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 022 - Wiedersehen

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Moriko

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BeitragThema: 022 - Wiedersehen   Do 09 Jan 2014, 21:54



Kapitel 22: Wiedersehen


Ein unerträglich hohes Pfeifen in ihrem rechten Ohr, ließ Nîn mit dem Kopf hoch zucken. Kaum hatte sie die Augen geöffnet, war es verschwunden, hatte aber dafür mit reger Verwirrung den Platz getauscht.War sie eingeschlafen?
Sie verspürte keine Müdigkeit, sondern fühlte sich so, als wäre sie schon seit einem halben Tag wach. Dafür spürte sie jedoch die Schmerzen wieder in ihrem Körper. Jeder Muskel schien in Flammen zu stehen, doch sie lebte. Die Zwergin kniff schnell wieder die Augen zusammen, als ein schriller Schmerz in ihrem Kopf ihr fast die Sicht raubte. Das war neu. Vermutlich eine Nebenwirkung von dem Trank, den ihr einer von Melkors Dienern eingeflößt hatte. Ein fahler Geschmack auf ihrer Zunge war von ihm zurück geblieben und bei jedem Atemzug war es ihr, als würde sie den Geruch inhalieren. Ein Schatten hüllte sie ein, während sie fahrig mit den Fingern nach ihrer Seite tastete, wo sich noch vor wenigen Momenten ein scharfer Speer seinen Weg gebahnt hatte. Ein Gefühl, dass einen angewiderten Schauer über ihren Rücken jagte, ließ sie schnell wieder ihr Hemd über die Stelle ziehen. Etwas feuchtes, matschiges überzog die Stelle, an der sich ein Loch hätte befinden müssen. Es war elastisch, aber stabil, doch wirkte es irgendwie unfertig und empfindsam. Nîn versuchte ein Würgen zu unterdrücken. Bei Magie und Heilkünsten sollte man besser nicht allzu viele Fragen stellen, wenn man sein Mittagessen an Ort und Stelle behalten wollte.
Um ihre Gedanken auf etwas anderes zu lenken, huschten ihre Augen unstet durch den Raum um die Situation einschätzen zu können, in der sie sich befand, was bei den starken Kopfschmerzen und den Schlieren vor ihren Augen nicht unbedingt einfach war. Ein sehr kleiner Mann mit großen, haarigen Füßen wanderte wild diskutierend von einer Stelle einer Felswand zur nächsten. Hin und wieder klopfte er, oder versuchte zu lauschen, was dann jedoch von Stimmen behindert wurde, die Nîn wage als die der drei Zwerge einordnete.
„Wie ist dein Name?“ Der Schatten sprach!
Nîn zuckte erschrocken zusammen und hob ihren Blick. Ein Paar durchdringender Augen fixierte sie entspannt und gelassen, jedoch mit einem wortlosen Nachdruck, der keine verzögerte Antwort duldete. „Nîn..?“ Die Zwergin begann sich über sich selbst zu wundern. Welcher Balrog hatte sich in ihren Kopf geschlichen, um so einer Forderung von einem Fremden einfach kampflos nachzugeben? Die Ausstrahlung dieses Mannes ließ sich schwer beschreiben, doch Nîn fühlte sich unwohl in seiner Gegenwart. Sie hatte etwas forderndes und erhabenes an sich, dass der Zwergin gänzlich unbekannt in ihrem Leben war.
Der Zwerg lächelte. „Nun … 'Nîn' … in wessen Auftrag hast du dich an meine Gefährten gehangen? Wurdest du geschickt?“ Diese Aussage überforderte die junge Zwergin so sehr, dass sie beschloss es auch einfach mit lächeln zu probieren. Erst später fiel ihr auf, dass sein Lächeln kalt und ernst war und weniger freundlich wie das von Bofur. Die Geräusche um sie herum wurden von Zeit zu Zeit dumpfer und dann wieder klarer, was ihren Magen den Rest zu geben schien, doch sie versuchte ruhig weiter zu atmen. Ihr Lächeln erstarb wieder. „Was ich tue, entscheide ich alleine...  Ich hab sie gefunden, als sie von einer Überzahl Orks niedergeschlagen wurden. Das sind Erfahrungen, die ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind wünschen würde.“ Sie spürte ein Ziehen in der Brust, als die Augen des Zwergs kurz an der Narbe hängen blieben, die sich quer über ihr linkes Auge zog. „Außerdem brauchten sie jemanden, der sie wieder zusammenflickt. Die wollten mehr tot als lebendig ohne Fährtensucher quer durch den Wald.“ Der Rebell in Nîns Brustkorb gab ein jammerndes Quieken von sich, doch die Zwergin hatte keine Lust mehr auf Spielchen, Geheimnisse oder Misstrauen. Sie wollte nur wieder die Augen zumachen dürfen, damit die Schmerzen verschwanden und die Welt endlich wieder still stand. Sie wollte dorthin zurück, wo sie die Wärme ihrer Mutter gespürt hatte. Sie wollte weg von dieser Welt, die sie ihrer Aufgabe und ihrem teuersten Besitz beraubt hatte.
Die Mundwinkel des Zwerges zuckten. „Du siehst mir nicht aus, wie ein Waldläufer, doch sei es drum... Dir gebührt wohl mein Dank dafür, dass du dich um meine Neffen und meinen Freund gekümmert hast. Ich werde dafür Sorge tragen, dass deine Verletzungen in guten Händen sind, sollten wir jemals aus diesem verhexten Labyrinth heraus kommen, bevor wir uns von dir-“ Ein dröhnender Ruf, hämmerte nahezu durch ihre Gehörgänge. Die flüsternden Worte des bärtigen Mannes vor ihr, hatten schon ungewohnt laut gewirkt, doch Kilis schriller Freudensruf, war alles andere als angenehm und schluckte jedes weitere Wort um sie herum. Ihre Kopfschmerzen schienen sich um ihr Vielfaches auszuweiten und es kostet der Zwergin Mühe, ihrer Faust nicht freien Lauf zu lassen, als Kilis Gesicht plötzlich auf der anderen Seite ihres Sichtfeldes auftauchte.
„Nîn!!! Du lebst! Geht es dir gut?“
Die Zwergin wusste mittlerweile, dass es nicht in ihrer Macht lag, mit Blicken Eingeweide zum kochen zu bringen, doch so lange, die geringe Hoffnung bestand, dass sie nur fest genug daran glauben musste, wollte sie es weiter probieren. Kilis Lächeln erstarb schrittweise und endete in einem nervösen Schlucken, als er wohl die mangelnde Angebrachtheit seiner Worte bemerkte. Ein kleiner Gedanke in ihrem Hinterkopf erinnerte Nîn daran, dass der geistig womöglich minderbemittelte Zwerg wohl möglicherweise nicht verstand. Tief in ihrem Hals scheuerten tausende Sandkörner, die ihrer Stimme einen merkwürdig fremden Klang verliehen, als sie sich an mehr als einem Flüstern probierte. „Möchtest du sterben?“ Sie lächelte hoffnungsvoll, doch Kili huschte mit seinen Augen nur peinlich berührt zu denen seines Onkels, anstatt ihre Frage zu bejahen. „Wir sind fast draußen, wir versuchen nur noch diese letzte Tür zu öffnen, falls es denn eine ist. Bilbo hat etwas von versteckten Mechanismen gesprochen, die dieses ganzen Gänge hier durchziehen.“ Nîn schaute ungläubig in das freudig erregte Gesicht des jungen Zwerges. Er war wohl nicht von hier... „Ja, Raznek liebt solche Spielereien. Kann mir gut vorstellen, dass er sein ganzes geraubtes Wissen in seinen Bau eingebaut hat.“ Der kleine Mann hatte sich mittlerweile umgedreht und damit begonnen energisch, aber mit gedämpftem Tonfall und höflich gewählten Worten auf Fili und Bofur einzudrängen. Ein kleiner Mechanismus, wie Nîn ihn schon einige Male zuvor auf ihrer Jagd gesehen hatte, ragte wenige Hand breit neben ihm knapp über dem Boden aus der Wand. „Habt ihr es schon mit dem Schalter dort versucht? Ihr müsst vorher dran ziehen.“
Die beiden Zwerge vor ihr drehten synchron den Kopf zu der Stelle, zu der sie genickt hatte. Die Diskussion zwischen den drei Männern hinter ihnen entfachte zu einem wütenden Streit.
„Udâmai!?²“ Die gehobene Stimme des bärtigen Zwergen legte sich wie ein dunkles Tuch über seine Gefährten. Stumm sahen sie zu ihnen hinüber, wo der Zwerg, an dessen Namen sich Nîn langsam als 'Thorin' erinnerte, nur vielsagend die Brauen hob und den Kopf schief legte.
Die Zwergin konnte nicht genau erkennen, was er ihnen mit seinen Augen mitteilte, denn sie konnte nur seinen Hinterkopf und ihre Reaktionen sehen, doch was sie vor allem sah und spürte, war eine Hand auf ihrer Schulter. Sie folgte ihrem Anblick mit großen, ungläubigen Augen bis zu ihrem Besitzer und entdeckte einen Kili am anderen Ende, der sie jedoch nicht beachtete. Einen Moment lang versuchte sie sich vorzustellen, was die höflichste Art und Weise wäre, seine Hand von dort zu entfernen, doch fiel es ihr schwer über etwas wie 'Arm auskugeln' hinaus zu kommen und das wiederum kam ihr doch sehr mühselig vor, weshalb sie ihre Wut hinunter schluckte.
Ein Knirschen raunte durch die Steine links von ihr und kalte, frische Luft zog scharf und ermunternd über ihr Gesicht. Sie lächelte und versuchte ihre Beine dazu zu ermuntern, sich zu bewegen. Auf ein Neues!


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²"Udâmai" (khuz) = Gefährten; Freunde
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Moriko

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BeitragThema: Re: 022 - Wiedersehen   So 12 Jan 2014, 17:54

Doch bei einem Lächeln blieb es, mehr rührte sich an ihr nicht.
Ihre Beine schienen mit Blei gefüllt zu sein. Peinlich berührt versuchte Nîn zumindest die Arme und Hände etwas zu bewegen und mit den fingern zu kneten, in der Hoffnung, dass das den Rest des Körpers ebenfalls motivieren würde. Es gelang ihr sogar überraschend schnell, die Knie anzuwinkeln, sodass die Füße auf dem Boden standen. Jedoch reichte dies nicht einmal dafür aus, um zu einem Loch im Boden zu kriechen, indem sie versinken konnte.
Die Zwergin biss sich mit gesenktem Kopf auf die Unterlippe. Alle waren sie wieder gesund und munter, nur sie fing plötzlich an zu schwächeln, ausgerechnet jetzt! Dieser Thorin wirkte auf sie nicht unbedingt wie jemand, bei dem man einen guten Eindruck hinterließ, wenn man nach einer helfenden Hand zum aufstehen fragte, aber wenn sie wartete, bis es jemand der anderen mitbekam wie schwach sie war und sie dann laut und deutlich fragen würde, ob sie nicht alleine aufstehen könne, würde das Wohl ihrem wenig verbliebenen Stolz den Gnadenstoß versetzen.
Eine kräftige Hand griff ihr urplötzlich unter den Arm und zog sie problemlos hoch, als hätte sie kein Gewicht.
Wortlos legte Kili ihren Arm und seine Schulter und stützte sie gleichzeitig so, dass sie zwar ihre eigenen Füße zum Laufen verwenden musste, dafür jedoch kaum Kraft benötigte. Nîn schluckte und warf dem Zwerg, den sie kurz zuvor noch angefahren hatte, einen flüchtigen Blick zu. Er beachtete sie nicht, sondern schien mit freudiger Erregung nur auf das baldige Verlassen der Höhle konzentriert zu sein. In stummer Dankbarkeit schloss die Zwergin sich seinem Schweigen an und genoss stattdessen Bofurs triumphierende Freudensausbrüche, während er draußen herum tollte, wie ein kleines Kind und Thorin in versuchte zur Heimlichkeit zu verdonnern. Sie konnte es beiden nicht verübeln. Natürlich gab es schöneres, als endlich von den Orkstollen befreit wieder feindselige Kreaturen anzulocken, aber als Nîn über die Schwelle des Tunnels schritt und die kühle Nachtluft mit tiefen Zügen in sich einsog, konnte sie sich nicht daran erinnern, jemals etwas schöneres empfunden zu haben. Der empörte Ruf eines Käuzchens, obgleich der nächtlichen Ruhestörung, trällerte wie Musik in ihren Ohren in harmonischem Einklang mit dem Rascheln der Blätter und des Grases um sie herum. Sie sah Fili, dem eine ähnliche Freude, wie die Bofurs ins Gesicht geschrieben stand, zu ihm hinüber eilen und ihn halbherzig besänftigen und ihre Dankbarkeit zu Kili wuchs um so mehr bei der Erkenntnis, dass er ihr zuliebe wohl so beherrscht einen Fuß vor den anderen setzte. Vielleicht hatte sie sich ja in ihm getäuscht. So lange er nicht unbedingt den Mund aufmachte, schien er doch gar kein so übler Weggefährte zu sein.
Mit hochroten Ohren, gab sie sich innerlich eine Ohrfeige. Um den Gesundheitszustand ihres Kopfes schien es wohl schlimmer zu stehen, als sie gedacht hatte. Der kleine Mann mit den haarigen Füßen tapste neben ihr und Kili unruhig von einem Fuß auf den anderen. „Ssscht! Hört ihr das?“
Die Botschaft seiner geflüsterten Worte knallte wie ein Peitschenhieb durch die Gruppe von albernden Zwergen. Auch Nîn versuchte mit ihren angeschlagenen Sinnen in die Dunkelheit hinein zu horchen und vernahm wage Stimmengewirr aus der Ferne. Möglicherweise ein Kampf? Die Worte konnte sie nicht verstehen, aber sie schienen nicht unbedingt freundlicher Natur zu sein. Thorin gab ein Zeichen und Bofur, sowie der kleine Mann schlichen ihm hinterher. Fili schloss zu Kili und Nîn auf und stützte sie von der anderen Seite, damit sie schneller laufen konnten, ohne, dass sie das Gleichgewicht verlor. Verwirrt versuchte sich die Zwergin vorzustellen, was passiert war, während sie weggetreten gewesen war. Sie hatten ihren Onkel wieder und waren im Freien. Die Zwergin brachte ihn nun keinen nutzen mehr und war sogar eine Last, also für Leute, wie sie sie kannte, kein Grund, Energie an sie zu verschwenden. Irgendetwas an der Denkweise dieser Zwerge war anders und unbekannt und sorgte bei der Zwergin für Unbehagen, da sie es keineswegs einschätzen konnte. Doch gleichzeitig kitzelte es an ihrer Neugierde und so beschloss sie es für's erste einfach ohne zu hinterfragen auf sich beruhen zu lassen. Sie bogen gemeinsam um einige Felsen herum und mit einem Schlag erschienen die Stimmen viel lauter als zuvor. Es handelte sich um einen Streit zwischen mehreren Personen, die sich wohl mit Art, Gegenwart und naher Zukunft ihrer aktuellen Mission nicht gänzlich einig werden konnten. Anstatt jedoch in Alarmbereitschaft zu verfallen, da die dazugehörigen Personen wohl dicht an ihnen dran waren, breitete sich ein glückseliges Lächeln auf dem Gesicht von den drei Männern vor Nîn aus.
Thorin sprang mit einem Satz auf den Felsen, hinter dem sie gelauscht hatten und hob posierend die Stimme. „Mit eurem lauten Geschrei macht ihr ja sogar den Bergtrollen Konkurrenz, denen wir begegnet sind!“ Ein Freudentumult brach auf der anderen Seite des Felsens aus. Die Personen schienen sich wohl untereinander zu kennen und auch Nîn kamen vereinzelte Stimmen bekannt vor.  Als sie mit Kilis und Filis Hilfe um den Felsen herum die Lichtung betrat, erkannte sie in den streitenden Personen die restlichen Zwerge wieder, die sie in Bruchtal beobachtet hatte. Sie stützte sich an dem großen Stein ab und bedeutete den Brüdern mit einem Kopfnicken, dass sie sie ruhig alleine lassen konnten, um ihre Freunde zu begrüßen. Unwohlsein breitete sich von ihrem Herzen bis in die Spitzen ihres Haares aus. Es war ein schöner Anblick und sie musste Lächeln, als Kili, Fili und Bofur versuchten zu erklären, weshalb sie in Orkrüstung gekleidet waren und diese mit rotem Kopf eilig versuchten los zu werden, doch je spaßiger das Wiedersehen der Zwerge vor ihren Augen wurde, desto schwerer schien der Stein zu werden, der sich um das Herz der abseits stehenden Zwergin legte. Der kleine Mann, der von seinen Freunden mit 'Bilbo' begrüßt wurde, schien sich ebenfalls nicht allzu wohl bei dem freundigen Gemenge zu fühlen, doch auch er erntete herzliche Umarmungen und Fragen nach dem Befinden. Durch die euphorischen Zwerge hindurch, fiel Nîns Blick plötzlich auf einen sehr alten Zwerg, der sich zwar ebenfalls freute, jedoch noch mit etwas beschäftigt war. Als sie sah, mit was er beschäftigt war, fielen zunächst sämtliche Steine von ihrem Herzen ab, nur damit eine plötzliche Erkenntnis es mit einem Schlag in der Luft zerriss.
Der alte Zwerg, der auf den Namen 'Oin' hörte, kniete neben einer Schüssel mit dampfenden Wasser, um die herum einige blutige Tücher lagen. Er fixierte gerade einen Verband um eine Schulter, die der Zwergin nur allzu bekannt war. Selbst bei den schlechten Sichtverhältnissen, durch das spärliche Lagerfeuer und den tobenden Zwergen, blieb kein Zweifel daran, wer die elbische Person war, die diese Schulter ihr eigenen nennen konnte. Einige Zwerge gingen in Richtung Feuer um für mehr Licht und Wärme zu sorgen, und Nîn erkannte den Rest von ihrem alten Bekannten. Morwe, ein hochgewachsener und kräftiger Elb mit schwarzen Haaren und wichtige Persönlichkeit innerhalb Wache in Bruchtal, sah fürchterlich mitgenommen aus. Schürf- Schnittwunden und dunkle Prellungen überzogen seinen freien Oberkörper und das blutige Tuch, das sein Gesicht verdeckte, zeigte, dass er wohl bis vor nicht allzu langer Zeit noch stark geblutet hatte.
Nîn hatte ihn schon seit einer langen Zeit nicht mehr gesehen, doch sie wusste zu was dieser Kämpfer fähig war und war umso verwunderter, was ihn derart hatte zurichten können.
Er hatte sie vor vielen Jahren vor Orks gerettet und halb tot nach Bruchtal gebracht, doch trotz allem, hatte sie über die Jahrzehnte hinweg niemals vollständig einschätzen können, ob er ihr nun feindlich oder freundlich gesinnt war. Besonders, da seine bedeutsame Familie alles daran legte, das Leben der junges Zwergin in ein brennendes Inferno zu verwandeln...
Seit sie von Gerüchten erfahren hatte, dass er nun als eine Art Oberhaupt der Familie auftrat, hatte sie beschlossen, ihn nicht unbedingt als Person zu sehen, der sie als erstes begegnen wollte, wenn sie ihr Weg zurück in die Elbenstadt geführt hatte. Ein vertrautes Gesicht hier in dieser fremden Wildnis und unter diesen Umständen wieder zu sehen, ließ ihr Herz vor Freude hüpfen. Doch nur, bis sie sich darüber im Klaren wurde, was für eine Waffe an ihrem Gürtel befestigt war, was sie damit getan hatte und vor allem … wem diese kurzfristige Leihgabe eigentlich gehörte...!
Sie versuchte sich unbemerkt aufzurichten, was Mahal sei Dank auch überraschend gut funktionierte und machte vorsichtig einen Schritt zurück in die Richtung, aus der sie mit Filis und Kilis Hilfe gekommen war. Allein diese Aktion kostete sie viel Energie ihrer Kraftreserven, aber trotz allem konnte in Anbetracht dieser Lage womöglich ein taktischer Rückzug angebracht sein, je nachdem aus welchen Gründen Morwe in diesem Bereich des Landes unterwegs war.
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Lenz

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BeitragThema: Re: 022 - Wiedersehen   Mo 13 Jan 2014, 05:24

Morwes Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln, während er durch das Tuch nach den Zwergen spähte, die sich freudig in den Armen lagen. Ausgelassenes Gelächter wehte über die Mulde hinweg, in der sie ihr notdürftiges Lager aufgeschlagen hatten. Selbst der beherrschte Dwalin schien vor Wiedersehensfreude kaum an sich halten zu können und umarmte seine vermissten Kameraden. Die Art wie dieses kleine Volk miteinander umging überraschte Morwe. Er hatte die Zwerge als ausgesprochen unnahbar und undurchschaubar eingeschätzt, als grimmig und stur und auch ein wenig steif. Aber zu sehen, wie sich diese Gruppe erwachsener Männer plötzlich benahm als wären sie eine Schar Kinder, strafte seine Einschätzung Lügen.
Durch das allgemeine Durcheinander konnte Morwe einen besonders kleinen Zwerg erkennen, welcher jedoch nicht so ganz in die Schar zu passen schien und etwas befangen wirkte. Seine Statur war noch schmächtiger als die Oris, seine Haare schienen ungewöhnlich kraus und was von seinen Ohren darunter auszumachen war, legte nahe, dass sie leicht spitz waren. Morwe kniff die Brauen zusammen und musterte die seltsame Gestalt, die für diese wilde Gesellschaft viel zu bieder und unkriegerisch erschien.
„Das ist unser Hobbit Herr Bilbo.“, flüsterte Oin, dem der Blick des Elben nicht entgangen war.
Morwes Augen weiteten sich. „Ein Hobbit?“, wiederholte er ungläubig und seine Augen huschten zwischen dem Durcheinander aus Beinen umher, in dem er tatsächlich ein Paar haariger großer Füße erkennen konnte. Noch nie hatte er einen Hobbit aus nächster Nähe gesehen. Was er von ihrem Volk wusste, basierte hauptsächlich auf allgemeinem Hörensagen und darauf, was Rínon ihm hier und da aus Büchern vorgelesen hatte. So weit er wusste, war dieses kleine Volk eigentlich sehr heimatverbunden und weiten Reisen und fremden fernen Ländern eher abgeneigt. Sie schätzte den Komfort ihres lieblichen Landes im Westen und hatten mit anderen Völkern kaum etwas zu tun. Einen von ihnen hier in dieser Wildnis anzutreffen war ... ungewöhnlich.
Jäher Schmerz in seiner Schulter ließ Morwe zusammenzucken und lenkte seine Aufmerksamkeit rasch wieder auf andere Dinge. Oin zurrte den Verband noch etwas fester. Mit einer Hand gestikulierend bedeutete ihm der Zwerg sich zu drehen, damit er besser an seiner andere Seite herankam, um sie ebenfalls bandagieren zu können. Morwe folgte seinem Wink, erstarrte jedoch in seiner Bewegung. Sein Blick fiel zwischen den Felsen hindurch auf eine weitere Gestalt, die in den Schatten verborgen war. Unbeholfen versuchte sie sich in der Dunkelheit davonzustehlen. Es gelang ihr nicht und offenbar erschöpft lehnte sie sich gegen den hohen Stein hinter sich.
Das blutige Tuch glitt Morwe aus der Hand. Er kannte diese Konturen! Unwillkürlich spannten sich seine Muskeln. Seine Zähne bissen so fest aufeinander, dass der Schmerz in seinem Kiefer bis in seine Schläfen hinauf wanderte. Plötzlich war er auf den Beinen. Hinter seiner Stirn zog sich sein Hirn qualvoll zusammen durch die ruckartige Bewegung und ihm schwindelte. Doch es war ihm gleich. Morwe ignorierte Oins Protest und wankte unbeirrt in Richtung Felsen. Selbst im Flackerschein des Feuers konnte er sehen, wie die kleine Gestalt zusammenzuckte.
„Iston i nîf gîn, rossir!“1, Morwe begriff erst einige Sekundenbruchteile später, dass es seine wutentbrannte Stimme war, die gellend durch die Nacht schnitt. Auf einmal war es totenstill in der Mulde. Kein Zwerg rührte sich.
Schwer atmend hob Morwe den Arm und deutete mit gebleckten Zähnen auf Nîn. Er schmeckte Blut auf den Lippen. „Ech leweg thaur gwarthui, dagithon gin!“2


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(sindar.) „Ich kenne dein Gesicht, Rotschopf!“
(sindar.) 2 „Du abscheulicher verräterischer Wurm, ich werde dich umbringen!“



Kein Marmorhallenupdate heute mehr ;___; hab zu lange gebraucht, um dilettantisches Sindarin zusammenzuschustern....
Ich denke mal er meint das nicht so.....  Engel  liegt bestimmt nur am Blutverlust usw.... eigentlich wollte er damit bestimmt sagen "Ey Nîn altes Haus, ich freu mich sooo dich zu sehen!"  Wink 
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BeitragThema: Re: 022 - Wiedersehen   Mo 13 Jan 2014, 19:50

Nîn versuchte sich erneut vom Stein weg zu stoßen, und dank der Panik, die in dem Moment das Blut durch ihre Glieder pumpte, gelang es ihr auch. Für einen Moment benommen sah sie Morwes verwackelte Gestalt auf sie zu schreiten und wie er ihr etwas entgegen streckte. Die junge Zwergin ließ alle Vorsicht fahren und zog ihre Waffe. Wenn er sie schon töten würde, dann würde das Schwert wohl kaum einen Unterschied machen. Zu spät bemerkte sie, dass es nur ein drohender Finger war.
Mit beiden Händen umklammerte sie den Haft der Elbenklinge und hielt sie zitternd ihrem alten Freund entgegen.
„Ach ja?! Das will ich sehen! Das schaffst du eh nicht, Tirithin²!“
Den Elben zu reizen, war das letzte, was Nîns Herz wollte, doch sie brauchte Mut und Kraft um die nächsten Momente zu überleben und für gewöhnlich erreichte man so etwas durch laute, abfällige Rufe, die in den meisten Fällen etwas unter die Gürtellinie gingen.

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²Wächterlein (Vanyes Kosename für ihn)
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BeitragThema: Re: 022 - Wiedersehen   Mi 15 Jan 2014, 18:01

Morwes Blick verfinsterte sich. Er hörte gedämpftes Geflüster um sich her, Rascheln in den Schatten, aber es war, als würde sein Bewusstsein seine Sicht verhüllen, bis dass nichts mehr außer ihm und der zwischen den Felsen kauernden Nîn existierte. Etwas blitzte vor ihr durch die Luft. Die Zwergin spie ihm höhnisch Worte entgegen, ihre Stimme jedoch verriet anderes. Furcht. In Morwes Bauch rührte sich ein seltsames Empfinden. Wie wenn sich seine Eingeweide zusammenkrümmen würden und dabei eine lähmende Kälte emittierten. War es, dass Nîn kaum gezögert hatte ihre Waffe gegen ihn zu erheben, was ihn so verletzte? Morwe wusste nicht mehr, wie er sich ihr Wiedersehen vorgestellt hatte, in diesem Augenblick aber hätte er alles daran gegeben, dieser Situation entkommen zu können. Er fürchtete seinen Zorn, von dem er sich gar nicht sicher war, ob er wirklich sein eigener war. Er fürchtete noch ein paar Schritte weiter nach vorne zu tun, aus Angst, was daraus folgen mochte. Und was wollte er überhaupt?
Seine Gesichtsmuskeln zuckten. Unschlüssig stolperte er weiter vorwärts, ohne eine Entscheidung dazu getroffen zu haben. Wenn er Nîn erreichte, was würde er dann tun? War er hier, um Elronds Auftrag zu erfüllen? War er hier um, Nîn für ihre Unverfrorenheit zur Rechenschaft zu ziehen? Oder wankte er auf sie zu, um sich an ihr zu rächen?
Zu rächen für was...? In Morwes Kopf schien alles plötzlich zu schwimmen. Was hatte sein Großvater doch gleich über Nîn gesagt? Aber war das jetzt nicht eigentlich egal? Jetzt, wo Morwe seine Anweisungen ohnehin sämtlich in den Wind geschlagen hatte...
Wo kommt diese Wut in mir her? Der Zorn in seinem Innern wollte trotz allem nicht schwinden. Noch ehe die Ahnung, was genau ihn an Nîns Verrat eigentlich so in Rage versetzte, in seinem Geist Gestalt annehmen konnte, fielen seine Augen auf die Klinge, die sie ihm entgegen reckte. Morwes Lippen bebten und seine Augen wurden schmal.
„Du wagst es...!“, er erstarrte und schoss Nîn einen vernichtenden Blick zu. „Du wagst es mir mit dieser Waffe zu drohen?! Du wagst es dieses Schwert gegen mich zu erheben?!!“, seine Stimme hallte über die Felsen hinweg. Morwe wusste, dass sie in der Wildnis nicht weit von einem Heer von Feinden ausharrten, dass sie verwundet und erschöpft waren und einen Kampf nicht riskieren konnten, ja es nicht einmal riskieren konnten entdeckt zu werden, doch er konnte sich nicht mehr beherrschen. „Dieses Schwert, das du gestohlen hast wie eine hinterhältige doppelzüngige Orkbrut!!“, zu Vieles, was Morwe Nîn nur zu gerne ins Gesicht geschrien hätte, brandete gegen seine Kehle. Sein Kiefer zitterte vor Wut.
„Io na vedui agar boe siria, pedo: Indanneg o man lhîwaitha an gîn gweriath?! Erchanneg annin nan an chûn Úlong mi bonta?!“


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(sinda.) „Io na vedui agar boe siria, pedo:“ = Bevor also/ schließlich Blut fließen muss, sag(e mir)/ sprich:
(sinda.) „*Indanneg o man *lhîwaitha an gîn gweriath?!“ = Hast du daran gedacht wer für deinen Verrat leiden/büßen müssen würde?!
(sinda.) „Erchanneg annin nan an chûn *Úlong vi *bonta?!“ = Hast du mir mit leichtem Herzen (Gewissen) den Dolch in den Rücken gestoßen?!


Ab jetzt werde ich Sindarin ( so schön es auch ist) anders kennzeichnen und nicht mehr übersetzen -.- es gibt zu wenig Informationen zur Grammatik und zu wenig Wörter...  Kopf + Wand  die mit dem Sternchen hab ich abgeleitet nach den Wortbildungsregeln so weit es ging
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BeitragThema: Re: 022 - Wiedersehen   Mi 15 Jan 2014, 20:51

Die Klinge in Nîns Hand zitterte immer bedrohlicher. Noch nie war ihr aufgefallen, wie schwer ein so zarter Hauch von Stahl zu sein vermochte. Von der Seite hörte sie aufgeregtes Geflüster. Kili war mitten in seinem entrüsteten Marsch zwischen sie und Morwe erstarrt. Er sah sie kaum an, so, wie es mit Leuten macht, die aus einer Schublade entfernt wurden um kurz danach in einer sehr viel tieferen und unangenehmeren zu verschwinden. Selbst Thorin hatte Anstalten gemacht seine Stimme zu erheben, um den vorlauten, fremden Elb zum Schweigen zu bringen. Doch im Moment herrschte nur die Mischung aus Schweigen, Getuschel und hastig ausgetauschten Blicken, die nach mehr Informationen lächzte. Morwes Blick war wie des Feuer lodernde Glut, dass jemand brennend auf ihre Wunden legte. Die Welt um sie herum brach Splitter für Splitter auseinander. Ihre Zunge und Lippen formte sich um hilflos um Buchstaben, doch keine davon wollten gesprochen werden. "Geron naeth²...", ihr Kopf merkte erst, dass ihr Herz Wörter gefunden hatte, als er sie selbst wie aus dem Munde eines Fremden aus der Ferne vernahm. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Kraftlos, gebrochen, nahezu flehentlich. Sie wusste nicht wovon Morwe sprach, doch sie wollte nicht, dass er sie umbringen wollte.
Ein Teil von ihr, wünschte sich durchaus den Tod, bei dem Blick auf die zermalmende Leere, die vor ihr in Jahrhunderten der ziellosen Existenz lag. Doch flimmerte der kleine Funke, den der Elb über die eng verbundenen Jahre in ihr Herz gepflanzt hatte, ängstlich und wimmernd auf. Er sollte nicht derjenige sein, der es beendete. "Er war nicht für deinen Rücken bestimmt!"
Sie starb. Ihr Körper, mitten auf einer Lichtung, mit beiden Füßen fest auf dem Boden und zu ihrer Überraschung mehr als nur einen Schritt von dem stützenden Felsen entfernt, existierte weiter. Atmete, schmerzte, fror. Doch die Kraft, die ein Gebilde aus Gefühlen und Erinnerungen sowie Plänen und Wünschen aufrecht erhalten hatte, war verschwunden. Es gab keinen großen Zusammenbruch oder einen großen Schmerz. Nîn ließ nur die zitternden Glieder sinken und beendete das Zittern in ihrem Brustkorb. Ruhe legte sich über ihren Geist. Die seelige Erkenntnis einer Entscheidung. Leichtigkeit stüzte ihre Stimme und den Kampf gegen den Schmerz und den Schwindel. Sie müsste diesen Kampf schließlich nicht mehr gewinnen. Nur lang genug heraus zögern. Die junge Zwergin konnte in Morwes Augen den Schmerz sehen, der zu einer tollwütigen Bestie in seinem Inneren angeschwollen war. Sie hatte es verdient. Warum genau konnte sie nicht benennen. Doch Morwe hatte Liebste in seinem Leben, die sehnsüchtig auf seine Heimkehr warteten. Selbst sein wundervolles Pferd würde wohl kaum auch nur einen Bündel Hafer anrühren, bis er nicht wohlbehalten die Heimat erreichen würde. Sollte sie zulassen, dass seine Wut, die sich über Jahrhunderte, durch sein Wesen genagt hatte, sein Selbst in einem schwachen Moment verschlang und er als Fremder zurück zu Rínon und Vanye kehrte?
Sie warf ihm das Schwert zu. Die blanke Klinge sirrte zitternd durch die Luft, während der Schaft einen leichten halbkreis beschrieb um zielgenau in seiner Hand zu landen.
Es war das einzige und zumal wertvollste und ehrlichste Geschenk, das sie ihm jemals hätte machen können.
Die Zwergin reckte halb bewust, halb unbewust das Kinn ein Stück weit in die Höhe, um ihren ungeschützten Hals preis zu geben. "Caro egor avgaro han, afnevo!³" Ihre Stimme war fest und auffordernd wie ihr Blick, mit dem sie ihren ehemaligen Kameraden fixierte.



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(sinda.) "Geron naeth" = Es tut mir Leid
(sinda.) "Caro egor avgaro han, afnevo!" = "Tu es oder laß es, es gibt kein Versuchen!"  (.... *hust* (c) by Yoda...)


Zuletzt von Moriko am Do 06 Feb 2014, 21:19 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: 022 - Wiedersehen   Do 16 Jan 2014, 15:07

Wie von alleine hatte Morwes Hand sich um die Waffe geschlungen, von der er erst einen Moment später überhaupt gemerkt hatte, dass sie auf ihn zugeflogen kam. In Morwes Kopf hallten Nîns Worte noch nach, doch er konnte seinen Ohren nicht trauen. Ungläubig huschten seine Augen über das Schwert in seiner Rechten. Obgleich es eine Waffe seines Volkes war, erschien sie ihm auf einmal entsetzlich schwer. Fremdartig und kalt lag der Griff in seiner Hand. Er konnte seinen Pulsschlag in seiner Handfläche fühlen, der mahnend durch seine Adern pochte.
Morwes Blick wanderte zögernd die von den Flammen in blutiges Rot getränkte Klinge entlang bis hin zu Nîns entblößtem Hals, dem sie ihm entgegen reckte. Flüchtig musterte er ihr Gesicht. Ihre Haut wirkte eigenartig fahl, ihre Augenhöhlen in Schatten gehüllt und ihre Wangen hohl und eingefallen. Durch seinen Geist streiften rastlos ihre Worte. Die Erinnerung an ihre Stimme ließ Morwes Nackenhaare zu Berge stehen. Er konnte sich nicht entsinnen Nîn jemals so erlebt zu haben. So entkräftet, resignierend. Leblos...
Morwe versuchte seinen Atem zu kontrollieren, aber er konnte keine Ruhe in seine kribbelnden Glieder bringen. Seine Seele war zum Schlachtfeld entgegengerichteter Kräfte geworden. Rasender Zorn entflammte seine Sinne, seine eigentliche Aufgabe - das Schwert zurückzubringen - war vergessen, sein Pflichtbewusstsein wurde niedergestreckt von zwei übermächtigen verzehrenden Gewalten: Nîns Leben zu schonen - oder nicht.
Die anderen Zwerge hast du zuletzt doch gerettet, aber Nîn willst du das Leben nehmen?
Dein eigentlicher Auftrag galt Thorin Eichenschild... Wenn er nicht stirbt, ist selbst der Tod aller anderen wertlos...
...Weshalb willst du Nîn tot sehen?

Die Frage echote durch sein Bewusstsein. Sie übertönte selbst das hektische Getuschel um ihn her und das Knistern des Feuers. Keine Antwort wollte sich ihm auftun.
Tötest du einen, tötest du alle...
Morwes Hand um den Schwertgriff versteifte sich. Er tat ein paar Schritte nach vorne.
Tu es oder lass es...
Er wollte Nîn nicht töten. Er wollte sie nicht töten müssen. Er wollte sie nicht tot sehen. ...Oder doch?
Hinter dem Schleier aus Zorn kauerte eine Finsternis in seinem Geist, die wie ein Dorn in seinem Fleisch steckte und sein Herz langsam vergiftete. Ein Fremdkörper in seiner Seele, der ihn blind machte.
Morwe hob das Schwert hoch über den Kopf. Jemand rief etwas und plötzlich stürzte sich eine blonde Gestalt zwischen ihn und Nîn.
„Wenn du ihr etwas antun willst, musst du zuerst an mir vorbei!“, rief der Zwerg und breitete seine Arme aus, um seine Worte zu untermauern.
Kaum eine Sekunde später schnellte ein zweiter Zwerg vor. Er sah nicht minder jung aus, doch sein Blick verriet grimmige Entschlossenheit. „Du wirst es zuerst mit uns beiden aufnehmen müssen!“
Verdutzt hielt Morwe inne.
„Genaugenommen...“, setzte ein dritter Zwerg mit einem großen Hut mit geflügelter Krempe an, der vor seine zwei Gefährten sprang. „...wirst du dich außerdem vorher auf eine lange, langatmige und vor allem langweile Diskussion mit uns einlassen müssen - immerhin sind wir unbewaffnet und du würdest doch keine Unbewaffneten angreifen - und dich erklären müssen, uns deine Absichten und Beweggründe darlegen, aufgrund derer wir uns dann lange beratschlagen werden, um entscheiden zu können, ob wir dich durchlassen oder nicht. Wir Zwerge sind da sehr demokratisch, weißt du, und das kann schon mal ein bisschen dauern und überhaupt-“, das Geschnatter des Zwergs wollte nicht enden, aber Morwe schenkte ihm keine weitere Beachtung. Zwischen den drei Zwergen hindurch suchten seine Augen die Nîns.
„Úedhraithannen gîn guil tá na mebin han echin hî ad.“, er schüttelte resignierend den Kopf. Erschöpfung übermannte ihn plötzlich, seine Glieder waren wie leergepumpt. Trotzdem schlich sich ein Funken Wärme in seine Brust zurück. Sein Zorn wurde zu dem, was er ursprünglich gewesen war, Enttäuschung und Schmerz. „Úpelen- úaníran nadagnireg...“
Das Schwert wirbelte sirrend durch seine Finger. Er sah den Schock in den Augen der drei Zwerge und in einer einzigen fließenden Bewegung rammte Morwe die Klinge vor sich in die Erde.

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(sinda.) „Úedhraithannen gîn guil tá na mebin han echin hî ad." - „Ich habe dir damals nicht das Leben gerettet, damit ich es dir jetzt wieder nehme.“
(sinda.) „Úpelen- úaníran nadagnireg...“ - „Ich kann nicht- ich will nicht dein Mörder sein...“

so viel zu meinem Vorsatz... Rolling Eyes  btw wäre es cool, wenn die orks kommen und das Schwert dann plötzlich leuchtet ^^
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022 - Wiedersehen
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