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Wir haben schon so viele Zusatzgeschichten und Informationen zusammen gesammelt und noch immer keinen Namen für die eigentliche Hauptgeschichte. . . so geht das doch nicht. . . müssen wir mal ändern. . .
 
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 002 - Sonnenlicht

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Moriko

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BeitragThema: 002 - Sonnenlicht   Mo 03 März 2014, 20:45



Kapitel 2: Sonnenlicht



Die Berührung des Elben hinterließ Spuren wie die von glühendem Eisen auf ihrer Haut. Sie wollte sich dagegen sträuben, aber dazu fehlte ihr die Kraft und die Möglichkeit, noch tiefer in dem Heu zu versinken. „I no Ú-tîr ...Renich i lú i erui govannem? Im i almellon lîn. Im thliw. Lavo nin ereb!“² Ihre Zunge war schwer wie Blei. Keine Worte wollten mehr über ihre Lippen kommen. Sie konzentrierte sich auf ihre Hand, um Morwe beiseite zu stoßen, doch ihre schwachen Finger erwischten nur zaghaft etwas anderes, was sich definitiv nicht elbisch anfühlte.
Es war warm und kräftig. Die Haut war rau, wie die eines Handwerkers oder Kriegers. Eine Haut die auch ohne Falten zu besitzen schon viel durchgemacht hatte. Möglicherweise eine Hand? Nîn spürte, wie beruhigend die Wärme ihre Handfläche durchströmte und wollte nur kurz die Augen auf machen, um zu erfahren, wer diese entspannende Person neben ihr war, als sie auch schon ihre Müdigkeit-

Die Zwergin schreckte innerlich hoch und öffnete die Augen. Vögel zwitscherten. Sonne schien durch die großen Fenster auf das Stroh, doch den Schatten nach zu urteilen, war die Mittagszeit bereits überschritten. Den Moment, in dem man sich daran zu erinnern vermochte, was einem im Schlaf so gequält hatte, dass das eigene Selbst sich dazu entschloss, aufzuwachen, übersprang die Zwergin gekonnt. Die Schatten ihrer Träume, waren keine, die sie im wachen Zustand weiterhin erleben wollte. Eine Person lehnte an einem Holzpfosten und beobachtete sie nachdenklich. War sie es womöglich gewesen, die sie aus dem Schlaf gerissen hatte? Die Zwergin brauchte einige Zeit der Besinnung, um sich an den Namen des Zwerges zu erinnern, der sie mit einer Spur Missmutigkeit musterte, doch da Thorin sich trotz ihrer offenen Augen nicht bewegte, schien er wohl nicht für ihr Erwachen verantwortlich zu sein. Etwas in seinem Blick stach tief in sie hinein, bis hin zu einem längst vergessenen Ort, wo ein zusammengeschrumpftes und schwer verwundetes Wesen mit Namen 'Trotz' schlummerte. Das leichte Zucken als einziges Lebenszeichen dieses ehemals so vertrauten Teils ihrer Selbst reichte jedoch aus, damit es die Zwergin schwerfällig schaffte, ihren Oberkörper aufzurichten. Thorin zog an einer Pfeife und ließ keine Deutung seiner Gedanken zu. Er schaute sie mit regloser Mine aus dunklen Augen heraus an, die die junge Zwergin auf missgünstige Art und Weise zu durchbohren schienen, doch ähnlich wie ein Kaninchen vor der Schlange schaffte Nîn es nicht, den Blickkontakt zu unterbrechen. Er entschloss sich schließlich dazu, sie wieder allein zu lassen, nachdem sie seinem Blick lang genug stand halten konnte und ließ Nîn alleine mit ihren Gedanken auf dem Lager zurück.
Vorsichtig betastete sie ihre Seite. Sie stutzte. Ihren Erinnerungen nach zu urteilen, hatte sie ein Loch erwartet, dort wo der Speer sie durchbohrt hatte, doch ihr Oberkörper schien trotz allem noch aus einem Stück zu bestehen. Neugierig wickelte sie die Verbände ab, die einen würzig, säuerlichen Geruch absonderten. Eine klebrige Substanz sorgte dafür, dass dieses Vorhaben kein leichtes Unterfangen wurde, doch zu ihrer Überraschung schien sie sogar nur zu einem geringen Teil aus Wundflüssigkeit und Blut zu bestehen. Bei der Betrachtung ihrer gut Verheilten Haut, begann sie sogar daran zu zweifeln, dass sich davon überhaupt Anteile in die Verbände gesogen hatte, schließlich hätte es keine offene Wunde gegeben, aus der sie hätten austreten können. 'Trotz allem stümperhafte Arbeit... Wahrscheinlich nur Hausmittel von irgendwelchen Hinterwäldlern! Schlecht verbunden...Der Verband kratzt... Keine Ahnung, was das für Kräuter sind, aber wenn die so heilen, wie sie riechen, werde ich hier wohl nie wegkommen.' Ohne ihre vorsichtig erwachende Wut bis an die Oberfläche vordringen zu lassen, wickelte sie ihre Verbände vollständig ab und begann die einzelnen Stellen etwas notdürftig mit dem Wasser aus der Schüssel neben sich abzuwaschen. Je mehr Verbandsmaterial neben ihr auf dem Boden landete, desto mehr Kleinigkeiten fand sie, an denen sie etwas zu bemängeln hatte.
Sie sah einige Verbände und Kräuter einige Meter von sich entfernt in einer Schüssel liegen, doch selbst, nachdem sie sich mit innerlichem Murren und Knurren und einigen Fehlversuchen aufgerichtet hatte und zu besagtem Ort hinüber gewankt war, fand sie unter den Kräutern nur wenig, von dem sie ihrer Meinung nach Gebrauch gemacht hätte. Sie atmete hörbar genervt durch die Nase aus und wickelte bemüht gekonnt die sauberen Verbände um die Stellen, die es ihrer Meinung nach noch nötig hatten.
Ein langes, blaues Hemd hing ordentlich über einem der Holzquerbalken über ihr. Es reichte ihr bis zu den Knien und war nicht sonderlich Figurbetont, doch das war ihr nur recht. Bei dem Elben hatte sie trotz aller Beschwerden in ihrem ganzen Leben kein solches Kleidungsstück in die Hände bekommen. Elrond und seine Bagage hatte wohl nie die Hoffnung aufgegeben, aus ihr doch noch irgendwann ein zartes Blümchen anstatt einer Kriegerin zu machen. Mühsam wankte Nîn von einem Holzpfeiler zum nächsten und schaffte es dabei nur wenig ihrer Umgebung um sich herum in sich aufzunehmen. Hauptsächlich lag ihre Aufmerksamkeit auf ihrem Gehör, das ihre Schritte Stück für Stück weg von den vereinzelt oder in Gruppen auftretenden Zwergenstimmen leitete. Sie kam allerdings nicht umhin, zu bemerken, dass wirklich alles in diesem Haus eine vollkommen unnatürliche Größe zu besitzen schien. Große Stühle und hohe Wände, war sie aus Bree und Bruchtal durchaus gewohnt, doch wenn sich das Mobiliar hier seinem Besitzer angepasst hatte, musste er die Zwergin um weit mehr als das doppelte überragen. Ihre Hand stieß auf ihrem Weg gegen ein Brot, das sie direkt als Wegzehrung mitnahm und was ihren Magen zumindest wieder ein Hauch von Leben einhauchte. Mehr instinktiv als bewusst, schaffte sie auch auf ihrem Weg durch den endlos erscheinenden Raum sämtliche anderen Utensilien zu vereinnahmen, die sie für eine ihrer Meinung nach hilfreiche Heilmethode benötigte. Der kühle Windhauch von frischer Luft, lotste ihre Schritte schließlich durch einen Türspalt nach draußen. Sonne blendete ihre Augen, doch der kurze Augenblick, indem sie das Wunder der Natur vor sich hatte betrachten können, reichte aus, um ihre vor Schwindelgefühl flatternden Nerven wieder zu beruhigen.
Es hatte viele Jahre gedauert, bis sie die Früchte der Natur unter den Elben zu schätzen gelernt hatte, doch mit der Zeit hatte sie einsehen müssen, dass Kräuter und Beeren nicht nur das nervige Gestrüpp waren, das sich regelmäßig in Umhängen verfing. Vielmehr boten sie mit dem richtigen Wissen alles, wofür andere Leute unzählbar viel Geld opferten. Auf ihrem Weg an der Hauswand entlang um die nächste Ecke machte ihr Herz ein zufriedenen Seufzer, als sie mit der Fußspitze aus Versehen einen Stein beiseite stieß und eine Ansammlung junger Pflanzen darunter entdeckte, die sich wie Unkraut zwischen den Blumen versteckten.

'Wenn der schwarze Atem weht,
Todesschatten dräuend weht,
Löschen alle Lichter aus,
Athelas, komm du ins Haus,
Durch Königshand zu geben,
Sterbenden das Leben!

...versteh einer, warum man dich selbst unter dem Namen Königskraut heute fast nur noch an Schweine verfüttert...'

Kaum war sie in die Hocke gegangen, um vorsichtig einige Blätter der jungen Sprösslinge abzutrennen, fiel ihr Blick auf noch mehr vertraute und liebgewonnene Pflanzengruppen.
Durch ein Fenster hinter ihr drang Stimmengewirr und das Klirren von Geschirr. Offenbar war die Zeit für eine gemeinsame Mahlzeit gekommen, doch solch weltlichen Gelüste wie Essen oder Trinken interessierten in diesem Moment mit einem Schlag für Nîn nicht mehr.
Sie bereitete alles notwendige vor, während sich die Anzahl der Stimmen durch das offenen Fenster erhöhte und auch der energische Geräuschpegel dabei zunahm und ließ sich dann erschöpft auf der Bank nieder, die schräg unter dem Fenster an der Hauswand stand. Die Düfte von Athelas, Pfeifenkraut und einiger ihrer Lieblingskräuter dampften erst zaghaft dann tanzend wie ein Blütenblatt im Wind empor und vermischten sich nach und nach zu einer vertrauten Einheit, die all ihre Gliedmaßen in wohlige Entspannung hüllte.
Ihr war, als würden ihre Leinenverbände sich mit dem belebenden Saft der Kräuter vermischen und sie fortreißen in eine schmerzfreie Welt, in der ihr Geist die Möglichkeit bekam, sich zaghaft aus der Finsternis zu wagen, um in der Schönheit des Gartens vor ihr einen Bruchteil zersplitterter Hoffnung wieder zu entdecken.


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²(sindarin)
„I no Ú-tîr.“ - Das ist nicht richtig.
„Renich i lú i erui govannem?“ - Erinnerst du dich an die Zeit, wo wir uns das erste mal trafen?
„Im i almellon lîn“ - Ich bin nicht dein Freund.
„Im thliw“ - Ich bin eine Krankheit.
„Lavo nin ereb!“ - Lass mich allein!


Wir brauchen einen Smiley, der total High ist xD Sie sollte sich zwar nur entspannen, aber irgendwie ^^' *hüstel*
Der Streit wird diesmal sicherlich beigelegt, wenn die Dämpfe erst mal durch das Fenster ziehen.
Aber bitte nimm dir kein Beispiel an Nîn... die extreme Wirkung liegt sicher an ihrem Zustand!
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Lenz

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BeitragThema: Re: 002 - Sonnenlicht   So 09 März 2014, 10:00

Entnervt presste Morwe seine Lider zusammen, doch er wusste, es war aussichtslos. Mit jedem Zwerg mehr, der die Stube betrat, schwoll der Geräuschpegel um das doppelte an. Für einen Moment überlegte er sich Heu in die Ohren zu stopfen. Dies würde zumindest sein Bedürfnis nach Ruhe decken, aber es dürfte nicht minder unmöglich sein, sich damit zu entspannen.
‚Er solle sich noch etwas hinlegen und ausruhen‘ hatte Oin gesagt. Morwe schnaubte. Gewiss, jemand, der eines Hörrohrs bedurfte, mochte sich bei diesem Lärm schlafen legen können. Vermutlich war es bei dieser marodierenden Horde nur eine Frage der Zeit, bis Morwe sich selbst eines zulegen musste.
So kämpfte er sich schließlich zerknirscht auf die Beine und verließ seine Lagerstätte. Als er dabei Nîns Schlafbereich passierte, stieß er mit dem Fuß gegen einen federleichten länglichen Gegenstand. Seine Finger erkannten anhand der Löcher und feinen Verzierungen sogleich, dass es die Flöte der Zwergin war. Morwe steckte sie in seinen Gürtel, damit er sie Nîn wiedergeben konnte, wenn er sie sah. Er wusste wie sehr ihr Herz an ihrem Instrument hing, obgleich es keinen besonderen materiellen Wert besaß, und hier im Heu würde es am Ende nur auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
„He, Oin! Dein Patient nimmt Reißaus!“, erklang es vom Essbereich her, gerade da Morwes Hand sich um die Türklinke gelegt hatte. Er schoss dem Zwerg mit der breitkrempigen Mütze einen finsteren Blick zu, welcher jedoch nur grinste und einen tiefen Zug aus seiner Pfeife nahm.
Oin kam mit den Armen voller Teller um die Ecke gewatschelt. „Das Bett ist da hinten, falls du dich verlaufen hast. Oder willst du was mitessen?“
„Nein, ich...brauche nur etwas frische Luft.“, versuchte Morwe sich aus der Affäre zu ziehen.
„...Du suchst deine Kluft?“
„Nein! Er sagt, er braucht frische Luft! Meine Güte...“, brüllte der Zwerg mit den sternförmigen Haaren dem stirnrunzelnden Oin ins Ohr.
„...Oh. ...Mhm.. Ja, ja, ist schon gut.“, brummelte der alte Heiler. „Aber kein Herumgeturne auf irgendwelchen Bäumen!“
Morwes Mund öffnete sich, aber er war zu brüskiert, um etwas erwidern zu können. Kopfschüttelnd verschwand er nach draußen.
Die ersten Sonnenstrahlen, die seine Haut kitzelten, genügten schon seinen Zorn schwinden zu lassen. Wie vom Wind zerstoben und in alle Himmelsrichtungen verweht, machte Ärger wohliger Wärme in Morwes Brust platz. Obwohl selbst das Rauschen in den Zweigen mit dem Gepolter, das durch Tür und die geöffneten Fenster drang, konkurrieren musste, behielt es aber die Oberhand. Für eine Weile trugen Morwes Füße ihn hier und dort durch den lieblichen Garten. Vorbei an Hecken, Bienenstöcken und wohl umsorgten Beeten. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass er in einem weiten Bogen das Haus umrundete, bis ein Geruch in Morwes Nase stieg, der ihn aufblicken ließ.
Würzig kribbelte die Mischung unterschiedlichster Kräuternoten durch seine Nase bis in seinen Rachen. Er konnte sie förmlich schmecken. Doch so schnell der Duft zu ihm gelangt war, so rasch hatte ihn die nächste Brise wieder hinfort getragen.
Unwillkürlich kam Morwe die Zwergin in den Sinn. Wohin mochte Nîn verschwunden sein und was trieb sie hier draußen die ganze Zeit über? Er hatte eigentlich gedacht, sie würde einfach ihre Ruhe haben wollen. Jener Kräuterdunst hingegen ließ noch etwas anderes vermuten...
Tatsächlich fand er Nîn, indem er den Duftfetzen in der Luft folgte. Unmittelbar an der Hauswand saß sie auf einer Bank, an die Wand gelehnt, mit Augen, die sich weit in der Ferne verloren. Sie selbst schien das Zentrum des Kräutergeruchs zu sein und als Morwe etwas genauer hinschaute, konnte er ein paar dunkle Stellen auf ihrem ansonsten reinlichen Hemd ausmachen. Das sieht ihr ähnlich..., seine Lippen kräuselten sich.
Da sie auf seine Anwesenheit nicht im mindesten reagierte, setzte er sich kurzerhand neben sie und ließ sich ebenfalls von der Sonne wärmen.
Er zückte ihre Flöte. „Ich fand sie in der Nähe deines Bettes im Heu. Bevor sie dort verloren geht, dachte ich, gebe ich sie dir lieber persönlich wieder.“
Morwe legte das Instrument zwischen sie beide auf die Bank, zumal Nîn weiterhin reglos blieb.
Aus dem Fenster über ihnen drangen Geräusche eines gerade in Fahrt kommenden Streits. Offenbar war auf mysteriöse Art ein Teil des ‚guten‘ Bestecks verschwunden und jemand namens ‚Nori‘ wurde von einer grollend dröhnenden Stimme lauthals dafür beschuldigt.
„Es geht wahrlich nichts über Ruhe und gute Gesellschaft...“, seufzte Morwe und faltete die Hände über dem Bauch zusammen. Da Nîn kein Interesse an Konversation zu haben schien, vertiefte er sich in den Anblick des wundervollen wilden Gartens und des Bergpanoramas im Hintergrund.
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Moriko

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BeitragThema: Re: 002 - Sonnenlicht   Fr 28 März 2014, 14:08

Filis Kopf sackte noch ein Stück weiter in Richtung des Tisches. Es wäre kaum nötig gewesen, denn der Bierhumpen vor ihm bot genug Deckung, um mindestens zwei von ihm hinter sich zu verbergen, doch ein irrationaler Wunsch in ihm, hatte noch die Hoffnung, einfach von diesem Ort verschwinden zu können.
Alle Anwesenden besaßen einen gehörigen Respekt vor Beorn und wagten es nicht, ihre Stimmen zu heben, während er im Hause war. Nur war das augenblicklich nur mal wieder nicht der Fall und nicht einmal Gandalf war zugegen, um den Streitigkeiten etwas Einhalt zu gebieten. Seine Kopfschmerzen hatten sich im Großen und Ganzen wieder gebessert, nur in Momenten wie diesen hämmerten sie wieder mit aller Kraft auf ihn ein, wie ein alter Bekannter, der ihm seine tägliche Aufwartung machen wollte.
Aus dem Fenster über ihm kam von Zeit zu Zeit ein angenehm kühler Lufthauch herein, der den beruhigenden Geruch des Gartens mit sich herein brachte. Hilfesuchend klammerte er sich an ihn, als wäre es der Einzige Ausgang aus einer einstürzenden Höhle.
Es gab mittlerweile nicht einmal mehr Gründe für einen Streit. Der ursprüngliche Auslöser, dass Dwalin den mürrisch Kommentar hatte fallen lassen, dass Nori etwas von dem Besteck eingesteckt hatte, war längst geklärt und auch das Besteck wieder aufgetaucht. Wenn man jemandes Fremdes hätte erklären müssen, was der Grund für die aktuelle Diskussion wäre, könnte man wohl bestenfalls zu dem Schluss kommen, dass sich darüber gestritten wurde, dass sie sich in der letzten Zeit so viel streiten.
Fili schloss die Augen, um diesen Tisch zu entkommen und sog tief den Geruch des Gartens durch die Nase ein, als ein sanfter Luftzug den zarten Duft von draußen herein brachte.
Da war etwas neues, fremdes und doch vertrautes. Ein Stück ferner Heimat gespickt mit Zuversicht und Träumen. Er lehnte sich zurück und sein Körper entspannte sich automatisch. All die angespannten Muskeln, die er zuvor nicht wahrgenommen hatte. Seine Kiefermuskulatur lockerte sich und ein ungeheuerlicher Druck fiel von ihm ab. Auch die Kopfschmerzen wurden mit zunehmender Entspannung weniger und die Streitigkeiten erträglicher. Es war, als würde er alles mit einem Mal von einer ganz losgelösten Position aus betrachten. Die Wolke aus würzig, süßer Wonne verwandelte sich in seinem Brustkorb in Wärme und umschlang sein Herz.
Er merkte erst, dass er angefangen hatte zu lachen, als alle Stimmen um ihn herum verstummt waren. Etwas peinlich berührt öffnete er wieder die Augen und sah in die besorgten, verwirrten und alarmierten Gesichter, die ihm zugewandt waren und dessen Eigentümer in ihrer aktuellen Bewegung erstarrt waren. Dwalin hatte Nori am Kragen gepackt, der deshalb etwas ungelenk in der Luft hing, während Balin versuchte, seinen Bruder zu beschwichtigen und Bofur war offenbar kurz davor gewesen, etwas zu werfen. Sein Bruder schaute ihn besorgt an, als würde er befürchten, seine Schmerzen hätten ihn in den Wahnsinn getrieben und Fili empfand, als würde er den Anwesenden eine Erklärung schulden, nur wusste er selbst nicht, was für den schwindenden Moment lang in ihn gefahren war. Sein Blick wanderte von seinem Bruder zu Bofur und Thorin. Ein Lächeln blieb auf seinen Lippen zurück und die unbekannte Wärme in seinen inneren blieb, auch wenn die Wolke des Geruchs sich wieder verflüchtigt hatte. Das fordernde Schweigen um ihn herum hielt an.
„Wir haben manchmal sehr merkwürdige Arten uns umeinander zu sorgen, kann das sein? Seit wir aus Hobbingen aufgebrochen sind, mussten wir jeden Tag mit dem schlimmsten rechnen. Kein warmes Bett, keine Sicherheit, dass abends eine Mahlzeit auf uns wartet. Wir hatten nur uns... Dann wurden wir getrennt und so wahr Mahal mein Zeuge ist, es gab keinen Moment, in dem ich nicht an euch alle gedacht habe. Aber jeder von uns hat sich ohne zu zögern in die größte Gefahr gestürzt, um einander wieder zu finden. Ohne auch nur den Hauch von Zweifel zuzulassen, dass wir uns auf der anderen Seite des Berges nicht wieder finden würden.
Und jetzt, wo wirklich wieder alle vollzählig sind?“ Peinlich berührte Blicke wurden am Tisch untereinander getauscht und die eingefrorenen Kampfhandlungen wieder verstohlen eingestellt.
„Eine Horde Orks ist uns seit einiger Zeit auf den Fersen, doch wir waren stets schneller als sie, besser als sie und unser unerschütterlicher Zusammenhalt macht uns zu etwas, was sie sicher das Fürchten gelernt hat, sonst hätten sie bereits viel aggressiver zugeschlagen! Jetzt sind wir hier und haben Essen, einen trockenen Platz zum schlafen und Zeit um zu neuen Kräften zu kommen und was machen wir, anstatt uns wie sonst umeinander zu kümmern?“ Fili schüttelte den Kopf und ließ sich wieder zurücksinken, bis er sich mit dem Rücken an die Wand hinter sich lehnen konnte. Er grinste und hob die Brauen. „Schön, dass es wieder allen so gut geht, dass wir uns sogar gegenseitig wieder die Köpfe einschlagen können und wir so wenig Sorgen haben, dass wir uns sogar wegen Löffeln streiten.“ Ein Gemurmel setzte ein, bis Thorin schließlich geräuschvoll den Krug von sich wegschob. Er sah jeden von ihnen durchdringend an, wobei sein Blick am Anfang und am Ende ziemlich lange auf seinem Neffen hängen blieb.
„Genug mit den Streitigkeiten! Wir sollten dankbar sein, dass Mahal eine so schützende Hand über unsere Reise gelegt hat. Bofur, wie geht es deinem Arm?“ Ertappt, versuchte Bofur für einen Moment den Blicken auszuweichen, doch dann setzte er wieder sein von Fili lang vermisstest Lächeln auf. „Mach dir keine Hoffnungen, mein Lieber! Wenn ich Smaug an einer Leine spazieren führen werde, werd' ich wohl zur Sicherheit auch noch mit der anderen Hand zupacken, aber meinen Eintopf werdet ihr bis zum Berg wohl noch weiterhin essen müssen.“ Thorin nickte ihm lächelnd zu und wandt sich nach und nach dem Rest der Gruppe zu um sich nach ihrem Zustand zu erkundigen.
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