Lag dort die Mulde? Es nagte an ihm, dass er sich an fast nichts erinnern konnte. Ausgerechnet in der ersten wirklich brenzligen Lage musste er sich so dämlich anstellen! Wie ein blutiger Anfänger! Fili war auch verletzt und von den Orks kampfunfähig gemacht worden, aber er hatte es anscheinend besser verkraftet als er.
Warum war er überhaupt-, Kili konnte dieses scheußliche Wort nicht einmal in Gedanken aussprechen. Warum hatte er das Bewusstsein überhaupt verloren? Er hatte keinen Kopftreffer einstecken müssen... Sollte er etwa vor Erschöpfung...? Nein! Nein, nein, nein, das war völlig unmöglich! ...Aber was war es dann gewesen?
Kili stocherte an einem Stück Fleisch in seiner Suppe herum und warf Bofur, der ebenfalls etwas aß, einen vorsichtigen Blick zu. Er musste es irgendwie anstellen ihn so zu fragen, dass es nicht auffiel. Er wollte sich wenigstens sein letztes bisschen Würde bewahren.
Vielleicht sollte er damit anfangen herauszufinden, wer da eigentlich mit ihnen in der Höhle lag.
„Sag mal, wie lange wollen wir die beiden noch schlafen lassen?“, er nickte in ihre Richtung.
Bofur sah auf. „Gönn' ihnen ihre Ruhe. Dein Bruder hat kein Auge zugetan, bis du nicht endlich außer Lebensgefahr und verbunden warst und unser Fräulein hatte ihre Mühe damit uns alle wieder zusammenzuschustern.“
Fräulein? Etwas regte sich in Kilis Gehirn.
Langsam kamen Erinnerungen an die Ereignisse nach dem Kampf zurück. Sie waren wirr und Traum und Wirklichkeit waren in ihnen zu einer nicht unterscheidbaren einzigen Masse verwoben.
Die Welt um ihn war in Nebel gehüllt und er lag auf dem Boden. Klamme Kälte stieg aus der Erde in seinen Rücken auf. Wie aus dem Nichts erschien ein unförmiger Schatten in seinem Blickfeld. Die Gestalt beugte sich über ihn, er versuchte sich zu wehren und stieß sie von sich. Schmerz durchfuhr ihn. Er versuchte aufzustehen und taumelte. Dann klärte sich sein Blickfeld ein wenig und für einen kurzen Moment erhaschte er einen Blick auf eine in einen Mantel gehüllte Person. Wirr spross rötlich schimmerndes Haar unter der Kapuze hervor. Sie sagte etwas, worauf Kili etwas erwiderte und dann ....
Kili schaute nach dem dunklen Bündel in der Höhlenecke. Das war der- nein, die Fremde, oder?
Ja.... Aber ja... er erinnerte sich....
Sie war es gewesen, die sich über ihn gebeugt hatte, um seine Wunden zu untersuchen. Er hatte sie angeschrien in seiner hilflosen Wut, sie beleidigt und -.... Kili stieg die Schamesröte ins Gesicht.
„Hey, mach dir darüber jetzt mal keine Gedanken.“, beschwichtigte Bofur, der erraten zu haben schien, was in ihm vorging. „Du warst vergiftet und nicht du selbst.“
„Vergiftet?“, fragte Kili ungläubig.
„Ja, das hat sie gesagt.“, bestätigte Bofur und kramte in seinem Bündel, das neben ihm lag. „Mehr weiß ich leider nicht. Aber ich hab gesehen wie du aussahst... Keine Ahnung was passiert ist, aber es hat dafür gesorgt, dass du ausgesehen hast wie 'ne Leiche.“, seine Augen starrten kurz ins Leere, als wenn er sich die Bilder wieder in Erinnerung rief.
„Das war schon komisch...“, murmelte er langsam. „..du warst eigentlich in Takt, keine auffälligen Wunden oder sowas, hast nicht mal geblutet. Du hast da vor den Orks gestanden und nachdem die Dame uns die Biester vom Leib gehalten hat, wirst du plötzlich ganz blass und Bumm- lagst du da und warst völlig neben der Spur...“
Unbehagen bohrte sich in Kilis Brust und doch spürte er wie das nagende Gefühl von seinem Stolz abließ. Er war nicht einfach schwach oder unfähig gewesen, es war nicht seine Schuld gewesen. Gift war ein Feind, gegen den selbst der stärkste Krieger ohnmächtig war. Selbst sein Onkel hätte diesen Gegner nicht eigenhändig bezwingen können.
Wieder dachte er an Thorin.
Wo hatten die Orks ihn hin verschleppt? Hatte er sich befreien können? Doch wie sollte er, womöglich verletzt, diesen Biestern entkommen, wenn er allein mehreren Wargreitern entgegenstand?
„Bofur.“, setze Kili an und versuchte nicht so besorgt zu klingen, wie er sich fühlte. „Wir können hier herumsitzen. Wir müssen etwas tun.“
Sein Gegenüber runzelte die Stirn, während er Holzscheite nachlegte. „Was meinst du genau?“
„Wir müssen Thorin zurückholen!“
„Hör mal, Thorin wird schon wieder auftauchen. Er weiß, was er tut.“
„Eben nicht! Ihr habt ja nicht gesehen, was passiert ist!“, schnaubte Kili. „Sie haben ihn mitgenommen! Die verdammten Biester haben ihn entführt!“
Bofur schwieg einen Augenblick und sein Blick verlor sich in den Flammen des Feuers, dessen Knistern allein die Stille zwischen ihnen erfüllte. Kili fragte sich, was wohl in ihm vorging. Was hatten die anderen denn gedacht, wohin Thorin verschwunden war? Hatten sie nichts geahnt?
„Das ist 'ne üble Nachricht...“, seufzte Bofur schließlich.„Wir hatten Befürchtungen, aber sie jetzt bestätigt zu wissen...“ Er hielt kurz inne, dann hob er den Blick und schaute Kili in die Augen. „Trotzdem: Thorin wär' nicht Thorin, wenn er da nicht wieder rauskommen würde. Dein Onkel hat in seinem Leben schon viel schlimmere Situationen durchgestanden. ...Überleg mal, er ist 'nem Drachen entkommen, mach das erst mal nach.“, er versuchte ein Grinsen und nickte Kili aufmunternd zu. „Und jetzt denk nicht so viel, schadet nur deinem Hirn. Iss!“
Doch Kili schüttelte zornig den Kopf. „Er ist von Wargreitern verschleppt worden! Wenn wir uns nicht beeilen ist ihre Spur vielleicht weg! Wir können ihn nicht einfach so im Stich lassen! Wir müssen ihnen folgen!“
Bofur seufzte und schaute gequält drein. „Ich verstehe ja, dass du was tun willst. Meinst mir fällt es leicht das so einfach hinzunehmen, was du sagst? Aber... Sieh mal. Was können wir jetzt schon tun? Wir sind geschwächt, wir sind gerade mal zu viert und mich kannst du eigentlich nicht mal mitzählen. Ich bin mit dem Arm hier leider noch nicht wieder voll einsatzfähig, ich weiß nicht, ob ich im Kampf wirklich eine große Hilfe bin oder eher im Weh rumstehe. Mit ner Spitzhacke kämpft es sich einhändig etwas schlecht, weißt du?“, er zuckte hilflos die Schultern. „Wenn wir Thorin wirklich helfen wollen, müssen wir erst wieder zu Kräften kommen. Wir nützen ihm gar nichts, wenn wir ihn zwar finden, aber zu schwach sind unsere eigenen Waffe zu halten. ...Die Biester lachen uns doch aus.“, setzte er kopfschüttelnd hinzu und griff nach seiner Pfeife.
So sehr er auch innerlich fluchte und gegen Bofur aufbegehren wollte, Kili musste sich leider eingestehen, dass er Recht hatte. Sie waren so keine Gegner für die Orks und die Warge erst recht nicht.
„Komm,“, presste Bofur hervor, die Pfeife zwischen den Zähnen, und entzündete sie. „Das Beste, was du jetzt tun kannst, ist erst mal dein Frühstück zu essen. Mit was im Bauch sieht die Welt schon wieder anders aus.“
Widerstrebend betrachtete Kili die Schale in seine Händen und machte sich verdrießlich daran seine Suppe zu löffeln. Er wollte jetzt nicht herumsitzen und essen, während ihr Onkel irgendwo von Orks festgehalten und fortgeschleppt wurde. Er wollte sich keine Ruhe gönnen, er wollte wiedergutmachen, das er ihnen mit seiner Verletzung so viel Zeit und Mühe gekostet hatte.
Doch schon nach dem ersten Schluck fühlte er, wie hungrig er eigentlich war. Die dickliche würzige Flüssigkeit prickelte angenehm auf der Zunge, rann ihm warm die Kehle hinab und weckte seine Lebensgeister. Gierig schlang Kili sie hinunter, indem er die Schale an seinen Mund setzte und das Gebräu in wenigen Zügen austrank. Hitze schoss ihm durch den Körper und in sein Gesicht. Er streckte Bofur seine Schüssel entgegen, der sie sogleich grinsend nachfüllte.
„Was sag ich immer? Eine richtige Mahlzeit stärkt Körper und Geist.“
Kili bejahte dies mit einem Mund voller Brühe und leerte schmatzend seine zweite Schale.
Er fasste einen Entschluss.
„Ech 'erde mech gleich auf 'en 'eg-“, versuchte er hervorzubringen und verschluckte sich dabei. Hustend rang er nach Luft.
Bofur schüttelte den Kopf. „Das passiert, wenn man sich beim Essen Bombur als Vorbild nimmt. Langsam, Jungchen, das Essen läuft nicht weg, jedenfalls nicht solange Bombur nicht in der Nähe ist...“
Kili kämpfte seinen letzten Schluck Suppe ächzend hinunter und versuchte es erneut.
„Ich werde mich gleich auf den Weg machen. Jetzt sind die Spuren noch halbwegs frisch. Ein Regenschauer reicht schon und sie sind weg und damit jede Chance herauszufinden, wo sie Thorin hingeschleppt haben.“
„Was?!“, Bofur hustete einen Schwall Qualm hervor. „Du bist vorhin erst aufgewacht und hast vor gar nicht mal vielen Stunden noch ein Lebensgefahr geschwebt! Wenn hier einer irgendwohin verschwindet, dann wohl diejenige, die als einzige noch in einem Stück ist!“, er deutete mit der Pfeife nach der Frau. Sie schlief noch immer tief und fest wie es schien.
„Wir sollen also einfach hier sitzen und warten bis sie endlich aufwacht und nichts tun?!“, fuhr ihn Kili an. „Wir sind die einzige Hoffnung, die Thorin hat, und während wir zögern können diese Scheusale alles Mögliche mit ihm anstellen! Ich will jedenfalls nichts unversucht lassen ihn zu retten!“, er stand auf. „Mir geht es gut!“
„Die Biester können da draußen überall lauern! Ja, du fühlst dich fit, schön und gut, aber wenn du plötzlich um dein Leben rennen oder kämpfen musst, sieht das schnell ganz anders aus! Sei kein Sturkopf und bleib hier!“
„Ich kann kämpfen!“, fauchte Kili trotzig.
„Ja, aber nicht, wenn du gerade erst dem Tod um Haaresbreite von der Schippe gesprungen bist! Du hast nicht mitbekommen wie's um dich stand! Hab selten sowas blasses und elendiges wie dich gesehen gestern Nacht und wenn unser Fräulein hier dir nicht geholfen hätte, wär's jetzt um dich geschehen, Junge!“, er war ebenfalls aufgestanden und schaute Kili eindringlich an. „Dein Onkel würde nicht wollen, dass du dein Leben so leichtfertig aufs Spiel setzt!“
Bevor Kili etwas darauf erwidern konnte, ertönte eine Stimme zu seiner Linken.
„Er hat Recht.“


Fili stemmte sich mühsam in die Höhe.
Die beiden anderen wandten sich verwundert um und er schenkte ihnen ein mattes Lächeln. Obwohl er lange geruht hatte, fühlte er sich schlechter, als gestern Abend. Monoton pochte Schmerz in seinem Kopf, ihm war schwindlig und er fühlte sich wie im Nebel.
„Fili....!“, Kilis Überraschung wandelte sich augenblicklich in helle Freude. Mit ein paar Schritten war er bei ihm und gab Fili eine so stürmische Umarmung, dass er glaubte er würde ihm die Rippen zermalmen.
Stöhnend tätschelte Fili seinem Bruder den Rücken, soweit es die Umklammerung zuließ. „Ich bin auch froh, dich wohlauf zu sehen.“
Er konnte nicht in Worte fassen wie froh er war. Noch vor wenigen Stunden hatte er um das Leben seines kleinen Bruders gefürchtet und nun stand dieser vor ihm und war unverschämter Weise auch schon wieder voller Energie, als wenn nichts passiert wäre.
Kili ließ von ihm ab und grinste ihn über beide Ohren an. „Wie geht es dir?“
Er war gerührt zu sehen, wie erleichtert sein kleiner Bruder zu sein schien. Offenbar hatte er ihm ebenfalls Sorgen gemacht, was Fili, wenn er genauer darüber nachdachte, eigentlich nur fair fand. Denn er war es sonst, der ständig ein wachsames Auge auf Kili haben musste und andauernd fürchtete sein Hitzkopf von Bruder würde sich blindlings in Gefahr begeben.
„Mir fehlt nichts.“, er gab Kili einen Klaps an die Schulter. „Nur eine Beule, nichts weiter.“
Mit einem prüfenden Gesichtsausdruck musterte er seinen Bruder abschätzig von oben bis unten und spöttelte: „Wie ich sehe stehst du wieder auf eigenen Füßen.“
„Natürlich tue ich das.“, entgegnete Kili mit gespielter Entrüstung. „Im Gegensatz zu dir bin ich nämlich noch jung und schnell wieder auf den Beinen, alter Mann.“
Fili schmunzelte. Er kämpfte gegen die Benommenheit in seinem Kopf und versuchte nicht zu schwanken.
„Las dir das von dem jungen Gemüse nicht gefallen!“, kam es von Bofur hinter ihnen. Er reckte seine Pfeife und lächelte ihnen zu. „Bin froh zu sehen, dass dir nichts fehlt.“
„Wie geht es deinem Arm?“, erkundigte sich Fili seinerseits.
Bofur winkte ab. „Kratzer. In paar Tagen ist er wieder wie neu. Komm, setz' dich und iss einen Happen.
Sie setzten sich ans prasselnde Feuer und Bofur füllte ihm eine Schale mit Suppe.
Vor der Höhle erhob sich die Sonne über die Bergspitzen weit am Horizont und Vögel schwirrten zwitschernd durch die Bäume. Die Hänge strahlten in saftig grünen Farben und bildeten einen scharfen Kontrast zu den stählern grauen Gebirgspässen.
„Sag mal...“, bemerkte Kili neben ihm. „Kann es sein, dass du uns belauscht hast?“
Fili hüstelte. „Belauscht...“, er nahm die Schüssel von Bofur entgegen. „Nein. Ich konnte eher nicht umhin eure angeregte Unterhaltung im Halbschlaf zu überhören.“
Das stimmte nicht. Er hatte schon länger wach gelegen, aber ihm war zu übel gewesen um aufzustehen. Sein Hinterkopf hatte ihn die halbe Nacht mit diesem scheußlichen Pochen gequält und obwohl er gelegen hatte, hatte er das Gefühl gehabt sich festhalten zu müssen. Die Welt hatte sich unablässig um ihn gedreht. Er hatte irgendwann bemerkt, wie Kili aufgestanden war und war heilfroh darüber gewesen. Fili hörte, was er mit Bofur beredete, was mit Thorin geschehen war, aber erst die beiden zu streiten begannen fühlte Fili, er musste einschreiten.
Hoffentlich blieb die Suppe in seinem Magen, dachte er als er die duftende dicke Flüssigkeit besah und einen Schluck nahm. Sie schmeckte wunderbar und er dankte Aulë in Gedanken für Bofurs Kochkünste.
„Du musst recht genau zugehört haben, wenn du behauptest Bofur sei im Recht.“, meinte Kili.
„Ich muss nicht wach sein, um zu merken, dass du eine Dummheit begehst. Ich kenne dich. Manchmal denkst du nicht nach, bevor du handelst.“ Das war eine Untertreibung.
„Das ist-“, ereiferte sich Kili. „Das kannst du so nicht sagen!“
„Doch kann ich. Ich habe es nämlich grade.“
„Ach fass' dich an deinen eigenen Bart!“, brummte Kili und stand auf. „Ja, es ist dumm, ich weiß!“ Fili sah seinen Bruder zum Rand der Höhle gehen, wo er stehen blieb und mit sich zu hadern schien. Seine Hände öffneten und schlossen sich wieder und seine Beine zuckten ruhelos.
„Aber hier zu warten und gar nichts zu tun, ist genauso dumm.“
„Ich weiß, was du fühlst, aber-“, doch sein Bruder unterbrach ihn und drehte sich zu ihm um.
„Nein, du weißt es nicht! Du hast nicht gesehen, wie sie ihn mitgenommen haben, du hast nicht dabei gestanden und warst unfähig ihm zu helfen!“
Bofur mischte sich nun ein. „Es ist nicht deine Schuld, dass Thorin fort ist. Da hat keiner dran Schuld. Wir hatten keine Schnitte gegen diese Biester und wir können von Glück reden, dass wir überhaupt noch alle am Leben sind!“
Es tat Fili weh zu sehen wie Kili sich quälte. Er stützte sich auf den felsigen Untergrund, um sich aufrecht zu halten. Ihm schwirrte alles im Kopf und er merkte, er musste alle Konzentration aufbringen, die er besaß, um sich beisammen zu halten.
„Kili...“, er bemühte sich das Zittern aus seiner Stimme zu verbannen. „Du kannst nicht gehen. Du bist noch nicht ganz geheilt, auch wenn du dich gesund fühlst.“
„Was?“, Kili klang als fiel er aus allen Wolken. Verwirrung spiegelte sich in seinen Augen und er stand plötzlich still. „Was soll das heißen?“
Fili schluckte. Wie sollte er ihm das sagen? Er fühlte sich elend und schuldig, als wenn er seinem kleinen Bruder dieses Los hätte ersparen können. Nun, er hätte es wohl gekonnt, wenn er aufmerksamer gewesen wäre und sich keine Keule über den Schädel hatte ziehen lassen. Was würde Thorin von ihm denken, wenn er wüsste, dass Fili seinem Bruder nicht beigestanden hatte?
„Es ist so...“, begann er zögerlich. „Du hast eine Art Stachel von einer Orkwaffe abbekommen. In deine Seite. Nur ein kleines Loch, nicht mehr, kaum zu sehen, aber... der Stachel war vergiftet und steckte ziemlich tief in deinem Fleisch drin.... Wir, also Nîn und ich, haben versucht ihn aus dir raus zu kriegen, aber er war wie Glas. ...Und...“, er machte eine hilflose Geste. „Wir haben die Spitze nicht aus deiner Wunde herausbekommen...“
Kili stand starr wie vom Donner gerührt und Bofur schaute betreten in die Flammen.
„Es tut mir Leid.“, murmelte Fili. Er rang mit der Übelkeit und grub seine Finger in den sandigen Untergrund. „Du wirst davon nicht sterben, aber wir brauchen einen richtigen Heiler, um dir zu helfen... und … wir wissen nicht wie viel Gift noch in der Spitze steckt... wenn sie brechen sollte und da war noch was drinnen, naja, …“
Wortlos ging Kili an ihnen vorbei und zu seinem Lager.
Fili fluchte. Ein toller großer Bruder war er und ein toller Neffe Thorins...
„Wo willst du hin?“, erkundigte sich Bofur.
Es klapperte und raschelte und Fili musste nicht aufsehen, um zu wissen, dass sein Bruder seine Rüstung und Waffen anlegte.
Es klang kraftlos, als er versuchte Kili ins Gewissen zu reden. „Bitte geh nicht! Lass uns warten bis sie wach ist und dann gemeinsam aufbrechen!“
„Sieh uns an.“, erwiderte Kili tonlos. „Was macht es für einen Unterschied, ob wir gemeinsam auf Feinde treffen oder einer allein? Ich werde vorsichtig sein und mich auf keinen Kampf einlassen. Außerdem, schau raus. Zwischen den Bäumen grasen Tiere, sie wären nicht da, wenn sich Orks noch in der Nähe befinden würden. Ich suche nur die Richtung ihrer Spur und komme dann zurück.“, als er an Fili wieder vorbeiging, fasste er ihn fest um die Schulter. „Versprochen.“
Widerwillen lähmte Filis Zunge, aber die Worte seines Bruders klangen ernst, ja fast ungewohnt ernst, dass er Bofur einen fragenden Blick zuwarf. Dieser zuckte die Schultern und nickte schließlich und Fili legte seine Hand auf die Kilis.
„Gib Acht.“
„Werde ich.“
Und damit ließ er sich den steil abfallenden Hang hinab und verschwand aus ihrer Sicht.
„Ich glaub das mit dem Stachel hat ihn schwer getroffen...“, seufzte Bofur nach einem Moment des Schweigens. „Er wird vorsichtig sein. ...Ich mach mir ehrlich gesagt fast schon mehr Sorgen um dich.“
Fili lächelte erschöpft. Er ließ sich von Bofur aufhelfen und an die Höhlenwand geleiten, wo er sich niederließ und mit dem Rücken an den kühlen Stein lehnte.
Er wollte nur kurz die Augen ausruhen...


ich hoffe das geht jetzt so.... ;___; (ausgerechnet jetzt hab ich nen Plan wie es aus Kilis Sicht weitergehen könnte... ^^")


Zuletzt von Lenz am Mo 03 Jun 2013, 11:12 bearbeitet; insgesamt 6-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: 007 - Der Morgen   Do 23 Mai 2013, 14:31

Apdait!! clown
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BeitragThema: alte Krüppel-Version   So 26 Mai 2013, 19:07

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