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 Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren

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Moriko

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 29 Dez 2013, 22:11

Nîn war am verzweifeln. Ihre Eltern hatten die außergewöhnlichsten Kuriositäten angehäuft, aber nichts was sich für einen improvisierten Dietrich eignete?! An Orten wie Bree musste man dafür nicht einmal suchen.
"Das kommt ganz darauf an, um wessen Tür es sich dabei handelt..."
In der Stimme des Elben schwang etwas mit, was Nîn bei anderen Personen als nett gemeinten Seitenhieb verstanden hätte, aber bei dem Spitzohr war sie sich da nicht so sicher. Seitenhiebe fielen in die Rubrik 'Sarkasmus' und darüber musste er meist länger nachdenken. Andererseits suchte sie bereits auch schon ein Weilchen.
Sie öffnete Schubladen und Fächer und ihr Herz machte sogar einen kleinen Hüpfer, als etwas ähnliches wie einen Schlüssel entdeckte. Doch es war nur eine Geburtstagsüberraschung für ihre Mutter aus geschnitztem Holz, was sie gleich über die Schulter in Richtung Kamin warf. Sie wurde ärgerlich. In ihrer Erinnerung glich dieses Haus einem Palast, in der Realität jedoch ähnelte es mehr einem Kinderspielplatz. "Wenn das alles hier jetzt offiziell meins ist, dann ist es wohl auch meine Tür. Aber ich hab doch gesagt, du sollst es vergessen. Dabei brichst du dir nur den Fuß." Genervt schon die ihren Oberkörper zur Hälfte in ein altes 'Geheimfach', was mehr ein Loch in der Wand war, das von einem Gemälde verhangen worden war, doch auch hier fand sie nichts verwertbares. "Kannst du mir nicht stattdessen den Gefallen tun, und das Päckchen ins Feuer werfen? Vielleicht gibt das dem Feuer ja ein bisschen bessere Starthilfe."
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Lenz

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Fr 03 Jan 2014, 10:08

Für gewöhnlich hätte Morwe eine solche Bemerkung einfach übergangen und die ganze Idee vergessen, aber es war die Art wie die Zwergin es sagte. Und vielleicht auch, dass sie es war, die es sagte. 'Dabei brichst du dir nur den Fuß.' Die Worte hallten in seinem Kopf wider und er spürte einen seltsamen Stich in seinem ohnehin schon geknickten Stolz. Noch dazu der Blick, mit dem sie ihn gemustert hatte. Als wäre er nicht in der Lage eine alte Tür in diesem Bretterverschlag hier einzutreten! Nicht dass Morwe besonders viel von derlei Vandalismus hielt, doch... etwas in ihm weigerte sich Nîns voreiliges Urteil einfach so hinzunehmen. Es würde heißen ihr Recht zu geben.
"Kannst du mir nicht stattdessen den Gefallen tun, und das Päckchen ins Feuer werfen? Vielleicht gibt das dem Feuer ja ein bisschen bessere Starthilfe."
Morwes Mund presste sich zu einer schmalen Linie zusammen und er ertappte sich dabei, wie er die Augen verdrehte. Kannte dieses Geschöpf denn wirklich nicht das kleinste bisschen Anstand? Niemand verlangte, sie solle sich überschwänglich über das Päckchen oder seinen Inhalt freuen oder in tiefster Dankbarkeit versinken. Was vielmehr zählte war letztlich der Akt des Schenkens. Es war eine Geste der Gastfreundschaft und Wertschätzung und ebenso sollte sie erwidert werden. Was war daran so schwer das Geschenk einfach zu öffnen, selbst wenn die Zwergin seinen Inhalt in einer Ecke ihres Hauses verstauben ließ?
"Es ist ein Geschenk.", brummte Morwe und trat zu Nîn hinüber, die immer noch im Schrank herumwühlte. "Und du beleidigst meinen Herrn mit deiner Respektlosigkeit. Ohne seine Großzügigkeit hättest du kein Haus, das du durcheinander bringen könntest, stattdessen würdest du jetzt in den Hallen der Heiler liegen. ...Unter Vanyes liebevoller Obhut.", fügte er süffisant grinsend hinzu und stellte nicht ohne Genugtuung fest, dass Nîn zusammenzuckte.
"Und jetzt heraus mit der Sprache: Von welcher Tür sprichst du?"
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Moriko

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Fr 03 Jan 2014, 14:13

Nîn wagte es kaum noch einen Finger zu rühren, doch ihr Blick huschte kurz durch den Raum, um sich von der Angst zu befreien, dass hinter ihr keine kleine, süffisant lächelnde Person mit Schlachtermessern hinter ihrem Rücken stand. Morwes Blick, mit dem er sie von oben herab mussterte, während er sich mit einer Hand lässig an der Wand abstützte, erinnerte sie stark an den Ausdruck aus seinem Gesicht, kurz nach seinem Erwachen aus dem Delirium. Was hatte sie denn bitte falsches gesagt?! Offenbar reagierte er sehr empfindlich auf alles, was mit Elrond zu tun hatte.
Der Zwergin schossen einige Gerüchte durch den Kopf über die sexuelle Orientierung von Elben, doch unter diesem Blick und mit Vanyes Vorstellung im Hinterkopf, traute sie sich selbst in ihrem Kopf nicht, näher darauf einzugehen. Unruhig kratzte sie sich am Nacken. "Mein Vater hat ein paar Unterlagen im Raum zwischen Küche und Flur gelagert, aber beide Türen gut verschlossen. In der Küche steht sogar ein Schrank vor... Also nichts verbotenes oder so, keine Sorge, ich bin nur neugierig. Aber das ist wirklich egal, irgendwie krieg ich die schon auf. Die ist ziemlich stabil gebaut und ich möchte nicht, dass du dir weh tust, während du in diesem Haus bist. .... Jedenfalls nicht noch mehr." Sie versuchte so nett, unschuldig und versöhnlich zu wirken, wie es ihr nur möglich war, und hoffte, dass damit das Gespäch um von innen verstärkte Zwergentüren endgültig erledigt sei, doch irgendetwas an Morwes Gesicht, ließ in ihr den unguten Verdacht keimen, dass sie es aus einem unerklärlichen Grund gerade nur noch schlimmer gemacht hatte.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Sa 04 Jan 2014, 00:26

Eine einzelne Ader an Morwes Schläfe begann monoton zu pochen. In der eingetretenen Stille sickerte das Gefühl grimmigen Stolzes wie Säure in seinen Magen und seine Gesichtsmuskulatur spannte sich. Mühsam zwang er den Drang Nîn zu fragen, ob sie diesen Satz doch bitte noch einmal wiederholen könne, nieder, aber es resultierte nur darin, dass seine Entrüstung noch weiter aufkochte. Seine Lippen verzogen sich zu einem freudlosen Lächeln. "Es ehrt dich, dass du dich um mein Befinden sorgst... Aber wenn du nichts dagegen hast, würde ich trotzdem gerne mein Glück versuchen.", er stieß sich von der Wand ab und schlenderte beherrscht in Richtung Flur. Die Tür machte auf den ersten Blick nicht den Anschein besonders massiv zu sein. Risse zogen sich durch das Holz, doch hinter ihnen erkannte Morwe ein eigenartiges Schimmern. Er betastete die Furchen, konnte aber nur erahnen, was sich hinter dem Holz befand. Jedenfalls klang die Tür doch widerstandsfähiger als erwartet, als er gegen sie klopfte. Morwe tat einen Schritt zurück und suchte sich eine Stelle heraus, die besonders morsch erschien. Die Zwergin war ihm inzwischen gefolgt und beäugte ihn mit einem schwer zu deutenden Blick.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Sa 04 Jan 2014, 13:16

Nîns Augenbrauen verschwanden unter ihrem buschigen Haarschopf, als sie die Arme verschränkte. 'Der Elb muss wahnsinnig sein!'
"Ganz ehrlich, tu das nicht..." Was sollte sie denn noch sagen, dass er diese abstruse Idee auf sich beruhen ließ? Ein plötzlicher Gesistesblitz zuckte durch ihre Überlegungen. Es war zwar relativ unwahrscheinlich, aber bei Morwe würde es sie nicht sonderlich überraschen. Er schien andere, verstecktere Qualitäten zu besitzen, als das Wissen über allgemeinbildende Kultur. Mit einem erkenntnisreichen Lächeln, lehnte sie sich gegen die Wand und begann den Elben so einfach wie möglich aufzuklären. "Weißt du... mein Vater war Schmied -" Das Krachen von Holz, das nur einen Bruchteil später wieder erstarb und in das dumpfe, tiefe und absorbierende Schlucken von massiven Stahl überging, unterbrach Nîns aufklärenden Vortrag. 'Oh, Aule...gibt mir Kraft!'
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Sa 04 Jan 2014, 16:01

Er spürte, dass es ein Fehler gewesen war noch in dem Sekundenbruchteil, da sein Fuß auf dem Holz aufsetzte. Die Art wie die morsche Tür vordergründig nachgab und dabei doch nicht nachgab, entflammte die Erkenntnis was da hinter dem Holz verborgen war. Dies hier war keine nachlässig gesicherte Tür. Es war eine Sicherheitstür. Verstärkt mit etwas, was Morwe nur als irgendeine Art von Metall identifizieren konnte durch die Weise wie es die Energie seines Tritts auf ihn zurückwarf. Schmerz schoss durch seinen Fuß und entzündete einen Blitz in seinem Knöchel, noch ehe er das Krachen in der Wand hörte. Morwe biss die Zähne zusammen. Er stöhnte erstickt und stolperte zurück gegen die andere Wand, wo er zusammensank. Von der Decke rieselte Staub in seine Augen. Vorsichtig zog er die Hose beiseite und betastete sein heiß pulsierendes Fußgelenk. Entgegen seiner Befürchtung war es scheinbar nicht gebrochen.
Klimpern drang an seine Ohren. Aus zusammengekniffenen Augen starrte Morwe nach der verfluchten Türe, vor der ein schmales metallenes Stäbchen über den Boden kullerte. Ein zweites Klackern und der Rest des zerbrochenen Scharniers folgte ihm über die Dielen. Holzsplitter und Bruchstücke lösten sich. Sie gaben den Blick auf das eigentliche Material der Tür frei, das Morwe hämisch entgegen schimmerte. Er fluchte. Mehr als den oberen Rand der Tür aus seiner Verankerung zu brechen, war ihm nicht gelungen.
Zum Teufel mit Aule und seiner Brut..., Morwe ließ seinen Kopf gegen die Wand sinken und hoffte, dass der Schmerz endlich nachließ.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Sa 04 Jan 2014, 16:52

Nins verzog anerkennend das Gesicht. "Nicht schlecht...!" Doch anstatt zu antworten sackte der Elb stöhnend an der Wand hinunter. Die alte Tür zierte sich noch etwas, fügte sich dann jedoch ihrem Schicksal und löste sich in den oberen Regionen aus der Wand.
Die Augen der Zwergin weiteten sich. Welche Kräfte mochte Mahal in Morwes Adern gelegt haben, dass er dieser Tür so einen Schaden hätte zufügen können?! Einige laute Flüche, die Nin nur mäßig zu übersetzen vermochte, erinnerten sie jedoch daran, dass sie sich auch später noch staunen konnte. Morwe wirkte noch sehr beherrscht für die Farbe, die sein Kopf annahm, aber ein Blick auf seinen entblößten Knöchel ließ die Zwergin innerlich aufatmen. Gefährliche Verletzungen sahen anders aus.
Sie vermied es irgendetwas weiteres zu sagen. Die Zwergin bezweifelte zwar, dass durch die Flüche, die Morwe zwischen zusammengepressten Zähnen der Tür entgegen schleuderte, etwas von ihr, bis zu seinen Ohren durchdringen würde, aber solange die Gefahr bestand, dass er es doch verstehen könnte und zu allem überfluss dazu auch noch falsch, versuchte Nîn sich sicherheitshalber etwas im Schweigen.
Stattdessen versuchte sie den auf dem Boden sitzenden Elb in Richtung Wohnraum zu buchsieren. Ihr Versuch, rein aus Reflex seinen Arm um ihre Schultern zu legen und ihn so hoch zu stemmen, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, doch mit Hilfe der Wand gelang es Morwe schließlich doch noch, sich bis zu der gepolsterten Liege zu quälen.
Nîn war so dankbar, als sie ihm endlich den Rücken zuwenden konnte, um in Richtung Veranda zu eilen. Trotz der ernsthaften Situation, war es ihr nicht unbedingt leicht gefallen, sich ein schmunzeln angesichts Morwes Wortwahl zu verkneifen. Der steife Versuch friedvolle und melodische, elbische Wörter in wütende Rachegelüste und Beleidungen zu zwängen, war der von Nîn sporadischen Übersetzung nach zu urteilen, etwas, was man im allgemeinen Sprachgebrauch als 'süß' bezeichnen konnte...
Amüsiert grinsend schlang Nîn sich die große Jacke enger um den Leib. Der Wind und einige dornige Büsche zerrten unsanft in ihren Kleidernm während sie sich mit einem alten Handtuch bewaffnet, durch den Sturm hindurch der Regentonne im Garten nährte.
'Möge Mahal verfügen, dass dieses Getöse anhält, dann wird das alberne Fest morgen vielleicht ja abgesagt!'
Sie hörte das Reißen an ihrem Roch weniger, als dass sie es spürte. Die eiskalten Fänge des Windes bahnte sich mit einem Mal den unangenehmen Weg unter ihre Kleidung und Nîn musste betroffen feststellen, dass sie sich in ein paar Dornenranken verhackt hatte. Mit einem Ruck befreite sie sich aus dem Gebüsch. Der kalte Regen ließ bereits ihre Finger einfrieren und machte sie wenig motiviert für Feinarbeit. Enttäuscht betrachtete sie den Streifen Stoff, der sich danach aus den Dornen hervor ziehen ließ. Sie hätte wenigstens erwartet, dass der Stoff trotz minderwertiger Qualität bis zum nächsten morgen gehalten hätte. 'Hoffentlich fasst Morwe das nicht auch wieder als Beleidung seines Liebsten auf...'
Mit einem Schulterzucken, tränkte sie den langen Stoffstreifen in das kalte Nass der Regentonne und eilte zurück zum Eingang, wo Nîns Mutter einst für ähnliche Situationen einen kleinen Busch gepflanzt hatte, dessen Blätter Nîn dank einer sehr ungestühmen Phase mittlerweile selbst im Dunkeln erkannte.
Morwe hatte mittlerweile aufgehört zu fluchen und rieb sich nur mit angespanntem Gesichtsausdruck über den Knöchel.
Der Elb schien erst zu realisieren, dass die Zwergin nach draußen gegangen war, als sie sich ihm lächelnd, mit zügigen Schritten nährte und dabei eine nasse Spur auf dem Holzboden hinterließ. Ihrer Erfahrung nach sollte man bei zwar helfenden, aber unangenehmen Maßnahmen den Patienten lieber nicht vorher fragen. Ihn in so einem Fall darauf vorzubereiten, raubte nur den Überaschungsmoment und gab Gelegenheit für schlecht abwehrbare Faustschläge.
Er machte den Mund auf, um sie mit hochgezogenen Brauen etwas zu fragen, doch bevor die erste Silbe seine Lippen verlassen konnte, kam sie ihm zuvor. "Hand weg! Zuück lehnen!" Sie schubste seinen Oberkörper bestimmend in Richtung der Rückenlehne und hob seinen Fuß auf ihre Oberschenkel, nachdem sie sich auf den Tisch gesetzt hatte.
Zu ihrem Glück war Morwe so perplex, dass er im ersten Augenblick ihren Anweisungen Folge leistete, was jedoch vorbei war, als sie anfing ihn mit dem im Eiswasser getränkten Stoff zu bandagieren in dessen Falten sie ein paar der Blätter gelegt hatte.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Sa 04 Jan 2014, 21:07

(Made by Lenz, der sein Passwort vergessen  hat.... ^^")

Morwes Augen verengten sich, als er erkannte was Nîn da als improvisierten Verband benutzte. Er warf der Zwergin einen vorwurfsvollen Blick zu. Diese zuckte jedoch nur ungerührt mit den Schultern und murmelte: "...das war schon so... "
In Anbetracht der gegebenen Situation verkniff Morwe sich eine Antwort. Insgeheim war er Nîn viel zu dankbar, dass sie seine peinliche Verletzung nicht ansprach und ihm einfach wortlos half. Er wollte den empfindlichen Frieden nicht durch irgendeinen Vorwurf gefährden.  Abgesehen davon war Morwe noch immer viel zu überrascht darüber, dass sie ihm überhaupt ihre Hilfe darbrachte.
Peinlich berührt beobachtete er Nîn bei ihrer Tätigkeit und nuschelte: "...Es scheint als hätten die Valar dich dazu bestimmt die Ergebnisse meiner Dummheiten ausbaden zu müssen...", er versuchte ein dankbares Schmunzeln.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   Sa 04 Jan 2014, 22:09

Nîn lachte leise auf, ohne den Blick von Morwes Knöchel abzuwenden. Sie war gerade dabei, seinen Fuß mit dem Handtuch zu stabilisieren, was den positiven Nebeneffekt hatte, dass nicht der ganze Tisch vollgetropft wurde. Die Zwergin hatte mit erneuten Todesdrohungen oder weiteren Beleidigungen gerechnet, aber niemals damit, dass ausgerechnet dieser Elb so selbstironisch sein könnte. Sie versuchte in ihrem Kopf Worte zurecht zu legen, die beteuerten, dass diese Tat doch gar nicht dumm gewesen sei, doch selbst dort klang es nicht gerade überzeugend, weshalb sie beschloss, darauf zu verzichten. Stattdessen stand sie auf, legte einen Holzscheit ins Feuer zu den fast vollständig abgebrannten Zeichnungen und ließ sich in den Sessel neben ihn fallen, von wo aus sie gemeinsam die Flammen betrachten konnten. "Ich denke, Vanye wird mir zustimmen, dass du mit so einer lebensbedrohlichen Verletzung ganz sicher nicht im Stande bist, mich morgen wie gewünscht auf dieses Fest zu begleiten... und mit einer anderen Begleitung als dir kann ich sicher nicht gehen, weshalb ich dann wohl leider hier bleiben muss." Sie warf Morwe einen kurzen Seitenblick zu und zog den Mantel um ihre nassen Knie. "...Aber damit sich dein Herr Elrond nicht beleidigt fühlt -weil ich das natürlich nicht möchte und ihm sehr dankbar bin - kann er gerne vorbeikommen und wir machen hier einfach eine kleine Party mit Tee und Kuchen im kleinen Kreise." Ihre Zehen boten einen fantastischen Anblick, den sie um nichts in der Welt aus den Augen verloren hätte, doch die Stille gab keine Auskunft darüber, wie stark Morwe das gekünstelte in ihrer Aussage aufgefallen war, weshalb sie zaghaft einen flüchtigen Blick zur Seite warf.


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Mir fiel echt keine Umschreibung für so etwas alltägliches ein X__x
Mit welchem Adjektiv umschreibt man den Blick, der an einen getretenen Welpen erinnert oder an ein Kind, das meint "Ich war das nicht, bitte nicht hauen!" ??
....aber auf jeden Fall: guck mal, was Nîn sich hier für Mühe gibt!
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 03:07

Morwes Lippen verzogen sich zu einem Schmunzeln. Aus den Augenwinkeln bemerkte er wie Nîn vorsichtig in seine Richtung lugte und so setzte er rasch eine ernste und betretene Miene auf. "Ja, damit könntest du wohl Recht haben... Es wäre leichtsinnig sich mit dieser Verletzung zu viel zu bewegen, zumal du dir solche Arbeit gemacht hast zu retten, was noch zu retten ist. Und da ich auf keinen Fall möchte, dass deine Fürsorge umsonst war, werde ich dich wohl nicht begleiten können... Wirklich schade.", er nickte schwermütig. Als er einen Anflug von Erleichterung in den Augen der Zwergin erkannte, fuhr er jedoch grinsend fort: "Aber da ich auch auf keinen Fall verantworten kann, dass du der Feier wegen mir fern bleiben musst, werde ich selbstverständlich jemand anderen beauftragen dich dorthin zu begleiten. Natürlich nur jemanden, der mein vollstes Vertrauen genießt und dem auch du blind vertrauen kannst. ...Ich bin mir sicher meinem Bruder Elûdin wird es eine große Ehre sein deine Begleitung sein zu dürfen." Morwe versuchte unschuldig dreinzuschauen, doch der Blick, mit dem Nîn ihm antwortete, machte es nicht gerade leicht ein Lachen zu unterdrücken. Mit zitternden Mundwinkeln bemühte er sich ein plötzliches Interesse an einem losen Faden an Rínons Hose vorzutäuschen, aber ein flüchtiges Aufschauen zurück zu Nîn ließ seiner Kehle ein Kichern entweichen.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 09:58

Die Zwergin konnte jedes einzelne ihrer Nackenhaare einzeln spüren und ihr Gaumenbereich fühlte sich so an, als hätte sie in eine saure Zitrone gebissen. Ein leises Kichern war von Morwe zu hören. Für den Elben schien Humor kein leichtes Unterfangen zu sein, doch immer, wenn es ihm gelang welchen zu zeigen, verstand er sich darauf, Nîn für einen Augenblick sämtliches Blut in den Adern gefrieren zu lassen.
"Weißt du... ich muss sagen, dein Meister ist wirklich ziemlich weise. Ich bin fast schon davon überzeugt, dass er das alles vorausgesehen hat! Vielleicht will er deinen Bruder und mich ja verkuppeln und arrangiert deshalb immer und immer wieder Momente, wo wir spärlich bekleidet aufeinandertreffen..." Sie zog die Brauen hoch und bemühte sich um eine geschäftliche Mine. "Klingt doch plausible, oder?" Mit einem Zwinkern in Morwes Richtung beugte sie sich vor, um das Päckchen zu sich hinüber zu ziehen. "Ein Mann in seiner Position ist ja schließlich eine gute Partie und ich würde mich wahnsinnig geschmeichelt fühlen, wenn er mir morgen beim Anziehen dieser wunderbaren Kleider helfen würde." Sie versuchte diese Aussage mit einem schelmischen Grinsen zu untermalen, jedoch ließ sich trotz des Sarkusmus' in dieser Aussage, ein Gefühl des Brechreizes nicht unterdrücken, der einen widerwärtigen Schauer über ihren Rücken jagte.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 10:30

Nîns Worte brauchten einen Moment, um konkrete Formen in seinem Kopf anzunehmen. Bilder tauchten vor seinem inneren Auge auf. Allein der Gedanke daran, dass sein Bruder - sein Bruder - zusammen mit Nîn zum Fest gehen sollte, dass er nett sein sollte, ließ Morwes Mund sich zu einem schiefen Grinsen verziehen. Sich jedoch vorzustellen, wie er der Zwergin in ihre Kleider half, war eindeutig zu viel des Guten. ...'eine gute Partie'... Mit geballter Kraft vereinigten sich die Lachanfälle, die er zuvor immer wieder unterdrückt hatte, zu einem einzigen und Morwe brach in schallendes Gelächter aus.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 11:00

Die Zwergin konnte nicht anders, als in dieses Gelächter einzustimmen. Es für sie schwer vorstellbar, dass die beiden Elben wirklich Brüder waren, auch wenn sie sich äußerlich so ähnlich sahen. Doch ihr Lachen erstarb jäh, als sie die erste Lederfalte des Geschenks aufdeckte, um zu sehen, in was für Unterwäsche ihr Eludin morgen helfen durfte.
Ihr Kiefer und ihre Hände zitterten. Ihr Körper schien vollkommen vergessen zu haben, wie man atmete und jeder kurze Luftzug war sporadische Schwerstarbeit. Morwe wurde ebenfalls still und Nîn spürte seinen Blick von der Seite. Sie kaute nach Beherrschung ringend auf ihrer Unterlippe und warf Morwes Knöchel einen kurzen Blick zu. Was hätte sie nur dafür gegeben, wenn er kurz einfach woanders hingehen könnte, aber das war wohl augenblicklich kaum von ihm zu verlangen.
Ihre vereinzelten Atemzüge wurden tiefer, im Kampf gegen die Feuchtigkeit, die sich in ihren Augen sammelte.
Zögerlich, wie bei einem Tier, das zubeißen könnte, suchten ihre Finger den Weg zu dem schwarz Messer, in dessen Klinge sich verzerrt die Flammen des Kamins verirrt hatten. In den gebogenen Stahl waren trotz seiner immensen Härte feine Linien eingraviert und der Griff schmiegte sich in einer vertrauten Weise in ihre Handfläche, die an einen sehnsuchtsvollen Willkommenskuss erinnerte. Ein Lächeln kräuselte ihre bebenden Lippen und eine wohlige Wärme umschloss ihr Herz. Sie fühlte sich sicher; zu Hause! Welches Unheil dieser Welt sollte ihr jetzt noch etwas anhaben können?!
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 11:29

Der Feuerschein flackerte auf Nîns erstarrtem Gesicht. Ihre Augen begannen zu glitzern. Vielleicht waren es die unruhigen Schatten der Flammen, doch Morwe glaubte die Unterlippe der Zwergin zittern zu sehen. Er schluckte und musterte den Gegenstand, welchen Nîn in den Händen hielt. Rötliches Licht leckte über die glatt glimmende Klinge und Morwe ertappte sich dabei, wie er sich vornüber beugte, um einen besseren Blick auf die Waffe zu erhaschen. Nîns bebendes Lächeln erstickte seine Neugierde aber wieder ein wenig.
So viel zu dem Spitzenkorsett..., Morwe rieb sich die Schläfe. Den immer röter werdenden Augen Nîns nach zu urteilen, stand sie kurz davor in Tränen auszubrechen. "Soll ich dich lieber kurz allein lassen?", fragte er behutsam, doch in der eingetretenen Stille erschien ihm selbst sein Flüstern zu laut.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 11:57

Morwes Frage riss Nîn so plötzlich aus ihrer Beherrschung, dass laut auflachen und eine Träne aus dem Augenwinkel wischen musste. „Wie willst du das anstellen? Möchtest du über den Boden robben?“ Wie einen dritten Arm, drehte Nîn das Messer schwungvoll in ihrer Hand, um mit der Klinge die verknoteten Lederbänder des Pakets aufzuschneiden. Sie lächelte und fühlte sich, als müsste sie dringend eine Rechtfertigung zum Besten geben. „Ich dachte nur -“ Sie stockte und senkte die Stimme. „Ich dachte, es wäre den Orks in die Hände gefallen.“ Mit einem Satz, als hätte sie sich verbrannt sprang Nîn vom Sessel auf und ließ dabei das Leder wieder fallen, was sie kurz angehoben hatte. Ein kleines Stoßgebet in alter Sprache entwich dabei ihren Lippen, doch sie brach mitten im Satz ab. Das konnte nicht sein... Elrond hätte nie...
Ihr Herz hämmerte schmerzhaft in ihrer Brust, als wolle es gegen die es umschließenden Verbände rebellieren. Die ruckartige Bewegung hatte ein grausames Ziehen in ihrem Körper hinterlassen, doch Nîn musste nicht erst um Beherrschung kämpfen. Die Schmerzen waren ihr in diesem Moment vollkommen egal. Hilfesuchend huschten ihre Augen erst ziellos umher und blieben dann bittend an Morwe und seinem Knöcheln hängen. Das war keine Bitte, die man gegenüber jemanden in so einem Zustand aussprechen konnte. Nervös leckte sich die Zwergin über die Lippen, als würde sie das ihre stummen Worte leichter formulieren lassen und ließ das Messer in beruhigenden Bewegungen zwischen ihren Fingern hin und her Kreisen, doch die Worte blieben trotz allem aus.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 12:19

Mit einem dumpfen Geräusch fiel das Lederpäckchen zu Boden. Nîn stand da wie vom Donner gerührt mit weiten starren Augen. Ungläubigkeit und Zweifel mischten sich zu dem Ausdruck des Schocks in ihrem Blick. Stirnrunzelnd versuchte Morwe zu erkennen, was sich hinter der ledernen Hülle des Pakets verbarg, aber er konnte nichts erkennen. Womöglich war es auch gut so. Was immer darin verborgen lag, es schien die Zwergin völlig aus der Fassung zu bringen. Ihre Augen huschten zu ihm hinüber. Es schien als wollten ihre zitternden Lippen Worte formen, doch kein Ton drang zwischen ihnen hervor.
Morwe wich hastig Nîns Blick aus und tat so, als würde er nachdenklich aus dem Fenster schauen. Draußen peitschte der Wind Wolken wie aus Kohle über den Himmel. In Wellen brandete er gegen die Hauswand und das Knacken der Fassade gesellte sich zu den knisternden Lauten des Feuers. Die Stille wurde mit jeder Sekunde schwerer.
Morwe räusperte sich. "Ich glaube, ich habe das Fenster oben gehört... Vielleicht habe ich es doch nicht richtig geschlossen, besser ich sehe eben danach...", er fühlte seine Wangen heiß werden und erhob sich rasch. Mit einer Hand an der Wand humpelte er in Richtung Treppe. Er widerstand der Versuchung sich noch einmal nach Nîn umzusehen. Es schickte sich nicht, seine Nase in ihre persönlichen Angelegenheiten zu stecken, vor allem, wenn es sich um Dinge handelte, die ihr derart nahe gingen...
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 13:33

Dankbarkeit und Erleichterung trieben Nîn die Tränen in die Augen. Zaghaft setzte sie sich auf den Boden neben dem Paket und hob Schicht für Schicht das Leder beiseite, als würde sie etwas empfindliches aus Glas auspacken und kein altes Kettenhemd. Sie hob das schwere Metall wehmütig in die Höhe und konnte sich nicht entscheiden, ob sie Lachen oder Weinen sollte, deshalb wählte sie beides. Ihr Vater war ein Meister seines Handwerks gewesen. Immer hatte er sie gedrängt, die vielen grazilen Handgriffe zu lernen, mit denen er einst sein Geld verdient hatte, doch für die meisten Kunstgriffe waren Schmieden vonnöten gewesen, die es in ihrer Größe nur in den alten Zwergenreichen wie Erebor, Moria oder zum Teil auch in den blauen Bergen gab. Orte, die ihnen dank der Elben und der deplatzierten Gutmütigkeit ihrer Eltern wohl für alle Ewigkeiten verwehrt bleiben würden. Sein Kettenhemd war eines der letzten Anfertigungen gewesen, dass er vor seinem Aufbruch ins Exil noch Schmieden konnte. Es würde ihr sicher nicht passen, denn es war eine Maßanfertigung, doch die Glieder, die in ihrer besonderen Machart wie ein silberner Spiegel schimmerten, waren durchwoben von Träumen aus Erinnerungen, trotz ihres alten und mitgenommenen Zustands.
Ein Zettel glitt zu Boden, als sie das lange Hemd in die Höhe hielt. Liebevoll legte die Zwergin ihren wertvollsten Schatz über die Lehne des Sessels, bevor sie die Nachricht laß.

Deine Eltern hätten nicht gewollt, dass dieser Besitz mit ihnen in die ewigen Hallen des Ruhmes eingehen würde.
Mich würde wohl ihr Zorn noch aus dem Grab heraus treffen, wenn dieses nützliche Vermächtnis nur zur Zierde und nicht zum Gebrauch dienen würde, weshalb ich es rechtmäßig in deine treue Obhut übergebe.
Mein Volk ist der Schmiedekunst weniger mächtig als die der Deinen.
Demnach hab ich veranlasst, dass die Rüstung deines Vaters in ihrem bedauernswerten Zustand belassen wird, bis Du darüber zu bestimmen vermagst, wie Du weiter mit ihr verfährst.
Der Harnisch hätte jedoch ohne unsere Pflege die Jahre wohl leider nicht überdauert.
Ich habe nach der Schlacht, in der deine Eltern für den Ruhm und die Ehre ihres Volkes Seite an Seite mit den Meinen ihr Leben gelassen hatten, meine besten Handwerker damit beauftragt, sich ihnen ihm anzunehmen.
Mögen die Valar darüber verfügen, dass dieses kleine Geschenk zu deiner Rückkehr dich erfreut und dir Trost spenden mag, vollkommen gleich, welchen Entschluss du für deine Zukunft treffen wirst.
Dieses Haus soll für immer das Deine und du an unseren Tischen stets Willkommen sein.


Die Zwergin ließ die Nachricht fallen und faltete eine weitere Schicht der ledernen Verpackung beiseite. Es hatte sie Mühe gekostet, die schnörkelige Handschrift bis zum Ende zu verfolgen. Sie hielt die Luft an. Bereits vor einer Weile, schien ihr Herz vor Freude fast zu explodieren, doch nun hatte ihr Glück ein Maß erreicht, wo nur noch Ruhe und Seligkeit blieben. Tränen rannen still über ihre Wangen. Nîn wischte sie hastig weg, als sie den kunstvollen Lederharnisch benetzten, der ihrer Mutter gehört hatte. Einzelne Lederstriemen waren in feinster Zwergenmanier in einander verflochten. Dadurch schränkte der Harnisch kaum die Beweglichkeit seines Trägers ein, und war dennoch hart, wie eine verstärkte Lederplatte. Einige feine Nähte sprangen der Zwergin unsanft ins Auge. Sie kannte den Harnsich. Jeder Kratzer und jede noch so kleinste Unebenheit, war neben dem Antlitz, das ihn trug, in detaillierter Erinnerung an ihr haften geblieben. Unzählbare Male hatte sie nach ihm Ausschau gehalten, sich vorstellt, wie ihre Mutter mit ihm zur Tür hinein kam, unverletzt und wohl auf. Aber derartige Fäden und Sticharten, waren an diesem zwergischen Leder so fremd wie ein Stadtrat in der breeländer Kneipe 'Zum geköpften Henker'.
Nîn zog eine Schnute und betrachtete jede kleine Verletzung ihrer neuen Rüstung. Sie würde viel Arbeit vor sich haben. Ein Stich fuhr durch ihr Herz, als sie einen großen, geflickten Riss im Rücken des Panzers entdeckte. Betroffen strich sie mit den Fingern über die Stelle, die vor einigen Jahren wohl grausam mit Blut durchtränkt worden war. Welch bestialische Kraft musste hinter der führenden Hand der Waffe gesteckt haben, die mit Leichtigkeit selbst den Stahl ihres Vaters hatte durchdringen können und solche präzisen Stiche durch die Rüstung hindurch verursachen konnte?
Die Zwergin schluckte und versuchte ihre Gedanken auf die Zukunft zu konzentrieren und vor allem in die Gegenwart, wo sie bereits umständlich versuchte, sich aus dem Mantel zu befreien und in den Harnisch zu zwängen, ohne, dass ihre Verbände dabei Schaden nahmen und ihr fixierter Arm zu sehr bewegt werden musste. Das Herz wurde ihr schwer. Sie musste den Harnisch nicht zubinden, um zu bemerken, dass sie vieles, jedoch nicht die kräftige Statur ihrer Mutter geerbt hatte. Wenn sie ihren Arm wieder vollständig benutzen konnte, könnte sie versuchen, das Kettenhemd bei der Reparatur an einigen Stellen etwas zu weiten oder zu schmälern. Es würde nicht an das Kunsthandwerk ihres Vaters heran kommen, aber unter dem Harnisch getragen, würden diese optischen Unterschiede kaum auffallen, geschützt wäre sie trotz allem mehr, als sie es je war und vor allem würde der Harnisch sicher besser passen.
Einer ihrer Augenbrauen entwickelte ein Eigenleben, als sie aus den Augenwinkeln bemerkte, dass ihr Messer und die Rüstung ihrer Eltern nicht der einzige Inhalt des Pakets war. Ungläubig wanderte ihr Blick zwischen der vertrauten Rüstung und dem samtig schimmernden Stoff hin und her.
Wenn Elrond wirklich so weise wäre, würde er wissen, wie ihre Wahl ausfallen würde. Also wäre es auch keine Beleidigung, wenn er es doch erwarten würde...
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Lenz

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 18:41

+++
Morwe tastete durch die Zweige, die bis auf die Veranda ragten, und rieb sich mit nassen Händen durchs Gesicht. Der Regen am Himmel hatte zwar aufgehört, doch im Geäst spielten Wassertropfen noch immer ihre sanfte Melodie. Sie funkelten im Dunkel der Nacht durch das Licht, das durch die schmutzigen Fenster fiel. Angenehme Kühle strich Morwe um die Nase. Über den Schatten des Gartens lag ein erdiger frischer Duft. Der Sturm hatte alles rein gewaschen.
Womöglich war jetzt die beste Zeit, um rasch zu seiner Unterkunft aufzubrechen, mutmaßte Morwe. Nachdem das Unwetter den halben Tag angehalten und bis in die Nacht gewütet hatte, würden die meisten wohl damit beschäftigt sein, sich um eventuelle Schäden zu kümmern oder aber die eingetretene Ruhe zu genießen. Niemand würde es kümmern, wenn er durch die Schatten schlich. ...Oder vielmehr hinkte.
Morwe machte kehrt und trat zurück ins Wohnzimmer. Im sterbenden Schein des Kaminfeuers glommen die Möbel in einem unheimlichen Rot. Es blitzte über Besteck und Geschirr, welches über den Tisch verteilt lag. Selbst die Zettel am Boden schienen wie in Flammen gehüllt.
Soviel zu ‚nur kurz die Augen ausruhen‘..., Morwe schüttelte schmunzelnd den Kopf. Er sammelte die herumliegenden Pergamentstücke zusammen und legte sie auf den Tisch neben der schlafenden Nîn. Die Zwergin hatte sich auf dem Sofa zu einer Kugel zusammengerollt, auf die ein Igel stolz gewesen wäre. Ihre Arme waren fest um einen dunklen Gegenstand geschlungen. Bei genauerem Hinsehen stellte dieser sich als der Lederharnisch heraus, den sie von Elrond erhalten hatte. Fäden guckten hier und da aus ihm heraus, wo zuvor ein gesticktes Muster gewesen war. Auch auf dem Boden vor dem Sofa lagen Fadenstücke wie dünne Würmer verteilt. Mit einem nachsichtigen Lächeln entlockte Morwe die Nadel aus Nîns Fingern und legte sie beiseite.
Er musterte den geräuschvoll schlafenden Rotschopf. Ein Anflug von Stolz erwärmte Morwes Brust. Die Zwergin hatte es wirklich verdient sich endlich ausruhen zu dürfen. Es mochten gewiss fast zehn Stunden gewesen sein, die sie damit verbracht hatten Höflichkeitsformen, -floskeln, Tischmanieren und dergleichen durchzugehen, um Nîn für das anstehende Fest vorzubereiten. Insgeheim musste Morwe sich eingestehen, dass er ausgesprochen überrascht war. Die Zwergin hatte schnell gelernt. Deutlich schneller, als er es von ihr erwartet hätte. Ganz abgesehen davon war es ihm immer noch ein Rätsel, was Nîns plötzliches Interesse an Benimmregeln und Umgangsformen ausgelöst hatte... Eigentlich hatte er sie eher als jemanden eingeschätzt, der sich nicht darum kümmerte, was andere von ihr erwarteten oder dachten. Offenbar ein Irrtum.
Vorsichtig las Morwe die Decke am Ende des Sofas auf, breitete sie über Nîn aus und löschte anschließend alle Kerzen. Im schwachen Licht des Kamins wandte er sich zum Gehen, hielt jedoch inne, als er ein Murmeln vom Sofa her hörte.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 18:50

"Dann brauch ich aber noch ein Geschenk für Vanye und Rínon als Entschuldigung..."
Die Worte fielen ihr plötzlich schwer, als wäre ihre Zunge aus Blei. Auch schien es plötzlich dunkel um sie herum geworden zu sein. Nîn brauchte ein paar Sekunden um zu realisieren, dass die Fortführung des Gesprächs mit Morwe nur in ihren Träumen stattgefunden hatte. Allerdings half ihr diese Erkenntnis noch nicht sonderlich gut bei der Frage, ob sie denn nun wach war oder nur in einem anderen Traum, in dem alles warm, schwer und gemütlich war. Morwes Gesicht war vor ihren Augen verschwunden. Trotz allem fühlte sie sich dazu verpflichtet, den Satz wie geplant zu Ende zu führen. "... es war nicht so gemeint, was ich gesagt hab."
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Lenz

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 18:58

Morwe hatte seinen verletzten Fuß noch unschlüssig in der Luft hängen, drehte sich dann aber wieder auf dem Absatz um und trat zurück zum Sofa. Nîn lag noch immer da, wie er sie gerade verlassen hatte. Vielleicht redete sie ja im Schlaf... Nichtsdestotrotz antwortete er ihr leise: "Was genau hast du denn gesagt, dass eine Entschuldigung von Nöten wäre?"
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 19:01

Sie machte erneut die Augen einen Spalt breit auf und Morwes Gesicht war wieder zurück gekehrt.
Mit einem mal fühlte sie sich merkwürdig ertappt und zog den Harnisch bis zur Nasenspitze hoch. "Ich hab das schon so gemeint, aber ich war vielleicht etwas sehr unfreundlich, als ich sie weggeschickt hab... obwohl sie doch so lieb zu mir waren."
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 19:08

Morwes Brauen wanderten unwillkürlich nach oben. Zum einen wohl aus Überraschung bezüglich dessen, was Nîn sagte, aber eigentlich mehr, weil die Zwergin plötzlich ungewöhnlich kleinlaut war. "...Warst du nur 'unfreundlich' oder eher... zwergisch unfreundlich?", die Worte kamen ihm über die Lippen, ehe er den Gedanken in eine angemessenere Formulierung bringen konnte. Morwe schüttelte innerlich den Kopf über sich.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 19:17

Nîn drückte den Harnisch fester an sich heran. Das war ein böser Traum, auch wenn er so schön warm war. "Vanye mag mich jetzt nicht mehr... und ... und Rínon hat so finster geguckt wie in dem Moment, als er dich im Rausch zu mir gebracht hat und dachte, du wärst bald tot." Die Erinnerung an ihre gelungene Ablenkung huschte vor ihren geschlossenen Augen vorbei und sie musste kichern angesichts der Leichtgläubigkeit des gelehrten Elbs. "Du brauchst noch einen Kratzer oder Stich..."
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 19:25

"Danke, ich denke, ich habe inzwischen genug davon...", entgegnete Morwe verdrießlich und hockte sich vor die halb schlafende Zwergin. Er suchte in seinen Erinnerungen danach, wann er Vanye und Rínon zuletzt gesehen oder gehört hatte, aber er endete immer wieder bei der Erkenntnis, dass er in seinem Rausch das eine oder andere verpasst haben musste. "Es würde vielleicht helfen, wenn du mich darüber aufklärtest, was passiert ist.", er versuchte ein aufmunterndes Lächeln, um Nîn aus ihrer Versenkung zu locken.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 1 - Zwergenmanieren   So 05 Jan 2014, 19:29

Nîn versuchte sich durch die Dunkelheit zu kämpfen. Sie durfte nicht weggehen, er verstand nicht. Es erschien ihr aus irgendeinem Grund wichtig, dass er es tat, bevor sie aufwachte und der Traum verblasste. "Er muss aber rot sein. Ich hab Rínon gesagt, dass du allergisch auf eine giftige Pflanze oder ein doofes Insekt reagiert hast. Solche Stiche sind rot... Wenn es nicht rot ist, fliegt alles auf, sobald er nachschlägt. Dann ist er noch böser auf mich..."
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