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 Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege

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Moriko

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   So 01 Jun 2014, 19:32

Ein kleiner Sperling flatterte vergnügt auf das warme Holz der Veranda, vor der offenen Tür.
Die junge Zwergin hatte es sich zum Essen auf einigen Decken und Kissen hinterm Haus gemütlich gemacht und beobachtete verträumt, wie der kleine Vogel versuchte, einige Krümel zwischen den Brettern heraus zu ziehen. Ihr Körper genoss die warme Sonne und sie war zugegebener Maßen überrascht, als sie bemerkte, wie heilsam doch ein paar warme Sonnenstrahlen und ein voller Bauch sein konnten.
Vanye hatte ihr ein kleines Päkchen auf dem Wohnzimmertisch hinterlassen, indem ein paar Scheiben würziges Brot und ein Bündel Kräuter waren, zusasmmen mit einer etwas größeren Notiz mit der Überschrift 'Ärztliche Anweisungen'. Nîn hatte aus hochachtung gegenüber der kleinen, aber nicht allzu harmlosen Heilerin beschlossen, sich am Abend Zeit dafür zu nehmen, die Nachricht zu lesen, sollte es erneut zu kalt für irgendwelche Ausflüge werden.
Sie merkte allerdings, wie stark ihre körperliche Konstitution während ihres langen Schlafes in den Hallen der Heiler abgenommen hatte. Die von Vanye in dem Päkchen hinterlassene Mahlzeit hatte nur aus einigen recht trockenen Brotscheiben bestanden, aber nach dem letzten Bissen musste die Zwergin sich dennoch eingestehen, dass die Menge an Nahrung ihr vermutlich für die nächsten Stunden reichen würde. Der Geschmack hatte zwar etwas zu wünschen übrig gelassen, aber mit dem Kräuterbündel, in dem Päkchen, hatte er sich zumindest etwas variieren lassen. Nicht unbedingt zum besseren, da die meisten der Kräuter von recht bitterem Geschmack waren - ähnlich wie Medizin - aber wenigstens war es geschmacklich sehr interessant gewesen, damit zu experimentieren.
Der Vogel hatte es endlich geschafft, einen der Brotkrumen zu ergattern und flog stolz damit zurück in Richtung Nest. Nîn sah ihm hinterher. Er hätte überall hinfliegen können. Die gnaze Welt lag ihm zu Füßen. Trotz allem blieb er hier und schien glücklich über das wenige zu sein, was dieser Ort ihm zu bieten hatte. Sollte ihr Körper weiterhin allein durch Sonne und Essen in so rasantem Tempo weiter zu kräften kommen, würde sie vielleicht sogar ohne Hilfe irgendwelcher Heiler gesund werden. Vielleicht konnte sie in einer Woche bereits wieder ein Schwert mit ihrem Arm führen. Vielleicht war sie zu diesem Zeitpunkt dann schon ganz woanders, weg von den Elben und ihrem albernen Getuschel.
Ein 'vielleicht' in einer ferne Zukunft zu rücken, über die man sich erst morgen oder übermorgen Gedanken machen musste, erschien Nîn irgendwie fremd und unbehaglich. Doch das schwere Gefühl in ihrer Magengegend, dass von sonnengewärmten Verbänden wohlig umschlungen wurde, lies die ganz Welt auf eine zwar träge, aber angenehme Art und Weise an ihr vorüber ziehen.
Der Vogel flog davon, um andern Orts nach Futter ausschau zu halten und die Zwergin schnürte ihren Harnisch zu. Es wurde Zeit, sich auf den Weg zu machen, bevor Vanye vobei kam, um ihr unnötige Medizin zu bringen oder Morwe sich dazu entschloss seiner Rolle als Anstandsdame gerecht zu werden.
Halb angezogen öffnete sie die Haustür und blieb angewurzelt stehen. Ein ... Mädchen... mit geflochtenen blonden Haaren und einem sehr leichten, azurblauen Kleidchen stand etwa eine Hand breit von ihrem Eingang entfernt und hatte auch nicht einmal gezuckt, geschweige denn geblinzelt, als Nîn fast in sie hinein gelaufen wäre. Die Zwergin war sich nicht so ganz sicher. Die Elbin vor ihr, war kaum kleiner als Vanye, aber ihre Gesichtszüge und großen Augen strahlten um einiges mehr naive Jugend aus, als Vanyes geheimnisvolles Lächeln, das ihre Gedanken eher als brutal, süffisant und grausam beschreiben lies.
Die Zwergin zog eine Augenbraue hoch und schnürte ihren Harnisch fertig zusammen, während sie gleichzeitig nicht einsah einen Schritt zurück zu weichen, wenn es das Mädchen auch nicht tat. Nîn wartete eine gefühlte Ewigkeit, in der sich ihre wortlose Frage zähflüssig in die Länge zog, doch das Mädchen machte nicht den Anschein, als hätte sie überhaupt jemals vorgehabt, zu antworten. Einige von Nîns Nackenhaaren stellten sich auf, als sie bemerkte, was es bedeutete, wenn ein Wesen nicht blinzeln musste. Sie hielt in ihrer Bewegung inne, hob auch die zweite Braue und beugte den Kopf ein bisschen nach vorne, um ihre wortlose Frage nach dem "Was in Durins Namen willst du Blag hier?" noch ein wenig deutlicher zu untermalen, doch auch darauf reagierte das Mädchen nicht. Sie wirkte weder so, als währe sie vor Angst in einer Schockstarre gefangen, noch als würde sie versuchen mit einem sympathischen Lächeln ein Gespräch anzufangen. Sie stand einfach nur ausdruckslos da. Still. Regungslos.
Nîn versuchte ihre wohl verdiente Ruhe zu bewahren, doch eine genervte Ader an ihrer Schläfe, ließ ihr linkes Auge ungeduldig zucken. Sie schloss die Augen, zog den letzten Riemen fest und atmete beruhigend ein und aus. "Wolltest du vielleicht gerade klopfen?"
Das Mädchen neigte den Kopf etwas beiseite. "Nein." Ihre Stimme besaß die helle Art eines Quieckenden beiklangs, wie ihn bei den Menschen nur Kinder besaßen, deren Körpergröße noch unter der von Nîn lag, weshalb sich die Zwergin in ihrem Verdacht bestätigt fühlte, es hier mit einer noch sehr jungen Elbin zu tun zu haben. Nîn atmete noch einmal ein und aus, diesmal etwas tiefer. "Schickt sich jemand?" Das Gesicht der Elbin blieb weiterhin ausdruckslos. "Nein."
Es war nicht so, dass das Mädchen eine unangenehme Stimme besaß, die sie automatisch unsympatisch erschienen ließ. Für Nîn hätte sie nur in einem deutlich besseren Licht dagestanden, wenn sie gar keine Stimme gehabt hätte und es deshalb eine Erklärung dafür gegeben hätte, das sie nicht in der Lage war, zu sagen, was sie hier vor ihrer Tür wollte.
Nîn schloss noch einmal die Augen und senkte, nach einem nicht mehr ganz so beherrschten einatmen die Stimme, um nicht laut zu werden, allerdings bekamen ihre Worte dadurch ein ungewollt drohenden Unterton, was durch die langsame Betonung jeder einzelnen Silbe womöglich noch etwas untermalt wurde. "Was willst du dann... vor meiner Tür...?!"
Das Mädchen schien sich für Nîns ansteigenden Agressionspegel nicht sonderlich zu interessieren. Sie guckte noch ein bisschen still vor sich hin, bevor sie für das Empfinden der Zwergin viel zu energiegeladen anfing, auf ihren Hacken hin und her zu wippen und sie dabei mit einem aufgeregt breiten Grinsen von unten herauf anzugaffen."Kommst du mit tanzen? Wir üben für das Erntefest morgen!"
Nîns Kinnlade klappte kaum merklich nach unten, doch zumindest überdeckte ihre Perplexität ihre Wut, sodass ihre innere Anspannung innerhalb von einem Blinzeln zurück ins bodenlose sank. Die Zwergin brauchte einen Moment um zu begreifen, dass diese Frage und die damit vberbundene Begeisterung nicht nur ernst sondern auch aufrichtig gemeint war. "Sehe ich so aus?"
Ihr Tonfall was so trocken, dass er in Bree ausgereicht hätte, um eine halbe Taverne zu räumen, doch hier musterte sie das Mädchen nur einmal von Kopf bis Fuß, um dann absolut ehrlich zu entgegenen: "Wenn du dich beeilst kannst du dich noch umziehen."
Die Zwergin sah an sich hinab und blinzelte einige Male das Mädchen an, als ihr eine Idee kam, wie dieses Gespräch wohl zu funktionieren hatte, damit es ihr nicht mehr ganz so dumm vorkam. "Ich hab dafür gerade keine Zeit, ich muss an einer wichtigen und geheimen Besprechung teilnehmen und bin schon spät dran." Sie schob das Mädchen beiseite und schloss die Tür hinter sich."Ab den Gedenkhallen kenne ich eine Abkürzung, kannst du mir sagen in welche Richtung ich den Abzweigungen hier folgen sollte, um am schnellsten dort anzukommen?" Das Mädchen hibbelte ganz aufgeregt auf der Stelle und gab Nîn mit Gesten und Worten eine Wegbeschreibung, die die Zwergin nur unter höchster Konzentration verstehen konnte. Als jedoch ihr nächster Satz anfing mit "Ich kann schon gut tanzen und muss nicht unbedingt hin, ich kann dir zeigen wo-", fiel sie ihr ins Wort. "Der Weg dauert mir zu lange, ich denke, ich werde einen anderen nehmen. Du siehst mir wie jemand aus, der in seinem Freundeskreis sehr wichtg ist." Das Mädchen lief rot an. "Wichtig genug, um sogar zu wissen, wen ich meine, wenn ich von Morwe spreche, den Hauptmann der Wache." Das Mädchen hielt den Atem an und nickte. "Hör mir zu, das ist jetzt ganz wichtig. Such ihn! Finde ihn und richte ihm eine Botschaft von mir aus, kriegst du das hin?" Das Mädchen schluckte aufgeregt und schien fast zu platzen vor Neugierde. Nîn konnte sich nur mühevoll das Rollen mit den Augen unterdrücken und schaute sich stattdessen verschwörerisch um. "Käse und Räucherschinken. Axt. Feuerholz. ...in Ordnung? Wichtige Botschaften überbringt man am besten so verschlüsselt, dass es niemand anderes versteht, deshalb ist es aber umso wichtiger, dass du es ihm persönlich und wirklich nur ihm überbringst. Hast du das verstanden? Dann lauf!" Das Mädchen nickte eifrig und machte auf dem Absatz kehrt, um über die Straße davon zu laufen. Nîn zögerte noch einen Moment, bevor sie sich auf dem Weg zu den Grabkammern machte.
'Ist das bei Aules Barte gerade eben etwa wirklich passiert oder lieg ich möglicherweise doch noch mit Wahnvorstellungen im Bett?'
Sie zuckte mit den Schultern und fing auf ihrem Weg wieder an, die Vögel zu betrachten.
'Schade, dass ich direkt alle Kräuter auf einmal für die Brote verwendet hab. Die letzten waren etwas fahl im Abgang, aber der Nachgeschmack ist gar nicht mal so schlecht. Ich sollte Vanye nach mehr davon fragen...'
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Lenz

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   So 22 Jun 2014, 11:38

Abermals ertappte Morwe sich dabei, wie sein Blick aus dem Fenster glitt und in die Ferne entschwand. Draußen wogten die Äste im Wind, es raschelte von trockenen Blättern, die bereit waren sich von ihren Zweigen zu trennen und in die Lüfte zu erheben. Himmel und Wald boten einen herrlichen Kontrast. Keine Wolke trübte das Blau und alle Wipfel erstrahlten in der Morgensonne in goldfeurigen Tönen. Von seinem Platz im Turmzimmer aus hatte Morwe freie Sicht über das umliegende Land, nur hier und da stachen ein paar Turmspitzen oder Dächer aus dem Laubmeer hervor.
Widerstrebend lenkte er seine Aufmerksamkeit zurück zu den Schriftstücken vor sich. Die neuen Rekruten waren bereits auf die anderen Wacheinheiten verteilt, die Anwärter Übungstruppen zugewiesen und die Patrouillen für den kommenden Mondenlauf aufgestellt. Allein der monatliche Abschlussbericht, welcher die Tätigkeiten der Wache dokumentierte, fehlte noch.
Morwe überflog, was er bereits geschrieben hatte und unterdrückte ein Seufzen. Wenn es eine Sache gab, welche er an seiner Stellung als Hauptmann verabscheute, dann war es Schreibtischarbeit... Wie hält Rínon es bloß aus den ganzen Tag vor seinen Pergamentrollen zu sitzen? Diese Frage hatte er sich gefühlt schon tausendmal gestellt. Sie kam ihm stets in den Sinn, wenn er wiedereinmal am Monatsende in seiner Amtsstube saß und die lästige Papierarbeit erledigen musste, welche er tunlichst aufgeschoben hatte, bis ihm die Zeit ausging.
Halbherzig huschten Morwes Augen über die Notizen, die er sich zu den Ereignissen während des Herbstfestes gemacht hatte. Ein Schmunzeln regte sich um seine Mundwinkel bei der - natürlich nicht namentlichen - Erwähnung seines Vetters Nárello, welcher von Harmar freundlich aber bestimmt vom Gelände entfernt worden war. Bisher hatte sein Cousin noch nicht versucht sich für den Vorfall, der dazu geführt hatte, zu revanchieren. Daran, dass er es versuchen würde, bestand jedoch für Morwe keinerlei Zweifel. Früher oder später würde Nárello versuchen die Zwergin für diese Demütigung büßen zu lassen.
Nachdenklich legte Morwe die Feder beiseite und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Die Holzdielen knarzten von der Bewegung. Vor seinem inneren Auge tauchte die Erinnerung an Nîn auf, wie er sie am See vorgefunden hatte. Für sie hatte das Fest einen weitaus weniger schönen Ausgang gehabt... Wie es ihr wohl jetzt gehen mochte? Nachdem er sie mit einem notdürftig improvisierten Floß ans Ufer transportiert und in ihre Unterkunft zurückgebracht hatte, hatte er die Zwergin der Fürsorge Vanyes überlassen. Morwes Gegenwart schien stets nur Begegnungen mit Teilen seiner Sippe zu provozieren, womit es für Nîn wohl das Beste war, wenn er fürs Erste etwas mehr Distanz zu ihr wahrte. Die Weisheit seines Herren in allen Ehren, Morwe begriff nicht, was dieser sich dabei gedacht hatte ausgerechnet ihn mit der Bewirtung eines solchen Gastes zu beauftragen...
Missmutig wanderten Morwes Augen zwischen dem staubigen Innern seiner Stube und dem prächtigen Herbsttag draußen hin und her. Klirren von Waffen drang vom Übungsplatz unten an seine Ohren und hin und wieder durchschnitten harsche Anweisungen und Tadel die Luft. Die Kargheit seiner Kammer legte sich schwer auf Morwes Gemüt. Sein Arbeitstisch erschien ihm im Schein der Herbstsonne umso älter, das Pergament fahl, die runden mit Plänen und Manuskripten beschlagenen Wände stumpf und die in ihren Ständern ausharrenden Waffen schartig.
Vielleicht täte ein kleiner Spaziergang mir gut..., doch bevor der Gedanke richtig Form annehmen konnte, erklangen Stimmen in den Räumlichkeiten unter ihm. Morwe hörte Serons verdutzte Stimme und eine leisere, dafür aber umso viel höhere zweite. Schließlich knarrte die Tür zum Treppenaufgang und Morwe wusste, dass Besuch im Anflug war. Rasch langte er nach dem Federkiel und beugte sich wieder über seine Arbeit. Er setzte eine schwer beschäftigte Miene auf und ließ sich einen Moment Zeit, um auf das Klopfen zu antworten, um den Eindruck beflissener Arbeitsamkeit zu unterstreichen.
Das, was er erblickte, als er den Kopf hob, ließ seine Maske jedoch einem verdatterten Ausdruck weichen. Serons unterdrücktes Grinsen, mit dem er die kleine Elbin in die Kammer geleitete, tat sein übriges.


Bin immer noch nicht richtig wieder drin, aber es ist ein holpriger Anfang... Ich dachte du setzt einmal kurz mit Seron ein, sonst wird das hier wieder so lang ^^ (oder du fügst noch einen kleinen Part mit Nîn hinzu, was sie währenddessen gerade treibt  Engel  )
btw ist mir aufgefallen, dass Nîn dem kleinen Blondschopf gar nicht gesagt hat, wo sie überhaupt hin will. Sie hat nur was von einem geheimen Treffen gesagt. Wie hat die Kleine ihr dann den Weg beschreiben können? Wink
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Moriko

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   Mo 30 Jun 2014, 08:04

Nîn hat gesagt, ab den Grabdingern da kennt sie eine Abkürzung dahin, sie müsste nur wissen, wie sie bis dahin kommt. Sie ist doch nicht blöd und sagt diesem nervigen Ding, wo sie zu finden ist, nachdem sie sie erfolgreich dazu gebracht hat, in die andere Richtung zu laufen.
Bin auch nicht so glücklich über das wieder rein kommen bei mir. Mit Seron ist die Welt ja noch alberner, als mit einer ausgeschlafenen und gesättigten Nîn.
Aber zumindest erfolgreich den nächsten Charakter ins kalte Wasser geschmissen. Erlöse ihn!


Ruhig und tief Durchatmen war eine Kunst, die trotz ihrer offensichtlichen Selbstverständlichkeit in vielerlei Lebenslagen größtmögliche Konzentrationen in Ansruch nahm.
Seron hatte seine Kiefer aufeinander gepresst, doch trotz allem huschte vereinzelt ein Zucken durch die Muskelpartien um seine Lippen. Kerzengerade und stramm, wie es sich laut Lehrbuch für einen Soldaten seines offiziellen Standes gehörte, stand er da, das Kinn leicht in die Höhe gereckt und mit den Augen einen freischwebenden Punkt schräg über Morwes Kopf fixiert.
"Hauptmann!..." Gerade, als er dachte, ausreichend Beherrschung aufgebracht zu haben, brach er wieder ab, um inne zu halten und ein paar Sekunden tief durch zu atmen. Morwe hatte den Kopf aus der Welt seiner Unterlagen leicht schräg erhoben. Seron konnte seinen Blick, mit dem er ihn von unten herauf anschaute spüren, wie tausende kleine Federn, die auf der Haut kitzelten.
"Eine ...äußerst wichtige, geheime Nachricht, die oberste Geheimhaltung und Vertraulichkeit voraussetzt ... soll euch von einem geheimen Boten unter Geheimhaltung zugetragen werden, mein Herr!" Seine Muskeln entspannten sich wieder etwas, doch stattdessen stieg die Furch in ihm auf, ob seine Beherrschung eine mögliche Antwort Morwes ertragen könnte.
Das Mädchen schien das erste Mal seit ihrer Begegnung mit ihm zufrieden zu sein und das Gefühl zu haben, ernst genug genommen zu werden, doch ihr nörgelnder Blick von der Seite half Seron nicht unbedingt dabei, diesen Eindruck aufrecht zu erhalten. "Du hast gelächelt, ich hab es ganz genau gesehen!" Dünne, feuchte Schweißperlen kühlten Serons Stirn, während sein Atem merklich schneller wurde, doch weder Schmerz noch Folter konnten seine Fassade durchbrechen. "Du musst gehen! Ich darf das nur Morwe sagen und nur ihm allein!" Sein Hauptmann schwieg weiterhin. Seron wagte es nicht, den Blick zu senken, doch er vermutete, dass Morwe möglicherweise überlegte, wie viel Röte wohl gesund für einen Elbenkopf sein mochte, während er ihn so schweigsam beobachtete.
"Negativ, ich muss schließlich kontrollieren, dass die Geheimhaltung gewahrt wird! Ich halte Sie jedoch dabei nicht davon ab, alleine mit unserem Hauptmann zu sprechen, seit dem gewiss." Sein Gesicht hatte sämtliche Formen von Beherrschung aufgegeben, die letzte Hoffnung, die ihm blieb, war, dass er zumindest von einem unausweichlichen Lachanfall noch lang genug verschont bliebe.
Der zarte Klang von Absätzen, die sanft über die morschen Dielenbretter glitten wie seine Fingerspitzen über seinen Nacken junger Damen, ließ Seron erneut alle Register ziehen. Ihre Anwesenheit bohrte sich gänzlich ohne ihr Zutun wie ein scharfer Stachel in seine Seele und der sanfte Klang ihrer Stimme brach durch jede seine Mauern. Lady Eleth war kein offizielles Mitglied des Wachtrupps, aber wohl die schlimmste und grausamste Waffe, die sich in ganz Imladris finden ließ. Vielleicht mit Ausnahme von Morwes allgegenwärtigen Vertreterin.
"Du hast unsere ehrenhafte Agentin ordentlich wie beauftragt zum Hauptmann gebracht, Seron?" Sie stützte sich schwer wie eine Feder mit dem Arm elegant an seiner Schulter ab. Der drohende Tonfall von überzeugender Ehrlichkeit war schlimmer als jeder Peitschenhieb. Ein heller Ton, der einem wimmern glich, entronn Serons Kehle zwischen seinen zusammengepressten Kiefern hindurch.
"Wundervoll, weißt du, ich find es schön, dass du einer so ernsten und wichtigen Aufgabe gewachsen bist. Nach deiner inkompetenten Arbeit auf dem gestrigen Fest, war ich ja beinahe davon überzeugt, dass es dich selbst überfordern würde, eine einzige ehrenvolle Tätigkeit heute auszuführen, aber es freut mich zu sehen, dass in dir mit ein bisschen Ehrgeiz und Vertrauen doch noch ein richtiger Soldat steckt." Ihre Stimme war kaum mehr als ein liebevolles Flüstern, aber Seron war, als würde sich die Welt vor seinen Augen mit jedem ihrer Worte schwärzer färben. Atmen war ein Luxus, den man in alltäglichen Lebenssituationen öfters einmal zu schätzen wissen sollte.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   Do 17 Jul 2014, 17:32

Vergib mir, dass es so lange gedauert hat...  Sorry  hab jetzt einfach mal drauflos geschrieben...

Langsam legte Morwe die Feder beiseite und rieb sich die Stirn. Er unterdrückte ein Seufzen. Bei Ulmo, war es denn nicht möglich, dass ihm die Valar auch nur für einen Tag eigentliches Behagen erlaubten? Weshalb musste auf einen Störenfried stets ein ganzes Rudel folgen? Und wieso wurde er das ungute Gefühl nicht los, dieser kleine „geheime Bote“ stand auf irgendeine unheilvolle Art mit der Zwergin in Verbindung? Wer sonst sollte ein Kind zu ihm entsenden? Vor allem, wenn es sich dabei um Bellethiel, Glandurs Tochter handelte...
Morwe tat, als hätte er Lady Eleths Worte, welche sie Seron zugeflüstert hatte, überhört und räusperte sich vernehmlich. „Habt Dank, dass ihr die Sicherheit unserer jungen Botin gewährleistet habt. Ihr beide dürft euch entfernen und weiter euren Pflichten nachgehen, während ich die Nachricht in Empfang nehmen werde.“
Obwohl er sich Mühe gegeben hatte, war es ihm nicht ganz gelungen die Ermüdung aus seiner Stimme fernzuhalten und seine Worte klangen trockener als beabsichtigt. Den immer noch hochroten Seron und seine Begleiterin ignorierend, nickte Morwe dem Mädchen aufmunternd zu und wies es an, an seinen Tisch heranzutreten.
Bellethiel schoss Seron einen giftigen triumphierenden Blick zu. Hohen Hauptes stolzierte sie zum Tisch, doch weder Lady Eleth noch Seron machten Anstalten sich zu entfernen.
„Habe ich mich missverständlich ausgedrückt?“, Morwe hob die Brauen, faltete seine Hände vor sich auf der Tischplatte zusammen und beugte sich leicht nach vorne den Angesprochenen entgegen.Eine Geste, die sie seinem Großvater ähnlich sah, wie Morwe kaum eine Sekunde später bemerkte. Ärgerlich biss er sich auf die Lippen. Da sieht man, was zu lange Schreibtischarbeit aus einem macht...
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   So 14 Sep 2014, 15:26

Seron wurde ernst und beugte sich zu Eleth hinüber, die sich ihrerseits nicht bemühte, ihre Augenbrauen im Zaum zu halten. Es war das gute Recht ihres Hauptmanns, sowohl Mitgliedern der Wachen als auch Zivilisten Anweisungen zu geben, doch Eleth gehörte zu jener unausgesprochenen dritten Gattung, die es gewohnt war, dass sich die Welt um sie herum für gewöhnlich höflich ihrem Willen beugte... und nicht anders herum.
"Ich glaube, wir sollten vor die Tür gehen, möglicherweise meint er es ernst." Seron senkte die Stimme und wandte den Blick nicht von Eleth Schläfe ab, die während ihrer ungedämpften Erwiderung allerdings keine Anstallten machte, diesen Blick zu erwiedern, sondern Morwe nur kalt analysierend und mit verschränkten Armen musterte. "Ich glaube eher, die Luft in diesem Turmzimmer bekommt ihm nicht gut, wie lange hat er sich jetzt schon hier drinnen verkrochen?" Seron schob sich unauffällig hinter Eleth und wagte es aus dieser geschützten Deckung immernoch flüsternd einen Blick zum Hauptmann zu werfen. "Womöglich hast du recht... Schau dir mal diese pochende Ader über seinem linken Auge an, vielleicht ist er ja krank... Harmar musste vor kurzem seinen medizinischen Lehrgang wiederholen, vielleicht sollte er sich ihn einmal angucken..." Trotz der schusssicheren Wand manifestiert durch die zierliche Gestallt von Lady Eleth zwischen sich und seinem Hauptmann, beschloss Serons Bauchgefühl, sich lieber einen weiteren Schritt aus der Gefahrenzone zu entfernen. "Schreibtischkoller! Eindeutig! Geh ihm lieber aus dem Weg, nachher kommt er noch auf die Idee, Alaíre Anweisungen zur Verbesserung der Führungsvertretung zu geben." Seron schluckte, als Eleth mit wenigen aber dafür sehr deutlich hörbaren Schritten an ihm vorbei und zur Tür hinaus stöckelte, was dazu führte, dass zwischen ihm und seinem Hauptmann nun ein überwindbares Blickfeld herrschte, welches dieser auch instinktiv ausnutzte. Er salutierte respektvoll und richtete nach feinster Ettikette seine Besserungswünsche aus, bevor er zwar steif, aber schneller als ein angeschossenerer Orkspäher das Weite suchte und die Tür von Außen schloss.
Die augenscheinliche Freiheit wurde jedoch jäh von ihm gerissen, als sich sein Verderben aus den Schatten neben ihm löste und ihn mit einem spitzen Finger zart aber bestimmend gegen die Wand drückte. "Muss ich dir erst beibringen, wie man es anstellt, seinen Platz zu bewahren? Es gibt Stimmen die munkeln, du seist Elûdin erneut auf die Füße getreten."
Die Augen des Elben funkelten böse. "Da er bis zu den Zehenspitzen in Elothlonds Allerheiligstem steckt, halte ich diese unmögliche Tatsache für ein äußerst anmaßendes Gerücht. Ganz zu schweigen davon, dass die munkelnden Stimmen vermutlich soeben das erste mal erklungen sind und dabei alle aus deinem liebreizenden Mund."
Mit einem Gesichtsausdruck, den nur Personen beherrschen, die ausschließlich Komplimente aus Äußerungen herausfiltern können, betrachtete Lady Eleth interessiert eine Kante an ihren unerwartet scharfen Fingernägeln und stöckelte einige Schritte vor dem Wachmann auf und ab.
"Ninuréd wäre sicher nicht erfreut zu hören, dass du dich in Schwierigkeiten bringst, die dein unbedeutendes Haupt in diesen Machtspielereien bei weitem übersteigen." Seron packte ihr Handgelenk und trat so nah an ihr Gesicht heran, dass sie nicht anders konnte, als ihm in die Augen zu schauen. Der düstere Tonfall in seiner Stimme war nur für wenige Ohren bestimmt und Eleth wusste das. "Lass meine Tante aus dem Spiel! Wessen Gewandsaum ich annässe ist bei allem Respekt meine ganz alleinige Angelegenheit!"
Die Elbin behielt ihr aufgesetztes Lächeln, doch ihre Augen konnten sich nicht vollständig entscheiden zwischen Provokanz und ernstgemeinter Sorge. "Sie ist in der Stadt, weißt du?" Seron ließ ihre Hand los, ohne seine dabei zu senken. "Sie hat nach dir gefragt." Lady Eleth ignorierte Serons Halsmuskeln, die gegen einen unsichtbaren Strick anzukämpfen schienen und wandte sich aus Höflichkeit stattdessen einem der roten Wandteppichen zu, in denen sie ein unscheinbares Loch nach eigenem Ermessen vergrößerte, während ihr Tonfall an eine lockeres Gespräch über das Wetter erinnernte. "Kein ernst zu nehmendes Interesse natürlich, aber Gründe sollten ihr wohl lieber keine geliefert werden... Ich hab ihr davon erzählt, dass du dich um ein höheres Amt bewirbst, das schien sie fürs erste besänftigt zu haben, zumindest hielt es ihre Enttäuschung in Grenzen. Ihren Wunsch, dass du sie auf dem nächsten Bankett als ihr persönlicher Wachdienst begleitest, damit du 'aus  diesem Loch hier heraus kommst' kann ich allerdings leider nicht überbringen, da ich ja nur selten mit der Wache korrespondiere. Eine Handlung, mit der du vielleicht einmal beginnen solltest, denn irgendwann kommt das Jahrhundert, in dem du es nicht mehr unbehellig an Morwe vorbeitragen kannst. - Mein Hauptmann, was für eine Freude, euch wieder außerhalb eures Schreibtisches zu sehen. Ihr macht doch gleich eine ganz andere Figur. Habt ihr abgenommen?"
Serons weiße Knöchel füllten sich reflexartig wieder mit Farbe, als Eleth ihn auf die Gesellschaft aufmerksam machte, die hinter ihm aus der Tür getreten war.


Zuletzt von Moriko am So 02 Nov 2014, 13:22 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   So 02 Nov 2014, 12:51

Ungeduldig pochten Ärger und Bitterkeit in Morwes Kehle, gierig sich endlich Luft verschaffen zu dürfen. Bellethiels Anwesenheit wog glücklicherweise schwer genug, um sie im Zaum zu halten, doch es schien nur eine Frage der Zeit bis irgendjemand Morwes angestaute Aggressionen zu spüren bekommen würde. Wobei das Los hoffentlich auf jemanden fiel, der es auch verdient hatte...
Statt etwas zu erwidern, schoss Morwe nur einen grimmigen Blick in Lady Eleths Richtung und schob sich von der kleinen Elbin gefolgt an Seron vorbei die Treppe hinunter. Er hörte noch, wie dieser ihm etwas nachrief. Das Rauschen in Morwes Ohren verschluckte jedoch alle Worte.
Wieso in Manwes Namen musste er das alles über sich ergehen lassen? Warum meinte sein Umfeld ständig auf seinen Nerven und seiner Würde herumtrampeln zu dürfen, wie es ihm beliebte? Nicht nur, dass ihn die Zwergin als ihren Laufburschen auserkoren zu haben schien, auch seine eigenen Wachleute nahmen ihn nicht ernst. Und das nicht erst seit gestern. Von seiner eigenen Sippe ganz zu schweigen. Aber mit mir kann man es ja machen...
Kaum einen Augenblick später stach es Morwe aus seinen eigenen Gedanken grell entgegen: Sie konnten es tun, weil er sie machen ließ.
Morwe hielt abrupt inne, obgleich ihn nur noch wenige Schritte vom ersehnten sonnigen Herbsttag trennten, der jenseits des Torbogens auf ihn wartete. Neben ihm zog ein großes Augenpaar in der Dunkelheit seine Aufmerksamkeit auf sich. Bellethiel starrte erwartungsvoll zu ihm hoch.
„Schau, ich muss doch noch einmal kurz zurück, um die Meinen mit einigen Anweisungen zu versehen. Du hast deine wichtige Aufgabe ehrenvoll erfüllt und dafür sollst du auch gebührend entlohnt werden. Ich werde sie dir in einigen Tagen zukommen lassen. Geh nun und sei so gut deinem Vater beste Grüße von Hauptmann Morwe zu entsenden, ja?“, es schmerzte ihn zu lächeln, auch wenn es so aufrichtig war, wie es ihm unter diesen Umständen gelingen konnte.
Die kleine Elbin strahlte noch etwas mehr. Sie verneigte sich überschwänglich und sauste davon.
Endlich.
Morwe eilte zurück, kam jedoch erneut plötzlich vor der Treppe zum Stehen. Einem Tier gleich, das an der Tür scharrend danach begehrte von seinem Herrn herausgelassen zu werden, kratzte der Zorn in seiner Brust. Er säuselte ihm in die Ohren: “Warum solltest du dir die Mühe machen und zu ihnen zurückgehen? Bist du etwa der Bittsteller vor ihnen? Warum solltest du es sein, der sich klein macht?“
Die Worte glitten wie Öl in Morwes Brust und heizten das Feuer aus Verbitterung noch weiter an. Ja... warum eigentlich?
Eine zweite Stimme meldete sich in seinem Hinterkopf. Zaghaft, doch mahnend vermittelte sie ihm die Warnung, dass irgendetwas hier nicht stimmte.
Bevor Morwe seine Gedanken überhaupt in ihre Richtung lenken konnte, hatte der Zorn sie schon wieder in die unerreichbaren Tiefen seines Geistes zurückgedrängt. Das nagende Unbehagen jedoch blieb.
“Worauf wartest du noch? Willst du ewig ein Zauderer sein?“, wisperte das Tier.
Morwe trat von einem Fuß auf den anderen. Er fühlte sich, als wären sein Geist und Körper jäh zum Schlachtplatz widerstreitender Mächte geworden. Wieso nur aber kamen ihm beide Kräfte so fremd vor?
Von oben her wehte Lady Eleths Lachen an seine Ohren. In den hellen Tönen lag ein Stachel aus Hochmut, der sich brennend in Morwes Eingeweide bohrte und in einem einzigen Augenblick einen Flächenbrand entfachte.
Eine gellende Stimme donnerte von den Turmwänden wider, bei der wohl selbst die furchtlosesten Männer der Wache zusammengezuckt wären. Erst einen Moment später gelang es Morwe zu realisieren: Dies war die Seine gewesen.
„SERON!! ANGETRETEN!!“

Problem?  =P
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   Fr 12 Dez 2014, 21:04

Ich hab mal in deinen Stammbaum eingegriffen und hoffe, ich hab keine wichtige Person gelaut.....
und überhaupt eine Frau.... im Nachhinein bin ich mir da nicht mehr so sicher....
aber da Seron kein Nachkomme ist, der in irgendwelchen Eintragungen Erwähnung finden sollte... wird es wohl nicht auffallen.
Gibt es bei Elben überhaupt Bastarde im Sinne von 'unehelichen Kindern' ... gibt es Ehen?


„Aber, aber nicht doch, mein guter Mann! Ich werde trotz meines Alters ja wohl noch selber dazu in der Lage sein, meinen Neffen zu mir zu rufen.“ Lady Eámanë hielt sich zwar gekünstelt ein Taschentuch vor die Nase, doch selbst das konnte ihren Ausdruck von Ekel nicht verdecken.
Sie ließ sich zu einer flüchtigen Geste mit ihrer Hand herab, mit dem sie einen kleinen Jungen mit demütigen Gesicht aus ihrem Schatten heraus die Treppen empor schickte. Der Junge verneigte unterwürfig vor ihr den Kopf bevor er davon eilte und erteilte auch Morwe diese flüchtige Ehre, wobei er kurz zögerte, als er eingeschüchtert seinen Blick streifte.
Sie strich angewidert mit einem Finger über die Schulter einer Rüstung, wonach nur ein hauchdünner Film aus natürlichem Staub und Dreck auf ihrer Fingerkuppe verblieb, jedoch genug, um sich mit einem Ausdruck von Übelkeit von ihrer eigenen Hand abzuwenden. Theatralisch wedelte sie sich mit dem Taschentuch etwas Luft zu und drückte es augenblicklich wieder gegen ihren Mund, als Morwe mit betont ruhiger Stimme versuchte die angemessene Begrüßungsfloskel herunter zu beten. „Meine Güte, erspar' uns den Atem!“, unterbrach sie ihn, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. „Dieses Loch hier ist ja nicht einmal eines Hundes würdig. Sobald mein Neffe hier erst einmal so einiges unter meiner Anleitung ändern wird, werden sich Eure Lebensgewohnheiten vielleicht auch wieder etwas bessern.“ Sie warf Morwe den verschwörerischen Blick zu, den nur Frauen zur Vollendung gebracht haben, deren Leben zu einem großen Teil von den Geschichten und Tratschereien in edlen Häusern erfüllt wird. „Mir kam zu Ohren, dass ihr neuerdings unerzogene Tiere im Auftrag Eures Herren Elrond hütet, um Euren Lohn etwas aufzubessern.“ Ihre Stimme verfiel in einen Tonfall, der dem monotonen Klang eines Soldaten ähnelte, der zum unzähligsten Male seinen Eid zitierte, ohne an mehr ein Wort davon zu glauben. Anders als Elothlond machten sich viele der Familienoberhäupter nicht einmal mehr die Mühe die gespielte Höflichkeit wirklich auch noch zu spielen. „Ihr wisst hoffentlich, dass Euch in Notlagen die Türe meines Hauses immer offen steht. Schließlich bieten wir sogar meinem missratenen Bastard von Neffen die Hilfe bei seiner späten, aber den Valar sei Dank nun endlich beginnenden Karriere an.“
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Lenz

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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   Mo 15 Dez 2014, 17:26

Kaum dass der Schreck Morwes Zorn ins Wanken gebracht hatte, versetzten  Lady Eámanës Worte letzteren sogleich wieder in volle Fahrt. Zähneknirschend rang Morwe um seine Beherrschung. Die ersten Worte, die seine Zunge kitzelten, schluckte er rasch wieder hinunter. Am liebsten hätte er Eámanë ins Gesicht geschrien, sie solle Orkmist fressen und von hier verschwinden, und dass er es vorziehen würde in Dreck und Staub zu verenden, als auch nur in Betracht zu ziehen sie um ‚Hilfe‘ zu bitten.
Stattdessen jedoch straffte Morwe die Schultern und erwiderte kühl: „Da Ihr es vorzieht auf Höflichkeiten zu verzichten, lasst es mich Euch gleichtun! Zum ersten: Ihr werdet tunlichst davon absehen noch einmal einen meiner mir anvertrauten Wachleute in meinem Beisein zu beleidigen, und zum zweiten: Ihr werdet Eure gepuderten Finger aus dieser Einheit fernhalten! Ich weiß nicht, welche Langeweile Euch plagen muss, dass Ihr meint, Ihr könntet Euch in Angelegenheiten der Sicherheit Bruchtals einmischen oder wer Euch diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, Seron würde Eurer Hilfe bedürfen!“
Morwe sah, wie sich Eámanës Augen verengten und ihre Wangenmuskeln zuckten. Er konnte förmlich durch das Taschentuch ihre bebenden Lippen erspähen. Doch ungeachtet des anschwellenden Steins in seiner Magengrube und der panischen Stimme in seinem Hinterkopf, gelang es ihm nicht seine Zunge im Zaum zu halten.
„Was haltet Ihr davon wieder zu Euren Teekränzen zurückzukehren und Eure Einfalt auf den Klatsch und Tratsch zu richten, für die sie gerade noch ausreicht?!“
Für einen Augenblick wurde es totenstill im Korridor. Allein der Wind rüttelte draußen an den Fensterläden.
Vor Morwes innerem Auge tauchte unwillkürlich das Bild seines geliebten Waldsees auf und der felsenfeste Entschluss sich noch heute darin zu ertränken. ...Gleich nachdem er seinem Großvater einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte, indem er erklärte, dass er in einem Anflug geistiger Umnachtung Haus Silmeráno quasi den Krieg erklärt hatte...


In den Bäumen rauschte es und zum Blätterrascheln mischte sich lautes Klingeln und Klirren, als die Metallzylinder des Windspiels ineinander wehten. Schatten tanzten über die verzierten Bodenplatten und über die Balustrade des Balkons. Aus den Wipfeln ergoss sich sonnenfarbenes Laub.
Elûdin verfolgte den Kurs eines Blattes, das schließlich auf dem Tisch vor ihm zu liegen kam. Er rieb sich die Augen. Im Kontrast zu dem herrlichen Herbsttag wirkten die Seiten des Buches vor ihm umso älter und verblichener. Die politischen Ränkespiele vergangener Zeiten, von denen es erzählte, verloren an Tiefe, an Bedeutung.
Mit einem Seufzen schlug Elûdin kurzerhand das Buch zu. Es hatte keinen Sinn hier zu sitzen und Konzentration zu erzwingen, die er nicht hatte. Damit vergeudete er nur wertvolle Zeit, die es anderweitig zu nutzen galt. So erhob er sich und verstaute die Lektüre in seiner Manteltasche. Gerade als er sich zum Gehen wenden wollte, ließ ihn ein Geräusch aufmerken.
In die Klänge des Waldes fügte sich rasch näher kommendes Rascheln. Kein Elb machte so viel Lärm und ein Tier war es nicht, denn dafür waren die Töne zu regelmäßig. Blieb also nur noch eine Möglichkeit...
Kaum dass die Quelle der Misslaute zwischen den Bäumen in Sicht kam, kräuselten sich Elûdins Lippen zu einem Lächeln. Natürlich, die Zwergin. Was auch sonst?
Die Augen gebannt auf sie geheftet, verfolgte er ihre raschen Schritten durch den Wald. Hier und dort blickte sie sich nach den Vögeln im Geäst um, doch ansonsten wirkte sie ausgesprochen zielstrebig. Der Weg, den sie an einer Kreuzung einschlug, machte Elûdin stutzig. Es war ein Pfad, der in die weniger besuchten Teile Imladris‘ führte. Dort gab es einige Denkmäler, aber sonst nur verlassene Hallen oder Grabkammern. Was wollte die Zwergin an solch einem Ort?
Von Neugierde und Misstrauen angestachelt, wollte Elûdin sich gerade über das Geländer schwingen, um ihr nachzusetzen, als ihn etwas anderes erneut abrupt innehalten ließ.
Eine zweite Gestalt löste sich aus dem Unterholz. Es war ein Elb, der Kleidung und Haartracht nach zu urteilen ein Dienstbote. Seine Bewegungen aber verrieten Anspannung und Heimlichkeit. Eine Nachricht oder dergleichen wollte er der Zwergin offensichtlich nicht überbringen...
Als dem Mann für einen Moment Sonnenlicht ins Gesicht fiel, erkannte Elûdin ihn. Was hast du hier zu suchen, Failon?
Elûdin presste die Lippen zusammen. Er wartete, bis der Verfolger der Zwergin ebenfalls die Kreuzung passiert hatte, kletterte dann den Balkon hinab und folgte den beiden durch das Unterholz.
Als seine Verwandten an diesem Morgen aufgebrochen waren, hatte er Failon an der Seite seines Herren Nárello fortreiten sehen. Dass der Diener nun wieder hier war und dann auch noch in einer auffällig unauffälligen Verkleidung konnte nichts gutes bedeuten. Zudem entsann Elûdin sich, wie Morwe ihn beim Fest angewiesen hatte die andere Seite ihrer Familie im Auge zu behalten. Vielleicht war Elronds Gast Nárello und den Seinen besonders unangenehm aufgefallen. Oder aber sie wussten um Morwes Verantwortung für die Zwergin und wollten seinem Ansehen damit Schaden zufügen, indem sie dem Gast etwas ‚zustoßen‘ ließen. Elûdin traute seinem Vetter und vor allem seiner Kusine im Prinzip alles zu.
Hinter einer breiten Buche versteckt, spähte er Failon nach, welcher der Zwergin lautlos hinterher schlich. Durch seine gebeugte Haltung spannten sich seine Kleider und die Umrisse eines versteckten Dolches zeichneten sich darauf ab.
So sehr Elûdin dieses rothaarige Geschöpf auch verabscheute, er würde zu verhindern wissen, was auch immer sein Vetter ihr zuleide tun wollte.

...Nîn hat auch nie mal Ruhe.... sorry...  Kopf + Wand
..ich hoffe die Verwandtschaft von Lady Eámanë ist von ihr genauso genervt wie Morwes Seite. Ansonsten hab ich ihm glaub ich keinen so großen Gefallen getan... ">__>
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   So 01 März 2015, 12:07

"Dein Gejammer kannst du dir ersparen! Ich habe noch eine Menge Aufgaben zu erledigen du kannst ihr gerne sagen, dass i- " Seron erstarrte sowohl im Wortlaut als auch in der Bewegung mit der er den Botenjungen mit dem Feingefühl eines ungeduldigen Worgreiters die Treppe hinunter führte.
Sein Fuß beendete die perplexe Pose und träge folgte der Rest seines Körpers der hoffnungslosen Erkenntnis der ausweglosen Realität.
Lady Eámanë ließ ihre Brauen unter der wulstigen Masse ihres Haares verschwinden und hüstelte. "Ich bin sicher, deine herzerwärmenden Grüße werden ihren Weg zu mir finden, mein Guter."
Seron suchte verzweifelt nach einem Ausweg aus dieser Situation, wohlwissen, dass er sicherlich die grandiose Vorstellung eines kleinen Hasen darbot, der von einem Rudel ausgehungerter Wölfe in die Ecke gedrängt worden war. Er stammelte einige Höflichkeitsfloskeln vor sich her, um Zeit zu gewinnen, doch die Wölfin vor ihm, setzte schon zum Sprung an.
"Nimm gefälligst Haltung an, Seron! Wie sollen bitte deine baldigen Untergebenen dich respektieren, wenn du so einen mickrigen Anblick bietest?!"
Seron wollte Morwe einen hilfesuchenden Blick zu werfen, doch seine Augen schienne wie erstarrt zu sein. Nie hatte er seine Familie an diesem Ort zur Sprache gebracht und das aus gutem Grund. Nur Lady Eleth hatte um seine Vergangenheit gewusst, sowie sie um alles wusste, was diesseits der Berge vor sich ging. Doch sie hatte den Respekt bewiesen, ihm selbst die Zeit zu lassen, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten... ,der sich allerdings seit jeher immer um einige Jahre verschoben hatte.
Er genoss das Leben hier, warum sollte er durch einen Blick in eine weniger angenehme Richtung einen Schatten darauf werfen.
Morwes Wissen um die Familienstämme der Elben reichte durch seine eigene Abzweigung ziemlich weit, doch was wäre, wenn er es als Vertrauensbruch ansah, dass er nie von ihm ein hilfesuchendes Gespräch erboten hatte. Seron wagte es mit jeder Sekunde weniger, Morwes Blick zu kreuzen, selbst wenn er es gekonnt hätte.
"Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass deine Spielereien ein Ende nehmen sollten. Du hast genug Erfahrungen gesammelt und Zeit verplempert. Durch deine lange Dienstzeit, wird es ein Leichtes sein, Elrond davon zu überzeugen, dich zum Hauptmann zu befördern, der aktuelle Inhaber dieses Postens, scheint ja eh in anderweitige Aktivitäten verstrickt zu sein."
Seron versuchte verzweifelt etwas zu erwidern, doch als er sich bewusst wurde, dass er bei diesen stummen Versuchen vermutlich wie ein Fisch auf dem trockenen Wirken musste, senkte er nur resignierend den Blick. Als Morwe etwas mit angestrengter Höflichkeit an seine Tante wenden wollte, hob sie nur den Finger und brachte ihn wie ein kleines Kind zum Schweigen, bevor sie sich noch ein letztes Mal an ihren Neffen wandte. "Ich erwarte deinen Bericht in drei Tagen, jungen Mann! Bis dahin sollte ich genügend Steine ins Rollen gebracht haben, um Elrond die Fakten dieser Entscheidung etwas angenehmer darzulegen...  Und nun entschuldige mich... In Bruchtal soll es seit neustem eine Kuriosität geben, die es wert sein soll, besichtigt zu werden. Ich möchte mir dieses Spektakel nicht entgehen lassen, bevor es womöglich zu spät ist. Sehenswürdigkeiten werden schließlich nicht von allen gerne gesehen. - Oh! Lady Vanye, schön euch wieder zu sehen! Ich bin in Eile, doch wir werden sicher bei dem Bankett übermorgen einige Zeit für einander finden."
Sie verschwand mit einer höflich angedeuteten Verbeugung zu der kleinen, verdutzt drein schauenden Elbin, ebenso wie sämtliches Gefühl in Serons Körper. Eine Leere, die nur gefüllt wurde von der Angst des Kommenden, breitete sich in jeder Pore seiner Haut und in jedem Winkel seines Kopfes aus. Er spürte wie Lady Eleth zögerlich die Wendeltreppe hinunter kam und mit Vanye eine knappe, aber herzliche Begrüßung austauschte, bevor sie zögerlich seinen Arm berührte. Morwe blieb noch einige Sekunden stehen. Ob er nur um Beherrschung rang, oder nach Worten für ihn suchte, unwissend ob tröstlich oder ob  wütend, konnte Seron nicht sagen, ohne den Kopf zu heben und ihm ins Gesicht zu schauen. Dann drehte er sich einfach um, und verschwand in einem der Räume. Es wäre Seron lieber gewesen, er hätte ihn angeschrien und zu sechs Monaten Drecksarbeit verurteilt, dann hätte er zumindest gewusst, was er darüber dachte, doch so, wusste er nicht einmal, was er selber denken sollte.
'Was soll ich nur tun?'
Vanye folgte Morwe wild fuchtelnd und gestikulierend, als wäre ihr endlich wieder eingefalllen, weshalb eine so edle Dame wie sie ihn an solch einem Ort besuchte, sodass Lady Eleth alleine mit ihm im Eingangsbereich verblieb.
Er wünschte - nein, er sehnte sich geradezu danach, dass sie ihm eine Aufgabe zuteilen würde. Dass er all ihre Haare neu flechten solle, oder ihre wohl gehüteten Nägel neu feilen sollte, all das wäre ihm absolut recht gewesen! Hauptsache, es gäbe etwas anderes in diesem Leben, auf das er seine Gedanken richten könnte. Doch sie stützte ihn einfach nur behutsam, jedoch mit einer nicht zu unterschätzenden Kraft, unterm Arm und setzte ihn in Bewegung.


Nîn strich zaghaft über den glatten Stein und spürte die zarte Berührung des Windes auf ihrem Arm, als hätte ihr jemand behutsam die Hand aufgelegt. Sie lächelte und legte die Glockenblumen, die sie unterwegs gesammelt hatte, liebevoll vor den Grabstein. Es gab so viel, was sie ihre Eltern fragen wollte und was sie ihnen erwählen wollte. Doch nun, wo sie vor ihnen stand, waren all diese Worte verschwunden und unauffindbar. Das Rascheln des Windes um sie herum flüsterte Ratschläge, die sie nicht verstehen konnte. Erzählte von Gefühlen und Wünschen, die sie sich nicht traute einzugestehen. Wie aus dem Nichts kam ihr ein altes Gedicht in den Sinn. Ein Singsang, den sie einst von ihrem Vater gehört hatte, als er dachte, sie würde schlafen. Es war in Kuzdhûl verfasst und dazu noch in einem Dialekt, der für Nîn schwer zu behalten war, doch es ging um Heimat und verlorenes Land, das vom Krieg verwüstet worden war. Hass und Intrigen hatten den Helden der Geschichte von seiner Familie entzweit, doch er widmete sein Leben, ihrer Suche und schwor bis in alle Ewigkeit bei ihnen zu sein. Sie setzte sich, während der Versuch, die Strophen zu zitieren von einem Murmeln zu einem leisen Gesang anschwoll. Das erste Mal, seit einer Zeit, die sie schon lange nicht mehr genau zu bestimmen vermochte, verspürte sie eine innere Harmonie und ein Gefühl von Frieden in sich. Womöglich mochte ihr voller Magen und das warme Gefühl der Kräuter ihre Wahrnehmung etwas verfälschen, aber in diesem einen kurzen Augenblick, fühlte sie sich auf eine fremde und unerklärliche Art ... zu Hause.
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   So 29 März 2015, 19:36

Es sollte verboten werden in dieser Sprache zu singen!
Elûdin hätte sich am liebsten die Finger in die Ohren gesteckt. Aber jede unnötige Bewegung brachte ihn in Gefahr von dem Mann, der sich unweit vor ihm hinter einer efeuumrankten Ulme verschanzt hatte, entdeckt zu werden.
Zähneknirschend richtete Elûdin seine Aufmerksamkeit auf den potenziellen Attentäter und überschüttete das rothaarige Geschöpf bei den Grabsteinen mit Flüchen, als es zu einer weiteren Strophe ansetzte. Bisher hatte Elûdin an den Zwergen zumindest ihre Geheimniskrämerei ob ihrer so genannten Sprache zu schätzen gewusst. Solange man sich in ihrer Nähe aufhielt oder sie sich in von Fremden bewohnten Gefilden, konnte man sicher sein keinen Ton von dieser Beleidigung an das Gehör erhaschen zu müssen. Doch offenbar war dieser Rotschopf nicht nur für Sitten und Bräuche anderer Völker unempfindlich, nein, er verstand es nicht einmal die ungeschriebenen Regeln seiner eigenen Rasse zu respektieren!
Elûdin verdrehte die Augen und wünschte sich sehnlichst vorübergehende Taubheit herbei, während er reglos hinter einem Felsen wartete. Der andere machte jedoch keinerlei Anstalten sich zu rühren. Entweder war Failon vor Schock erstarrt oder aber er hatte es nicht allzu eilig seine Pläne in die Tat umzusetzen. Dabei mochte die Situation kaum günstiger werden. Sie befanden sich an einem abgelegenen Ort, das Ziel war abgelenkt und stand mit dem Rücken zu ihm. Die Grabsteine und Stelen boten Sichtschutz vor möglichen Zeugen in der Ferne.
Mit gerunzelter Stirn maß Elûdin den Abstand zwischen Failons Versteck und dem Standort der Zwergin. Der Diener seines Vetters hätte sich leicht näher bei ihr positionieren können, als sie eben etwas auf das Grab niedergelegt hatte. Zweifel beschlichen Elûdin, ob er über Failons Absichten nicht zu eilige Schlüsse gezogen hatte.
Überhaupt, jetzt da er darüber nachdachte, erschien ihm die Aussicht eines Attentats auf einen Ehrengast Elronds mitten am helllichten Tage doch etwas... voreilig.
Elûdins Lippen verzogen sich zu einem verschämten Schmunzeln. Das kommt davon, wenn du dich zu oft unter Kleingeister und Schwärmer mischst: Ihre Einfältigkeit färbt auf dich ab und du merkst es nicht einmal...
Was hatte er sich vorgestellt, was passieren mochte? Selbst Nárello war nicht so dumm seinem Diener einen Mord zu befehligen. Jedenfalls nicht so übereilt und so offensichtlich.
Aber was wollte Failon dann von der Zwergin? Sollte er sie beschatten? Etwa, um sie bei etwas Verbotenem zu ertappen und dann bei der Wache anzeigen zu können? Bei der Wache, die nicht zum Einflussbereich seines Vetters und den Seinen gehörte und in der Morwe arbeitete und Elothlond seine Augen und Ohren untergebracht hatte. Aber sicher...
Eine Bewegung Failons ließ Elûdins Gedanken verstummen. Der Diener zog etwas aus einem Beutel an seinem Gürtel hervor, doch Elûdin vermochte nicht zu sagen, was es war. Das eine war klein genug, um in der Hand des Mannes zu verschwinden, das andere schien ein Röhrchen zu sein. Failon holte daraus etwas noch winzigeres hervor. Erst, als er die Hände vor sich hob und offensichtlich zielte, begriff Elûdin. Und er wusste intuitiv noch ehe seine Reaktion einsetzte, dass es bereits zu spät war.
Er mochte nach der Zwergin rufen und auf Failon zustürzen, aber das kaum mehr als nadelgroße Geschoss, welches nur Träger irgendeiner toxischen Substanz sein konnte, war schon von der Sehne zwischen den Fingern geschnellt.


..... die Idee ist bissel an den Haaren herbeigezogen...  Embarassed  sieht Sternchen  aber vllt wollte sich Nárello auch nur mäßig an ihr rächen und tatsächlich kriegt sie bestimmt nur ein paar Pusteln von dem Zeug... oder Juckreiz... oder Aids... oder es ist LSD.... wer weiß  Engel   Twisted Evil

PS Morwes Part kommt noch, dazu muss ich dich aber erst mit ein paar Fragen löchern =P  
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   Fr 22 Mai 2015, 21:57

Nîn ahnte den Stich in ihrem Nacken viel eher, als das sie ihn spürte, doch die Worte des hochnäsigen Elben schnitten klar und deutlich wie ein Messer durch ihren Brustkorb. Nicht noch einmal würde sie zulassen, dass er sie demütigen würde. Nicht hier. Nicht vor ihren Eltern!
Der Stein an ihrer Fußspitze schnellte nach oben in ihre Hand, bevor ihre Gedanken Herr über ihre Instinkte werden konnte. Diesmal würde sie ihm zuvor kommen. Er hielt sie für primitiv? Dann sollte sein Körper genau diese Einstellung von ihr zu spüren bekommen.
Den kurzen Augenblick, den sie dank des recht obskuren Anblicks hinter ihr zögerte, schien Elûdin sowohl Glück als auch Verhängnis zu sein. Nur einen Finger breit zischte das Geschoss an seinen starren und überheblichen Wangenknochen vorbei, doch seine Reflexe ließen ihn automatisch zurück weichen, was ihm einen unvorteilhaften Abstand zu dem flüchtenden Buschmann verschaffte.
Mit einem Fluch auf den Lippen waren beide verschwunden und ließen die verwirrte Zwergin alleine zurück. „Was im Namen von...?“
Sie legte den Kopf schief, wobei sich wieder der vermeidliche Insektenstich meldete, den sie kurz zuvor wahrgenommen hatte. Wie in Trance hob sie die Finger zu ihrem Nacken und eine Nadel hervor, die mehr ein zärtlicher Hauch als ein greifbares Geschoss war.  Ihr Hals blutete nicht an der Stelle, an der sie getroffen worden war. Vielmehr empfand sie an dieser Stelle eine merkwürdige Form von Hitze und Druck. Der Druck breitete sich zaghaft und feinfühlig über die linke Seite ihres Halses bis hoch zu ihrem Ohr aus. Doch nicht auf eine Weise, die Nîn für besorgniserregend empfand. Vielmehr erschien es mehr so, als hätte er sich an jeder Stelle ihres Körpers, an dem er sich befand bereits schon immer befunden. Es viel ihr schwer darüber nachzudenken, woher er stammte und was er bedeutete, weshalb sie beschloss die störenden Gedanken einfach unbeachtet vor sich hin fließen zu lassen.
Glücklicherweise gab es eine Sache, die ihr vollkommen klar erschien, ohne, dass sie ihre Gedanken dafür strapazieren musste.
Die Bauart der Elben erschien für Abkürzungen so viel zugänglicher zu sein, als die der Menschen in Bree. Dächer, Mauern und waldige Böden vermischten sich ineinander, sodass ihre Instinkte nicht allzu viel Mühe hatten, ihre Füße zu lenken. Sie fragte sich nur, warum das bisher noch niemand bemerkt hatte, der in solch einer Stadt lebte. Womöglich empfanden ihre empfindlichen Gemüter als anzüglich, Fremde Leute Dächer zu besteigen. Anscheinend schienen sie ja eine ausgeprägte Neigung zu irrationalem Verhalten zu haben. Oder aber sie waren schlichtweg in ihrer Dummheit verkümmert, während sie zu hohen geschmückten Rössern auf Paraden stolzierten.
Der Teil von Bruchteil, in den sie Nîns Füße trugen wirkte außerordentlich verlassen. Wildnis schien einen Teil etwas abseits für sich zurück erobern zu wollen, doch die Pflanzen bieteten noch genug Deckung und Sicht, um zu merken, dass sie ihren Angreifer nur knapp verpassen würde.
Sie schwang sich von einem Gebäude und landete zu ihrer großen Überrasxchung nicht ansatzweise so katzengleich auf ihren Füßen, wie sie es erwartet hätte. Der Druck aus ihrem Kopf legte sich bereits auf ihr linkes Auge, während ihr Arm und Brustkorb dieser Seite außergewöhnlich intensiv das Pochen ihres Herzschlages mitteilen wollten.
Ein nervenaufreibendes Pfeifen begann sich durch ihr Trommelfell zu ziehen und ließ sie straucheln. Zwischen den Büschen sah sie den eiligen Schatten des Buschmannes auf die Wegkreuzung vor sich zu eilen. Viel zu weit von ihr entfernt.
Flüchtig stahl sich ein Lächeln auf ihre Lippen, als ihr Blick beim aufrichten den Boden vor ihren Knien streifte. ‘Diese Spitzohren lassen einfach viel zu viele gute Steine am Wegesrand liegen...‘
Das Grinsen auf dem Gesicht des Buschmannes war trotz der vielen Schatten deutlich zu sehen. Elûdin hatte einiges an Entfernung eingebüßt. Anscheinend schien sich der hochnäsige Schwätzer nicht allzu oft in seiner Freizeit mit den Abkürzungen und unsichtbaren Schleichwegen seiner Umgebung auseinander zu setzen.
Hätte der Wurf nicht so einzigartig getroffen, hätte es Nîn in irgendeiner Ecke ihrer Seele sicher leid getan, das Grinsen so Wort wörtlich aus dem Gesicht des Elben gewischt zu sehen. Doch der Stein verfehlte seinen Sinn leider nicht und sorgte für ein sehr abruptes und offensichtlich unangenehmes Ende seiner Flucht. Sie versuchte sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen, in den sich der Druck in ihrem Kopf verwandelte. Auch versuchte sie sich ein paar passende Sprüche zurecht zu legen, die sie ihrem Opfer entgegen schleudern konnte, während sie sich über ihm aufbäumte. Doch die Realität schien es zu bevorzugen, sie halb auf Knien auf den stöhnenden Elben zu kriechen zu lassen, wo ihr ihre Überlebensinstinkte befahlen die kleine, bauchige Medizinflasche leer zu trinken, die er an einer Stelle seines Gürtels versteckt hatte, die nur allzu offensichtlich für Zwerge war, die selbst einige unaussprechliche Erfahrungen mit Giftattentaten hinter sich gebracht hatten. Mit einem Fluch, den Nîn noch nie in ihrem Leben gehört hatte, erwachte der Elb aus seinem kleinen Ausflug ins Reich der Träume und spuckte ihr einen Zahn entgegen. Ihr Kopf befahl zu reagieren, doch ihr Körper war noch nicht wieder schnell genug, um den Buschmann davon abzuhalten, sich auf sie zu werfen.
„Du dreckige Erdmade! Bald schon wirst du dir wünschen, niemals einen deiner verabscheuungswürdigen Füße auf dieses Land gesetzt zu haben.“
Nîn zwang sich mühsam zu einem Lächeln, während seine eine Hand ihr die Kehle zuschnürte und die andere nach seinem Messer fingerte. „Da kommst du wohl zu spät, tut mir ja leid, dich enttäuschen zu müssen. Nur eine kleine Bitte hätte ich dabei an dich... Nicht, dass ich dein wundervoll lückiges- äh..., lustiges- ach!... SCHÖNES Lächeln nicht bewundern würde, aber wenn du mich schon umbringst, könntest du das bitte mit geschlossenem Mund tun? Deine Hackfresse blutet mein Kleid voll und es war immerhin ein Gastgeschenk. Du willst doch meinen Kumpel Elrond nicht etwa beleidigen?!“ - „Du wagst es-...!!!“ Die Zörnesröte wich jäh aus seinem Gesicht, als sich eine silbern leuchtende Klinge an seinen Hals legte und sich eine Hand freundlich aber bestimmend um den Griff seines erhobenen Dolches legte.
„Lass sie los!“
Nîn versprach sich selbst dieses Ereignis für alle Ewigkeiten aus ihrem Gedächtnis zu verbannen, was sich angesichts ihrer Kopfschmerzen durchaus bewerkstelligen ließ. Sie hätte den Buschmann auch alleine überwältigen können. Es war nur ein unglücklicher Zufall, dass ihr keine kurzen Sätze einfielen, während sie aus den Augenwinkeln eine nicht misszudeutende Silhouette auf sie beide hatte zu stürmen sehen.
Aber soll sich doch dieser Elûdin die Lorbeeren für diesen Sieg einheimsen. Wirklich etwas zu leisten könnte seinem Charakter schließlich einmal ganz gut tun, anstelle immer nur Stiefel zu lecken und so zu tun als ob. Er könnte voller Stolz diesen minderbemittelten Vollidioten hier abführen  und sie würde ganz sicher versprechen hier auf ihn zu warten. ....
.... hier...
oder auf diesem hübschen Grundstück, dass sie von den Dächern aus am Stadtrand gesehen hatte....
Ein großes hübsches Haus, dass zwar teuer gewirkt hat, dessen Garten allerdings schon fast vollständig von der Natur zurück erobert war.
Da wäre das warten sicher viel sicherer als hier mitten auf dem Weg....
wo sie jemand unangenehmes nachher noch finden würde...
....jemand wie Elûdin....
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BeitragThema: Re: Marmorhallen - Teil 2 - Neue Wege   Mi 17 Jun 2015, 10:15

Abrupt hielt Morwe inne und hob die Hand, um Vanye Schweigen zu gebieten. Die Pfeiflaute in der Ferne wiederholten sich noch einmal und dann ein zweites Mal. Er kannte die Signalsprache seiner Sippe in und auswendig, weshalb es ihm nicht schwer fiel die Botschaft aus den unterschiedlich langen und kurzen Tönen herauszuhören. Für einen Uneingeweihten mochte es hingegen bloß nach einer lustigen Melodie klingen.
„So sehr ich es bedaure, aber du wirst unseren Gast alleine suchen müssen.“, wandte Morwe sich an Vanye.
Sie schürzte verhalten die Lippen.
Ihre reservierte Miene gab seinem ohnehin schon schlechten Gewissen zusätzlichen Auftrieb. Erst hatte er ihr nicht zugehört und sie stattdessen mit seinem Ärger ob Serons Geheimniskrämerei und unheilvoller Abstammung überschüttet und nun ließ er sie unverrichteter Dinge zurück. Aber die Seinen hatten Vorrang.
„Sobald ich es einrichten kann, werde ich dir wieder zur Seite stehen!“, rief Morwe Vanye im Davoneilen nach, vermied es aber sich noch einmal umzudrehen.
Hastig schlug er einen Pfad abseits der Wege ein. Zwar war er eigentlich im Dienst und Eile signalisierte Beflissenheit und Pflichtbewusstsein, doch hatte der Absender des Signals um Diskretion gebeten. Außerdem gelangte Morwe schneller zu den höher gelegenen Bereichen Imladris‘ herauf, wenn er direkt die bewaldeten steilen Hänge erklomm. Die geschlängelten Straßen kosteten nur wertvolle Zeit. Und diese hatte er nicht.
Zwei Wachen, ein Heiler,  Diskretion, hatte es geheißen. Keine gute Kombination.
Wie von alleine griffen Morwes Hände in die Ritzen zwischen den Felsen, während seine Füße zielsicher Halt auf dem moosbewachsenen Gestein fanden. In seinem Kopf hingegen jagten seine Gedanken einander.
Was auch immer geschehen sein mochte, konnte doch nur in Zusammenhang mit irgendetwas stehen, das sich auf dem Fest zugetragen hatte. Die Berichte der Spitzel von Morwes Sippe brachten einen ganzen Stapel an Aufzeichnungen zusammen, wer mit wem wann gesehen oder was aus wessen Munde wann an wen gerichtet worden war. Und dies nur über die Personen, welche oberste Priorität hatten! Über das Tun und Lassen all jener von niedrigerer Priorität und die sonstigen Vorkommnisse war Morwe bisher noch gar nicht informiert worden.
Doch so sehr er sich auch das Hirn nach einem Anhaltspunkt zermarterte, er kam zu keinem Schluss. Bei der aktuellen politischen Lage innerhalb des Hauses gab es keinen Anlass für ernsthafte Anschläge. Das Machtgefüge war zu stabil, als dass es sich durch Blutvergießen neu ordnen ließe. Und eine handfeste Fehde zwischen ihren Sippen gab es momentan auch nicht.
Es wäre eine zu rasche, emotionale Reaktion, jetzt unmittelbar nach den Festbarkeiten etwas zu wagen, bei denen nach Morwes Wissen sich eigentlich nichts ernstes zugetragen hatte... Außer vielleicht die Angelegenheit mit Nárello... Morwe rümpfte die Nase und verscheuchte den unliebsamen Gedanken an seinen Vetter sogleich wieder.
Endlich ging die Felswand geschmeidig in einen Hang über, der seinerseits nach und nach einem Meer aus Farn wich. Unter den mächtigen Nadelbäumen, die hier oben eisern den bunten Laubhölzern trotzten, war es trotz des Sonnenscheins dunkel. Sollte er sich zur Nordstraße hin halten oder doch weiter westlich? Das Signal war von Norden her gekommen, wo seine Sippe Lagerhallen und Werkstätten, aber auch einige ihre Wohn- oder Sommerhäuser hatten, soweit Morwes Richtungssinn ihn nicht getäuscht hatte. Er entschied sich weiter durch das Unterholz zu waten und eilte vorwärts. Vorbei an mächtigen Fichtenstämmen, deren Wurzeln den Boden in eine hügelige Landschaft verwandelt hatten, durch Spinnennetze und über Felsvorsprünge.
Abermals gellten Klänge durch die Luft. Sie waren nun nicht mehr allzu weit entfernt. Unweit konnte Morwe bereits wieder die grellen Blätterdächer von Buchen und Erlen ausmachen.
Verstärkung eingetroffen., damit hätte Morwe sich begnügen und den Rückweg einschlagen können. Wenn er nicht das Oberhaupt des Hauses wäre und sich früher oder später ohnehin mit dem Vorfall befassen musste. Außerdem konnte er sich eines gewissen Unbehagens nicht erwehren.
Rasch brachte Morwe das letzte Stück hinter sich. Er bog gerade noch rechtzeitig bei einem verlassenen Lagerhaus für Fässer um die Ecke, um zu sehen, wie ein Mann und eine Frau mit einen dritten Elben zwischen sich in den Schatten einer Felsspalte verschwanden. Einer Straße, die gemeinhin als unsicher galt und nur selten benutzt wurde.
„Ihr nehmt mir die Arbeit ab nach Euch zu suchen, Herr Hauptmann.“
Morwe warf Elûdin, der unweit des Pfades auf einer Wiese stand und seine Kleider richtete, einen grimmigen Blick zu. „Erspare mir deinen Spott.“, er schloss zu seinem Bruder auf. „Was ist hier geschehen?“
„Failon, seinerseits Diener unseres Vetters Nárello, der Imladris bei Tagesanbruch verlassen hat, hat den Ehrengast unseres Herrn Elrond angegriffen. Bisher kann ich nicht sagen mit welcher Absicht. Er stellte der Zwergin bis zu den Gräbern an der Oststraße nach, wo er sie mit einem Pfeil vergiftete. Letzteres habe ich durch mein verspätetes Eingreifen mitzuverschulden. Ich verfolgte den flüchtenden Attentäter bis hierher, wobei mir die Zwergin zuvorkam. Sie brachte ihn mit einem Steinwurf zu Fall, versuchte ihn aber in ihrer Überheblichkeit selbst zu stellen. Es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen ihnen, die ich schließlich beendete.“
Morwe ließ unwillkürlich den Kopf sinken und rieb sich die Augen. Die Zwergin... Ich hätte es wissen müssen! Obwohl es wahrlich nicht ihr Verschulden war, Ziel eines Attentats geworden zu sein. Sie hatte Nárello zwar dazu provoziert, ja, aber Morwe hatte es ihr schlecht verübeln können. Dennoch... Herr Elronds Ehrengast schien Ärger beinahe magisch anzuziehen...
„Wo ist Nîn jetzt und wie geht es ihr?“, stöhnte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Sie zog es vor zu gehen, während ich damit beschäftigt war den Gefangenen in Schach zu halten. Ich habe Dírion auf ihre Fährte angesetzt.“
„Dírion ist ein Heiler.“
„Ja.“
„Ein junger Heiler.“
„Was seine Fähigkeiten mitnichten schmälert.“, bemerkte Elûdin gleichmütig.
„Aber es ist nahezu das einzige worauf er sich versteht!“, blaffte Morwe seinen Bruder an, der seelenruhig seinen Blick erwiderte. „Er kann keine Fährten lesen!“
Falls Elûdin sich seiner Schuld bewusst war - und das war er! -, ließ er sich nichts davon anmerken. Er zuckte die Schultern. „Genau deshalb habe ich ihn nach der Zwergin ausgeschickt. Hätte ich es ihm überlassen sollen über Failon zu wachen bis Verstärkung eintrifft?“
„Du hättest einen der beiden ihm hinterher schicken können! Du hättest ihm selbst unverzüglich folgen können, als sie Failon in Gewahrsam genommen haben!“, fluchte Morwe wild gestikulierend.
Elûdin kniff die Brauen zusammen und setzte eine verwirrte Miene auf. „Aber da bist du doch gerade aufgetaucht. Hätte ich dich einfach so hier stehen lassen und meine Aufklärungspflicht vernachlässigen sollen?“
„El!! Du hättest-! Du hast-!“, entgegen seiner gewöhnlichen inneren Ausgeglichenheit, entwich eine Reihe höchst unmanierlicher Flüche seinem Mund und Morwe trat einen Stein zielsicher gegen den Kopf einer Statue, die unschuldig am Wegesrand stand. „Bei Eru, du hättest wahrlich mehr tun können, um sie zu retten! Allein schon um Herrn Elronds Willen!“
Ein kaum sichtbares Schmunzeln huschte um Elûdins Mundwinkel. „Dass du immer so pessimistisch sein musst. Ein Attentat mit einem tödlichen Gift so auffällig zu verüben wäre selbst für unseren Vetter zu stupide. Und wie schwer kann es sein eine Zwergin in Imladris zu finden?“
Ehe Morwe darauf antworten konnte, löste sich eine in weiß und silber gewandete Gestalt ungraziös aus dem Dickicht der Hecken am Rande der Wiese. Dírions Miene hellte sich auf, als er Morwe erblickte, sank jedoch noch im gleichen Atemzug in sich zusammen.
„Seid gegrüßt mein Herr.“, die weiche Stimme des jungen Mannes war von unverhohlener Schuld beschwert. „Verzeiht, doch die Zwergin, sie ist mir-... ich habe ihre Spur verloren.“
Morwe schoss Elûdin einen vernichtenden Blick zu. Sein Bruder tat, als hätte er nichts gesehen und wandte sich mit strenger Miene an den jungen Heiler.
„Erklärt euch genauer!“
„Soweit ich es zu erkennen vermochte führten ihre Schritte ins tiefe Unterholz nah bei der südlichen Felswand. Offenbar war es für sie ein Leichtes bei ihrer Körpergröße die Hecken dort zu durchqueren. Als ich endlich die Ausläufe der Berge erreichte, war von ihr nichts mehr zu sehen. Ich vermute sie ist dort in eine der Spalten zwischen den Steinen geschlüpft, welche den Kindern als Schleichweg ins Tal dienen.“, gab Dírion kleinlaut zu Bericht.
Morwe stöhnte. Für einen Moment zog er in Betracht Vanye auf die Fährte ihres Gastes anzusetzen. Bei ihrer Größe mochte sie noch durch die sandigen Pfade im Fels passen. Doch er verwarf den Gedanken rasch wieder.
„Elûdin, du eilst zu Uigons Haus und siehst nach, ob du seinen Sohn dort finden kannst. Ich will sichergehen, dass die Zwergin nicht vielleicht auf dem Weg hinab zusammengebrochen ist und dort festsitzt. Dírion, du kehrst zu deinen Pflichten zurück. Ich selbst werde im Tal nach unserem Gast suchen.“
Die beiden nickten, wenngleich sein Bruder dieses Mal keinen Hehl aus seinem Missfallen machte.
Während Morwe die Straße hinab eilte, beschloss er unten einen kurzen Halt bei seinem Haus zu machen und Umhang und Plattenrüstung gegen etwas einzutauschen, das ihm bei Streifzügen durch Wald und Gebüsch weniger behindern würde. Es lag immerhin direkt auf seinem Weg...

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